FC Bayern Bemüht, brav, bieder, beleidigt

„Der Erste, der den Mund aufmachen müsste“: Kapitän Philipp Lahm. Foto: GES

Nach der Pleite in Basel brüllten sich die Bayern in der Kabine an. Auf dem Platz waren sie wieder zu ruhig.

 

So richtig aus sich heraus gingen sie erst, als sie alles verpatzt hatten. Als die Bayern nach dem peinlichen 0:1 in Basel in die Kabine trotteten, gerieten auf dem Gang Holger Badstuber und Jerome Boateng aneinander. Sie fragten sich, wie das späte Gegentor, der Schocker von Valentin Stocker hatte entstehen können. In der Kabine soll es dann noch mal hoch her gegangen sein, auch andere Spieler beteiligten sich am Krach.

Auf dem Platz aber hatten sich die Bayern wieder einmal ruhig präsentiert. Zu ruhig. Die Mannschaft müsse aufwachen, meinte Rummenigge beim Bankett. Allein, es fehlt der Wecker. Sogar Jupp Heynckes hat schon festgestellt, dass seinem Team die extrovertierten Typen abgehen. Geht es nach Rummenigge sollen die Bayern-Stars nun böse werden. Böse? Derzeit leitet Heynckes eine Truppe von bemühten, braven, biederen und beleidigten Gestalten an.

Die Typologie der 13 Stammspieler der letzten Wochen:

Die Bemühten: Keeper Manuel Neuer hätte das richtige Organ, um die Mannschaft aufzurütteln. Doch er ist zu weit weg vom Geschehen. Für Mario Gomez gilt dasselbe. Der Stürmer erhält momentan kaum Zuspiele. Immerhin war er neben Neuer der Einzige, der die Pleite nicht schönreden wollte: „Wenn wir jetzt keine Krise haben...“ Auch Thomas Müller gehört zu den Bemühten.

Die Braven: Die größte Gruppe wird angeführt vom Kapitän – ausgerechnet. Philipp Lahm zeigt sich auf dem Platz leidenschaftlich, doch zum Dirigieren fehlen ihm Position und Organ. „Philipp Lahm ist eigentlich der Erste, der den Mund aufmachen und die Zügel anziehen müsste, aber das ist nicht sein Naturell“, sagte Beckenbauer. Badstuber gibt im Spiel alles, wirkt aber ohnmächtig. Boateng und Alaba sind zu ruhig.

Die Biederen: Sowohl Luiz Gustavo als auch Anatoliy Tymoshchuk können den verletzten Schweinsteiger nicht adäquat ersetzen. Rafinha hat noch nicht den Nachweis seiner Klasse erbracht – und der stille Toni Kroos sucht nach seiner Form.

Die Beleidigten: Die beiden Superstars Robben und Ribéry scheint Coach Heynckes vergrätzt zu haben. Robben ist nicht mehr unantastbar – und verunsichert. Auch Ribéry schmollt. Nach der Auswechslung verweigerte er Heynckes, den der Franzose eigentlich sehr schätzt, den Handschlag. „Ich war sauer“, sagte der Franzose gestern am Flughafen zu „Sky Sport News“, „ich hätte gerne weitergespielt.“

 

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