FC Bayern beim Telekom Cup Vor dem ersten Härtetest: Das sind die Bayern-Jäger

Thomas Müller und Henrikh Mkhitaryan lieferten sich bereits in der Vorsaison heiße Duelle Foto: dpa

Der FC Bayern ist auch in der neuen Saison das Team, das es zu schlagen gilt. Beim Telekom Cup trifft die Truppe von Trainer Pep Guardiola erstmals auf die Konkurrenz im Titelrennen. Aber wer zählt zu den Meisterschaftsanwärtern?

 

München - Jürgen Klopp steht etwas verdutzt da, fragt nur: "Und was soll ich damit?" Neben ihm steht Franz Beckenbauer, setzt ein Fernrohr ans Auge und meint mit einem süffisanten Lächeln: "Die Bayern schauen." Es ist zwar nur ein Werbespot, dennoch symbolisiert der kurze Clip den Abstand, den der FC Bayern in der abgelaufenen Saison zwischen sich und die Konkurrenz legte. So früh Meister wie nie zuvor – Ende März.

Dass es dieses Jahr nicht erneut dazu kommt, sind sich die Bayern-Verantwortlichen sicher. Vor allem Matthias Sammer geht als Mahner voran. Die schleppende Vorbereitung ohne die WM-Fahrer bereitet dem Sportvorstand große Sorgen. Und auch Trainer Pep Guardiola warnt vor der Konkurrenz. "Wir dürfen die letzten vier Jahren nicht vergessen. Sie haben viel gewonnen", sagt der Spanier mit Blick auf Borussia Dortmund.

Aber die Schwarz-Gelben sind nicht die einzigen Bayern-Jäger. Zum BVB kommen Schalke, Leverkusen, Wolfsburg und Mönchengladbach. Somit macht sich gleich ein Quintett auf die Jagd nach den Über-Bayern der Vorsaison. Am Wochenende beim Telekom Cup in Hamburg kommt es für die Münchner zu einem ersten Kräftemessen mit den Konkurrenten Gladbach und Wolfsburg. Aber auf welchem Stand befinden sich die Bayern-Jäger?

Borussia Dortmund: Lewan... wer? In Dortmund spricht keiner mehr von Robert Lewandowski, nur noch von Ciro d'Italia. Borussias Monstertransfer aus der Serie A, Ciro Immobile, soll die Lücke schließen, die der Pole mit seinem Wechsel zum FC Bayern hinterlassen hat. "Er hat gezeigt, dass er nicht viele Chancen benötigt und ein guter Vollstrecker ist", lobt Sportdirektor Michael Zorc. Nach nur wenigen Trainingseinheiten fehlt dem italienischen WM-Teilnehmer noch die Bindung zu den neuen Kollegen. Das machte ein erster Auftritt beim Drittligisten VfL Osnabrück (1:1) deutlich. "Er wird sicher noch eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigen", sagt Kapitän Sebastian Kehl.

Anlass zur Freude gibt auch Marco Reus. Zwar warnt Zorc davor, eine Rückkehr des verletzten Offensiv-Stars (Teilriss der Syndesmose ) zu forcieren, im "kicker" betonte er aber, dass es "zumindest nicht länger" dauern werde wie erwartet. Zudem hat der BVB noch ein Faustpfand in der Hinterhand. Dauerpatient Ilkay Gündogan fühlt sich laut Klopp "so wohl wie seit Monaten nicht mehr".

Schalke 04: Ruhe und Schalke – eigentlich passt das gar nicht zusammen. Aber die Königsblauen halten sich diesen Sommer zurück. Ob bei großen Transfers oder Kampfansagen. Selbst der sonst als Großmaul verschrieene Kevin Prince Boateng gibt sich auf der vereinseigenen Homepage verhalten: "Wir wollen einen guten Start hinlegen. Allzu weit in die Zukunft will ich gar nicht schauen." In den ersten Tests präsentierten sich die Schalker bereits in Torlaune. Gegen Drittligist Rostock (3:0) und Bayernligist Rosenheim (11:1) zeigten sich die Neuzugänge Sidney Sam und Eric Choupo-Moting in Frühform.

