FC Bayern gegen AS Rom Francesco Totti: Das ist Romas Circus Maximus

Romas Francesco Totti: Nach jedem Tor schaut er auf die Tribüne zu seiner Frau und nuckelt am Daumen. Foto: dpa

Er ist in Rom geboren und aufgewachsen, gab als 16-Jähriger sein Serie-A-Debüt bei AS Roma – und verließ den Verein nie. „Wie hätte ich das vor meinen Kindern rechtfertigen können?“, sagt Francesco Totti (38).

 

Rom, München - Für die einen, die Nörgler und ewigen Kritiker, ist Francesco Totti das einzige Maskottchen des italienischen Fußballs, das selbst auf dem Platz steht. Und auch nur im Maskottchen-Tempo trabt, siehe das 1:7 seines AS Rom im Hinspiel der Champions League gegen den FC Bayern. Für seine Fans, für seine Bewunderer, ist er der letzte Gladiator Roms, ein ewiger Romanista in der Ewigen Stadt. Ein Wahrzeichen des AS Rom, mit 38 Jahren und drei Tagen der älteste Torschütze der Königsklasse. Nur einer von vielen Rekorden.

An diesem Mittwoch gastiert der „Circus Maximus Totti“ in der Allianz Arena. Die AZ stellt den Kapitän des heutigen (20,45 Uhr, ZDF und Sky, Liveticker auf az-muenchen.de) Bayern-Gegners in der Champions League vor. Manege frei: seine Roma: Francesco Totti ist AS Rom und AS Rom ist Francesco Totti – auf immer und ewig. So einfach ist das.

Geboren in Roms Viertel Appio Latino kam er mit zwölf Jahren zu AS und eben nicht zu Stadtrivale Lazio. Als eine Delegation des heutigen Klose-Klubs den kleinen Francesco verpflichten wollte, wurde sie von der Totti-Familie verscheucht. Als 16-Jähriger gab Totti dann sein Debüt in der Serie A, das war im März 1993. Da war Bastian Schweinsteiger, der Mr. FC Bayern, gerade mal acht Jahre alt.

Natürlich hat keiner mehr Liga-Einsätze für den AS Rom (568) absolviert und mehr Serie-A-Tore (237) erzielt. Totti – eine kickende Legende, keine Frage. seine Titel: Das Maximum in 21 Jahren Serie A war die Meisterschaft 2001 mit den „Giallorossi“ (den Gelb-Roten), zwei Mal konnte Totti zudem noch die „Coppa Italia“ (2007 und 2008) gewinnen. Torschützenkönig wurde Totti in der Spielzeit 2006/2007 mit insgesamt 26 Treffern. Noch wichtiger: die Auszeichnung als Fußballer des Jahres Italiens (1998 und erneut 2004).

Seinen allergrößten Triumph feierte Totti allerdings mit der Nationalelf. 2006 holte er in Berlin mit der Squadra Azzurra den WM-Titel, im Finale nach Elfmeterschießen gegen Frankreich (mit Franck Ribéry).

seine Ilary:
Als Totti im Juli 2005 Ilary Blasi – natürlich eine gebürtige Römerin – heiratete, war es das Medienereignis des Landes schlechthin. „Sky TG-24“ übertrug die Hochzeit über mehrere Stunden, jeder Schritt von Totti und seiner Ilary – von Beruf Modell und Schauspielerin – wird in den Klatschmagazinen seitenweise dokumentiert. Gemeinsam haben die Tottis, so etwas wie die Beckhams Italiens, Sohn Cristian (8) und Tochter Chanel (7).

Nach jedem Tor schaut Papa Totti auf die Tribüne zu seiner Frau und nuckelt am Daumen – ob er noch ein Kind will? Der Legende nach hat Francesco zu Hause nichts zu sagen, angeblich zählt Signora Totti sogar die Nudeln ab, damit der Gatte nicht zu dick wird.

seine Treue:
„Auch wenn ich mehrere Möglichkeiten hatte, zu wechseln, habe ich immer gesagt, dass ich in meiner Karriere nur das Trikot eines einzigen Klubs tragen will“, so Tottis Credo. Der Grund: „Ich weiß nicht, wie ich einen Wechsel jemals vor meinen Kindern hätte rechtfertigen können. Die Liebe war immer stärker als alle Angebote, die ich hatte. Ich bin glücklich mit meiner Entscheidung. Für mich bedeutet das mehr als ein Ballon d’Or.“ Also mehr als der Titel des Weltfußballers.

Für ihn ist ja Rom die Welt. Die Premier League kam nie infrage, denn: „Ich mag weder England noch den englischen Fußball. Außerdem ist das Wetter dort immer schlecht.“ Va bene.

seine Macken:
Eindeutig die Tattoos. Auf dem linken Unterarm prangt der Schriftzug „Stefany“, der zweite Vorname seiner Frau Ilary. Dazu die Initialen der Vornamen der beiden: „IF“. Sie trägt: „FI“. Die einen sagen kitschig, die anderen romantisch. Trennung? Schwierig! Höchstens, er lernt eine Irene kennen. Aber ein Totti trennt sich nicht. Nicht von seiner Frau und nicht von seinem Verein. Daher ließ er sich auf den rechten Oberarm einen römischen Gladiator stechen. Die Daumennuckel-Geste übrigens soll „zu Ehren aller Kinder, und besonders meiner eigenen“ sein, wie Totti erklärte. Doch kein drittes Kind?

seine Zukunft:
Totti will „bis zum 40. Lebensjahr“ für den AS Rom spielen. Der Vertrag des Kapitäns läuft bis 2016. „Solange ich mich fit fühle und der Mannschaft helfen kann, werde ich dieses Trikot weiterhin mit sehr großem Stolz überstreifen. Wenn ich mich dazu nicht mehr in der Lage fühle, bin ich der Erste, der hinschmeißt.“ Wenn ihn nicht Ilary vorher aus dem Verkehr zieht. Denn für das Leben nach der Karriere gibt es einen Plan: Gemeinsam haben die Tottis eine Bekleidungsmarke kreiert – der Name: „Never Without You“.

Certamente, logo.

 

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