FC Bayern Die Vertrauensfrage

Hofft auf einen Sieg seiner Mannschaft gegen den HSV: Bayern-Trainer Louis van Gaal Foto: dpa

Louis van Gaal glaubt weiter an den Titel – und ärgert sich über den verletzten Kapitän van Bommel: „Bayern ist der Arbeitgeber“

 

MÜNCHEN Es gibt Dinge im Leben, an die Louis van Gaal noch glaubt. Das ist – abgesehen von sich selbst und seiner Frau – die Deutsche Meisterschaft 2011 mit dem FC Bayern. Trotz der bisher miserablen Ausbeute von acht Punkten in sieben Spielen. Dafür machte der Coach am Freitagnachmittag eine simple Rechnung auf. „Wir haben noch 27 Spiele. Es gibt also noch 27 Mal drei Punkte. Wir können alle Spiele gewinnen. Wir müssen die Punkte holen – am besten, wir fangen am Samstag damit an. Ich glaube noch daran, Deutscher Meister zu werden." Denn: „Wir haben unseren schlechten Moment schon gehabt." Wirklich? Alles schon passé?

Die akute Verletztenmisere und die Not zur Improvisation im wegweisenden Heimspiel am Samstag gegen Hannover (15.30 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de), der neuerliche Streit mit dem niederländischen Verband KNVB um Mark van Bommel – es hat schon angenehmere Zeiten gegeben an der Säbener Straße.

Für Louis van Gaal war es eine höchst ärgerliche Woche, wieder mal eine Länderspielwoche. „Was sind die Fakten?", begann er seinen Vortrag und zählte auf: „Ich habe keinen Robben bis Ende des Jahres. Jetzt fehlen Olic, van Buyten, van Bommel und Klose – nach einem Spiel.“ Besonders der Ausfall seines Kapitäns ist dem Coach sauer aufgestoßen. Mark van Bommel hatte – womöglich auf Druck des Verbandes – trotz einer bekannten Knie-Blessur gegen Schweden gespielt. Sarkastisch kommentierte van Gaal das 4:1 der Holländer: „Sie haben gewonnen und sehr gut gespielt. Ich war stolz...“ Er macht eine lange Pause, schnaufte, vervollständigte dann: „...auf mein Land." Sicher nicht auf den Bondscoach Bert van Marwijk und insbesondere auf van Bommel.

„Es geht um die Verantwortung von einem Trainer und einem Spieler. Auch der Verband hat Verantwortung, auch der Arzt“, erklärte van Gaal, der keine Namen nannte – und dennoch deutlich wurde. „Wenn ich Vertrauen gebe, müssen die Spieler das zurückgeben. Es ist immer eine Frage der Zusammenarbeit.“ Eben eine Vertrauensfrage.

Das Verhalten von van Bommel dürfte van Gaal ebenso verärgert haben wie zuvor Präsident Uli Hoeneß, der ihn daran erinnert hatte, „von wem er bezahlt wird“. Nun sagte van Gaal: „Wenn du verletzt bist, hat man Verantwortung. Der FC Bayern ist der Arbeitgeber.“ Ob er sauer auf van Bommel sei? Er hätte beschwichtigen können, antwortete aber: „Das ist etwas zwischen van Bommel und mir." Sportdirektor Christian Nerlinger sagte in der „SZ“, der Spieler sei „unter Druck gesetzt worden, da möchte ich ihn nicht zum Buhmann machen".

Beim holländischen Verband übrigens sieht man einer Klage der Bayern gelassen entgegen. „Warum sollten wir Angst haben?“, sagte Direktor Bert van Oostveen. „Wir fühlen uns im Recht, denn die Uefa- und Fifa-Statuten sind eindeutig." Patrick Strasser

 

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