FC Bayern Die drei Robben-Probleme

Unzufrieden: Arjen Robben. Foto: dpa

Arjen Robben ist fit, spielt aber nicht. Eine neue Situation für ihn beim FC Bayern. Was Toni Kroos damit zu tun hat, welche Rolle Trainer Jupp Heynckes spielt – und warum er sich auch selbst im Weg steht.

 

München - Eigentlich hat Arjen Robben alles richtig gemacht. "Ich will überhaupt nichts hören, aber auch gar nichts", hatte Matthias Sammer direkt nach dem 2:0-Sieg in Stuttgart über unzufriedene Bank-Spieler des FC Bayern gesagt. Also schweigt Robben – wie es sich für einen Ersatzspieler gehört, der nur durch Leistung wieder in die Startelf von Jupp Heynckes rutschen will.

Dafür ist der 29-Jährige Opfer seiner Körpersprache und der Tatsache, dass man unter besonderer Beobachtung steht, sobald man das Bayern-Emblem trägt. So war es eben nicht förderlich, dass er in Stuttgart kopfschüttelnd und mit verschränkten Armen an der Bande lümmelte, statt es einfach hinzunehmen, dass er nicht mal als Einwechselspieler gebraucht wurde.

Man wunderte sich ebenso, dass er zehn Minuten nach Abpfiff kommentarlos zum Bus sprintete und nach dem Montagstraining einen Ball gegen die Bayern-Geschäftsstelle drosch – vor Wut, wie Beobachter mitteilten. Angefressener Holländer?

"Man darf jetzt nicht den Fehler machen, emotional zu reagieren, nur weil man einmal nicht gespielt hat" warnte Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger ihn nun indirekt bei "Sport1". Robben muss erstmals seit er bei Bayern ist (2009), wohl oder übel akzeptieren, dass er nicht erste Wahl ist, obwohl er fit ist.

Dabei will er nur eins: "Spielen, spielen, spielen und Rhythmus bekommen", wie er nach seinem 20-Minuten-Einsatz gegen Fürth sagte.

Dabei stehen ihm aber drei Probleme im Weg.

Problem 1 – Jupp Heynckes

Um seine Autorität zu wahren, ist der Trainer kompromissloser denn je. "Priorität hat der Sieg", sagt er. Rotation ist erst wieder angesagt, wenn Bayern auch unter der Woche spielt – also ab dem 19. Februar. Und wenn Spieler unzufrieden sind? "Es gibt keine Unruhe – dafür werde ich sorgen", sagt er. Rücksicht muss er auch nicht mehr nehmen – ab Juli ist er bekanntlich nicht mehr da.

Für Heynckes steht der Erfolg also deutlich über Robbens Schicksal. Ehrenpräsident Franz Beckenbauer traut Heynckes im "Bild"-Interview zwar zu, das Robben-Problem in den Griff zu bekommen und rät: "Interne Kommunikation ist jetzt besonders wichtig."

Ein Psychologe war Heynckes jedoch noch nie. Warum er wen aufstellt, wird er Robben und Co. nun auch nicht mehr erklären müssen. Heynckes: "Das wissen die Spieler."

Problem 2 - Toni Kroos

Thomas Müller ist aktuell zwar Robbens direkter Konkurrent auf der rechten Außenbahn – Müller spielt aber schon seit 2009 so gut wie immer.

Robbens eigentliches Problem ist Toni Kroos, der sich als "Zehner" etabliert hat, mittlerweile auch Standards schießt und als Torschütze glänzt: der 23-Jährige steht bei sechs Saisontreffern, der lange verletzte Robben noch bei null. Weil Kroos plötzlich glänzt, ist ein Platz mehr fix vergeben.

Problem 3 - Arjen Robben

Der Niederländer steht sich oft selbst im Weg, weil ihn sein unbändiger Ehrgeiz verkrampfen lässt. Wird er eingewechselt, will er’s oft allein reißen. "Ich bin zu hundert Prozent davon überzeugt, dass ich die Mannschaft besser machen kann, wenn ich total fit bin", sagte er neulich.

Eine gefährliche Aussage, wenn es der Trainer anders sieht. In Stuttgart wurde Robben sogar Xherdan Shaqiri vorgezogen. Ein schwacher Trost: Am kommenden Spieltag in Mainz wird ihm das nicht passieren. Shaqiri fehlt verletzt.

 

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