FC Bayern: Ex-Torjäger im Interview Elber: "Bayern braucht Lewandowski nicht"

Giovane Elber gewann 2001 mit dem FC Bayern die Champions League. Foto: firo / Augenklick

Bayern-Held Giovane Elber spricht Klartext: "Ich würde auf Gomez und Mandzukic setzen!" Doch der Brasilianer warnt: "Wer heute gut ist, ist morgen vielleicht unbrauchbar." Er weiß, wovon er spricht.

 

AZ: Giovane Elber, Mario Gomez hat Sie überholt, steht jetzt bei 134 Bundesliga-Toren. Hat er es verdient, mit Ihnen im selben Atemzug genannt zu werden?

GIOVANE ELBER: Na klar! Tore sprechen ihre eigene Sprache. Uns zu vergleichen ist aber schwer, weil ich ein ganz anderer Spielertyp war – ich bin öfter auf die Seite gegangen, habe auch Vorlagen gegeben, war kein reiner Vollstrecker. Mario ist das Gegenteil: ein klassischer Mittelstürmer.

Haben Sie Mitleid, dass er trotzdem nicht an Mario Mandzukic vorbei kommt?

So ist das bei Bayern: Jedes Jahr kommen neue Spieler, die einem den Platz wegnehmen wollen. Nächstes Jahr kommt vielleicht Lewandowski, auch Rooney soll auf der Liste stehen. Gomez hatte mit seiner Verletzung großes Pech. Und Mandzukic, puh, der Junge hat was. Er gefällt mir schon sehr gut.

Wird Gomez nach der Saison wechseln?

Ich glaube nicht, dass Mario an einen Wechsel denkt. Im Gegenteil: Ich glaube, Gomez wird seinen Platz wieder zurückgewinnen. Er ist schon so lange in der Bundesliga und weiß, wie der Hase läuft. Wenn er weiter so regelmäßig trifft und nicht locker lässt, ist er bald wieder Stammspieler.

Ist er besser als Mandzukic?

Sie stehen auf einer Stufe. Mandzukic hat den Vorteil, dass man mit ihm auch mal Doppelpass spielen kann. Gomez ist nicht so stark im Eins-gegen-Eins, braucht für sein Spiel die richtigen Vorlagen.

Ihr Freund Claudio Pizarro hat's dagegen sehr schwer, zum Einsatz zu kommen.

Er hat sich sicher mehr erhofft, als nur dritte Wahl zu sein. Ich bin mir auch sicher, dass er nach wie vor in jedem Spiel für ein Tor gut ist. Vielleicht schießt er ja noch ein paar Jokertore, wird so zum Helden. Ich wünsche es ihm!

Ist Dortmunds Robert Lewandowski besser als Mandzukic, Gomez und Pizarro?

Ich sage nein. Bayern braucht Lewandowski nicht. Ich würde weiter auf Mandzukic und Gomez setzen! Aber im Fußball-Geschäft geht's oft schnell: Wer heute gut ist, ist übermorgen vielleicht schon unbrauchbar und muss weg.

Sie selbst sind 2003 als Torschützenkönig aussortiert worden. Woran merkt man, dass Bayern nicht mehr auf einen setzt?

Als Roy Makaay verpflichtet wurde, ahnte ich es schon. Dann kam Ottmar Hitzfeld zu mir und sagte: "Giovanni, ab heute bist Du nur noch die Nummer drei." Ich sollte nicht mal mehr Ersatzspieler sein. Ich, der Torschützenkönig, war auf einmal nicht mehr gefragt. Das wollte mir nicht in den Kopf.

Wie ging's weiter?

Ich wollte Bayern in guter Erinnerung behalten und mir nicht mit einem Jahr auf der Tribüne alles kaputt machen. Also habe mir einen neuen Verein gesucht (Olympique Lyon, d. Red.). Ich war ja gerade mal 31 Jahre alt, wollte noch spielen. Dass es dann bei Lyon nicht so lief: Pech.

Sind Sie heute noch sauer auf Hitzfeld?

Nein, nein! (lacht) Der Kontakt zu ihm und Uli Hoeneß ist sehr gut. Soll ich Ihnen sagen, warum?

Bitte.

Weil Sie fair zu mir waren und mit offenen Karten gespielt haben. Sie haben gesagt, ich bin nicht mehr gesetzt und soll mir einen anderen Verein suchen. So ist das Geschäft. Wer bleibt denn heute noch von 18 bis 35 bei einem Verein?

Bastian Schweinsteiger könnte das schaffen.

Ha, der Schweini! (lacht)

Wie war der denn so mit 18?

Richtig frech! Ihn hat überhaupt nicht interessiert, wer bei uns das Sagen hatte. Im Training hat er Vollgas gegeben. Man hat damals schon gesehen, was in ihm steckt – auch wenn er am Anfang ein wilder Hund war.

Was hat er gemacht?

In der Kabine hat er oft Quatsch gemacht. Er musste erst lernen, dass der FC Bayern was ganz anderes ist als Rosenheim. Aber heute ist er ein Vollprofi. Als Bayern-Fan freue mich jedes Mal, wenn ich den Fernseher einschalte und ihn spielen sehe.

Was sagt man in Brasilien über Verteidiger Dante?

Als Dante noch für Gladbach gespielt hat, kannte ihn hier niemand. Auch jetzt, als er erstmals zur Nationalmannschaft eingeladen wurde, waren die Leute skeptisch. Das erste Spiel gegen England lief zwar nicht perfekt, aber man hat gesehen, was er drauf hat.

Hat er das Zeug zum Stammspieler bei der WM 2014?

Ich finde: ja! Lille, Gladbach, Bayern – sein Werdegang ist herausragend. Außerdem hat er einen hervorragenden Charakter. Wie er mit den Mitspielern umgeht, ist große Klasse. Er ist nie schlecht gelaunt und sorgt bei Bayern für Stimmung in der Kabine – so wie ich früher! Wenn er verletzungsfrei bleibt, wird er bei der WM 2014 dabei sein.

Brasilien ist nicht gut drauf. Machen Sie sich Sorgen?

Bis jetzt haben wir keine gute Mannschaft. Alle haben auf den alten Fuchs Scolari (neuer, alter Nationaltrainer, d. Red.) gehofft, aber das erste Spiel ist gleich in die Hose gegangen. Uns läuft die Zeit davon. Die Einzelspieler sind gut, aber wir sind noch kein Team wie Deutschland oder Spanien.

Ist Bayern mit Schweinsteiger und Dante besser als die Mannschaft von 2001, die Champions-League-Sieger wurde?

Das bin ich letzte Saison oft gefragt worden. Aber was war? Kein Titel am Ende. Man kann das erst beurteilen, wenn diese Mannschaft etwas gewonnen hat. Wenn ich heute in Deutschland bin, erkennen mich die Leute vor allem, weil ich Champions-League-Sieger geworden bin.

Beim Triple würden Sie sich verneigen?

Ich sage es so: Jede Mannschaft hatte seine Zeit. Trotzdem drücke ich den Bayern ganz fest die Daumen und hoffe schwer, dass sie es nochmal ins Champions-League-Finale schaffen. Mein Ticket für London habe ich nämlich schon gebucht!

 

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