Einzig die Verletzung von Atsuto Uchida, der angeschlagen von der WM zurückkehrte, verärgert Trainer Jens Keller. Zumal die rechte Außenverteidiger-Position Kellers Sorgenstelle ist. Aber mit Weltmeister Benedikt Höwedes haben die Schalker einen Allrounder, der innen und links wie rechst verteidigen kann.

Bayer Leverkusen: Spötter haben bereits herausgefunden, warum Deutschland in Brasilien Weltmeister wurde. Die Lösung sei ganz einfach: Erstmals seit 1990 – dem letzten Titelgewinn – stand kein Leverkusener im deutschen Kader. Aber vielleicht liegt auch gerade darin Bayers Chance. Während die Konkurrenten lange auf die Rückkehr ihrer WM-Fahrer warten mussten und noch immer müssen, kann Neu-Trainer Roger Schmidt der Mannschaft seine neuen Ideen einbläuen: ein 4-4-2-System mit offensivorientiertem Verteidigen.

Während Neuzugang Hakan Calhanoglu sogar vom Titel spricht, bemüht Schmidt im "kicker" Realismus: "Wenn man anschaut, welchen Kader Bayern und Dortmund an den Start schicken, wäre die Meisterschaft eine Riesensensation." Die wechselhaften Auftritte bei den Tests (3:1 gegen Lok Moskau, 1:4 gegen Marseille) stützen Schmidts Aussage.

VfL Wolfsburg: Qualität statt Quantität – bei den Wölfen hat ein Umdenken stattgefunden. Nach zahlreichen Transfers – vor allem in der Magath-Ära – setzen Trainer Dieter Hecking und Manager Klaus Allofs auf Kontinuität. Mit Aaron Hunt (Werder Bremen) und Sebastian Jung (Eintracht Frankfurt) wurde der Kader nur punktuell verstärkt. "Beide sollen uns in der Spitze verbessern", gibt Hecking die neue Devise vor.

Dennoch hat der Coach vor allem in der Offensive weiterhin die Qual der Wahl. Zumal Hecking sich Steigerungspotenzial von Starspieler Kevin de Bruyne nach einer starken WM erwartet. Und mit Maximilian Arnold hat er noch den Shooting Star der vergangenen Saison in der Hinterhand. Zwar zeigte sich Hecking nach dem Test gegen Altach (3:1) unzufrieden - "Wir spielen noch zu langsam" -, erfreuen dürfte ihn aber die Nachricht, dass Luiz Gustavo laut "Sport Bild" auf seine Ausstiegsklausel verzichtet und den Wölfen treu bleibt.

Borussia Mönchengladbach: Bei Bayerns erstem Gegner beim Telekom Cup hat sich einiges getan. Wichtigster Punkt: Das Tor. Marc Andre ter Stegen hütet nun den Kasten beim FC Barcelona, ihn ersetzt Yann Sommer. Der Schweizer, gerade aus dem WM-Urlaub zurückgekehrt, gibt sich ganz cool: "Ich mache mir keinen Druck, dass ich Marcs Nachfolger bin", sagt der Keeper bei seiner Vorstellung. Aber die Gladbacher haben nicht nur im Tor – gezwungenermaßen – nachgebessert.

Mit Andre Hahn kommt einer der aufstrebenden Bundesliga-Akteure und Thorgan Hazard (Bruder von Chelsea-Star Eden Hazard) eines der Toptalente im internationalen Fußball an den Niederrhein. Für den notorischen Tiefstapler Trainer Lucien Favre weitere Bausteine, um seine Borussen schneller und variabler zu machen. Allerdings sprechen die Tests gegen Stade Rennes (1:0) und Stoke City (1:1) noch eine andere Sprache.

 

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