FC Bayern Der Großangriff: Die Kampfansage der Bayern

Auch Franck Ribéry traf in Stuttgart – und schrie mit Mario Gomez die Freude heraus. Foto: dpa

STUTTGART - 14 Punkte Rückstand? Dem 5:3 beim VfB folgt die Kampfansage der Bayern: „Die einzige Mannschaft, die Druck machen kann, sind wir“

 

Doch, doch, es war Fußball. Perfekter Unterhaltungsfußball. Keiner, wie ihn Trainer lieben. Ästheten aber schüttelte es bei dieser irren Mischung auf dem Stuttgarter Rasen, zumindest was davon übrig blieb. „Da waren ja ein paar schöne Spielzüge dabei", meinte Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer, „aber phasenweise wusste ich nicht, welche Sportart da gespielt wird. Es hätte auch 8:6 oder 9:7 ausgehen können.“ Es endete 5:3 für die Bayern.

Es war ein wildes Spiel, teils ohne jede taktische Hemmung, plötzliche Angriffe wie auf einer Weihnachtsfeier, Spaß an der (Spiel-)Freude, Spaß am Leichtsinn. Weihnachtsfeier-Fachmann Beckenbauer ergänzte: „Man merkt, es ist bald Weihnachten. Man macht sich Geschenke.“

Wirklich gefährdet war der Bayern-Sieg, der zweite hintereinander in der Liga, nie. Dennoch ging man fahrlässig mit der 3:0-Pausenführung um. 3:1, 4:1, 5:1, 5:2, 5:3. Drei Mal traf Mario Gomez in seiner früheren Heimat, dazu Thomas Müller und Franck Ribéry – das Offensiv-Trio harmonierte prächtig, da fiel der Ausfall von Bastian Schweinsteiger wegen einer Grippe (Trainer van Gaal: „Es ist schlimm, er hat Fieber“) nicht ins Gewicht.

Auch Breno, Altintop und Dreierpack-Torschütze Gomez konnten nicht wie gewünscht trainieren, ein Infekt ging um. „Mario hat unheimlich viel geleistet“, lobte van Gaal, „er war auch noch krank, schwer krank, mit einer Grippe und alles. Und trotzdem macht er die Tore. Da bin ich sehr zufrieden.“ Die Stuttgarter assistierten bei den Treffern zum 4:1 und 5:1 auch so, als sei es eine Tor-Spendeaktion für Gomez, den Schwaben.

29 Punkte haben die Bayern nun, 30 wollten sie – dennoch war es ein Spieltag nach ihrem Geschmack. Rang fünf nach der Hinrunde. Im Grunde indiskutabel, der Aufwärtstrend aber ist erkennbar. Und der Glaube in die eigene Stärke ist Rang-eins-würdig. „Wir haben aufgeschlossen“, sagte Thomas Müller, „das war ein optimales Wochenende. Und die einzige Mannschaft, die nach oben wirklich Druck machen kann, das sind wir. Wir sind der Rekordmeister, wir werden Gas geben und dann mal schauen.“

14 Punkte sind es auf Dortmund, vier auf Leverkusen, den Zweiten. Das ist das Schadensbegrenzungsziel. Oder geht da etwa noch mehr? Beckenbauer will nicht dran glauben, van Gaal auch nicht. Auf Rang zwei liege nun der Focus, man habe ja schon Freiburg überholt. Hört, hört! Doch dann verwies van Gaal – als wäre es eine Drohung – auf die Rückrunde: „Wir machen eine gute Vorbereitung, es kommt Robben zurück, Badstuber auch. Das sind Spieler, die immer spielen. Dann haben wir noch Chancen, eine Serie zu starten.“ Klingt scharf nach: Großangriff! Die Bayern wollen’s nochmal wissen.

Inklusive Kapitän. Ob Mark van Bommel beim größtmöglichen aller Überholmanöver dann dabei ist, weiß selbst er nicht (siehe Seite 28), dennoch gab er eine Kampfansage zu Protokoll: „Ich will Meister werden. Wir können das. Wir können eine Serie von 15 Spielen hinlegen. Ich glaube nicht, dass Dortmund dann standhält.“ Sage nur ja keiner, sie hätten den BVB nicht gewarnt.

Patrick Strasser

 

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