FC Bayern Der FC Bayern ist Verdrängungsmeister

Bastian Schweinsteiger zögert noch, ob er beim FC Bayern bleiben soll. Foto: firo/Augenklick

MÜNCHEN - Mit Durchhalteparolen auf Platz 11: Der FC Bayern vertagt durch das 0:0 in Hamburg seine Aufholjagd, findet aber weitere Nebenschauplätze, um von den Problemen in der Bundesliga abzulenken

 

Ein gar seltenes Glücksgefühl. Es ist Sonntag und frei – für die Bayern-Profis in diesen Wochen ungewöhnlich. Und wenn selbst zwischen dem trainingsfreien Tag und dem nächsten Spiel, dem Achtelfinal-Duell im DFB-Pokal mit Werder Bremen am Dienstag in der Allianz Arena (20.30 Uhr, ARD live) nur ein Tag liegt, anders geht’s eben nicht.

Der enge Terminplan bestimmt den Rhythmus. Und der schmeckt den Bayern nicht. Dienstag, Freitag, Dienstag, Freitag – die Bayern wähnen sich in der Endlosschleife. Doch würden sie oben stehen, sie wären als Tabellenführer sicher ganz entspannte Beobachter des Treibens der Verfolger. Doch sie selbst sind in der misslichen Lage, einen gewaltigen Rückstand aufholen zu müssen, da redet man sich so ein 0:0 in Hamburg schon mal schön und lenkt von hausgemachten Problemen ab. Getreu dem Politiker-Reflex: Wenn’s innenpolitisch hakt, widmet man sich verstärkt der Außenpolitik. Die Bayern als Verdrängungskünstler, Meister im Ablenken:

Der DFL-Streit

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge beschwerte sich bei DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, dass der FC Bayern in der Vorrunde an 17 Spieltagen nur sechs Mal zur Kernzeit (Samstag, 15.30 Uhr) angesetzt wurden, elf Mal dagegen Freitag-, Samstag- oder Sonntagabend. Natürlich „helfe jeder Tag mehr zur Regeneration“ (Philipp Lahm), doch die Regel sagt: Zwei Tage Erholung zwischen den Spielen sind Pflicht, ob von Freitag oder Samstag an. Rummenigge: „Für die Ansetzungen fehlt mir manchmal das Verständnis. Das ist schon sehr eigenartig.“ Aber nicht zu ändern. Eine Schein-Diskussion. Und immerhin hat man nach dem Freiburg-Spiel am Freitag vier Tage Vorbereitung für die Champions-League-Partie in Cluj (3.11.).

Der Zoff mit den Holländern

Dass sich die Bayern über das Vorgehen des niederländischen Verbandes nach den Verletzungen von Arjen Robben und Mark van Bommel echauffiert haben, war ja in der Sache nachvollziehbar, die Art und Weise jedoch war fragwürdig. Das Hin und Her in der Öffentlichkeit wäre aber zu vermeiden gewesen, die Sache ist ja längst noch nicht ausgestanden. Dennoch mutet der Zeitpunkt seltsam an: Krallen zeigen, wenn man in der Liga gehörig an Biss verloren hat?

Die Realität

Neun Spieltage gespielt, also die halbe Vorrunde, und die Bayern hängen mit nur 12 Punkten auf Rang 11 fest. Selbst die Europa-League-Plätze (Rang vier und fünf) sind ein ganzes Eck entfernt. Dennoch glauben die Bayern an die ureigene Kraft der Aufholjagd. „Wir kriegen das hin“, sagte Rummenigge nach der Nullnummer von Hamburg, „ich bin da optimistisch.“ Bei so viel Rückstand? Der Vorstandsboss: „Das macht nichts. Wir kommen langsam in Fahrt.“ Die Frage ist nur: was ist langsam?

Ziel sei es deshalb, den Abstand bis zur Winterpause auf „fünf, sechs“ Punkte zu verringern. Und ab Januar 2011 soll dann der Großangriff mit den wieder genesenen Robben und Ribéry folgen. Einzig Ersatzkapitän Philipp Lahm betrachtete die Lage realistisch: „Wären wir vorne dran und hätten nicht so viel Rückstand, könnte man mit dem Punkt sicherlich zufrieden sein.“

Letzte Saison gab es solche Spiele wie beim HSV auch, doch da sicherte Arjen Robben per Solo-Auftritt manchen Sieg. Er war es, der den Unterschied machte – und Rettungstreffer wie in Schalke, Florenz oder Manchester. Dass es sein Double war, hat man damals verdrängt.

Patrick Strasser

 

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