Der FC Bayern trifft in der Endspielserie auf Erzrivale Alba Berlin. "Ein Bilderbuchfinale", schwärmt Berlins Vargas. Von der Form über Stars bis zur Philosophie: Die AZ vergleicht hier die beiden Basketball-Teams.

München - Reggie Redding ist einer jener Spieler, die ab Sonntag im Mittelpunkt stehen werden. Nicht nur, dass der Small Forward der Bayern-Basketballer einer von drei Münchner Spielern mit Alba-Vergangenheit ist – neben ihm noch Nihad Djedovic und Alex King –, im letzten Aufeinandertreffen in der Bundesliga, bei der 72:91-Heimpleite der Bayern, lieferte sich Redding auch noch ein wildes Handgemenge mit Berlins Joshiko Saibou.

Redding, der seinen Gegner am Hals packte, wurde damals für drei Spiele gesperrt. Der Redding-Zwischenfall zeigt, was die Basketball-Fans in der Finalserie zwischen dem FC Bayern und Alba Berlin ab Sonntag (15 Uhr/Audi Dome) erwartet: Kampf, Emotionalität, eine aufgeheizte Atmosphäre. Beide Klubs sind sich seit Jahren in gegenseitiger Abneigung verbunden.

"Es wird wichtig, dass wir uns emotional im Griff haben", sagte Bayerns Geschäftsführer Marko Pesic, "der Druck liegt immer auf uns". Vor dem ersten Spiel in München vergleicht die AZ die beiden Klubs:

Die Rivalität

Viermal trafen der FC Bayern und Alba Berlin in den vergangenen fünf Jahren in den Playoffs aufeinander, viermal behielten die Bayern die Oberhand. In der vergangenen Saison im Viertelfinale (3:1 Siege) ebenso wie 2014 in der Endspielserie (3:1), als sie letztmals den Titel nach München holten. Doch die Berliner Wut stachelte ebenso an, dass sich der FC Bayern regelmäßig an Alba-Spielern bediente. 2014 warf Albas Vorstandsboss Axel Schweitzer dem FC Bayern vor, Spieler mit "abstrusen Gehältern" zu locken. "Da werden Spieler mit Geld zugeschüttet."

Die letzten Spiele: Das Pokalfinale im Februar gewannen die Bayern trotz eines Zehn-Punkte-Rückstands im letzten Viertel mit 80:75. In der Bundesliga siegte Bayern in Berlin, Alba in München. Nach der 72:91-Heimpleite im März musste Bayern-Trainer Alexander Djordjevic gehen.

Die Form

Bayern gegen Berlin, Hauptrundenerster gegen -zweiter, "ein Bilderbuchfinale", meint Albas Akeem Vargas. Alba kam im Lauf der Saison immer besser in Form, verlor in der Rückrunde nur ein Spiel, musste im Viertelfinale gegen Oldenburg aber wie Bayern über fünf Partien gehen. Im Halbfinale gegen Ludwigsburg gelang ein Sweep (3:0).

"Es ist 50:50, alles kann in einem Finale passieren. Es gibt keinen Favoriten", sagt Djedovic zu den Chancen. "Wir haben Heimvorteil, den nutzen wir hoffentlich."

Die Stars

Der Berliner Luke Sikma wurde in dieser Saison zum wertvollsten Spieler der Bundesliga gewählt, auch Spielmacher Peyton Siva ragt heraus.

Der FC Bayern um Topscorer Jared Cunningham hat aber den ausgeglicheneren, erfahreneren Kader. "Wir haben schon gegen bessere Spieler gespielt als Sikma", stichelte Djedovic. "Die sollen über uns nachdenken, nicht wir über die." Offen ist, ob Vladimir Lucic (Schulter) zurückkehrt. Detail am Rande: Berlins Kapitän Nils Giffey ist der Neffe von Familienministerin Franziska Giffey.

Die Philosophie

Bayern gegen Alba, das ist auch ein Kampf der Systeme. Die Münchner sind seit Jahren von der jugoslawischen Schule mit Disziplin und Struktur geprägt, in Berlin hat der spanische Routinier Alejandro Garcia Reneses (71), genannt Aito, ein freies, kreatives System installiert. "Es wird spannend, welches System sich durchsetzt", sagt Pesic vor dem Duell der beiden offensivstärksten Teams der Liga.

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