FC Bayern beim Audi Cup Fall Hoeneß: Das große Schweigen

Uli Hoeneß unter den Zuschauern in der Allianz Arena. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Uli Hoeneß und Audi-Boss Stadler zeigen sich gemeinsam demonstrativ lachend auf der Tribüne. Noch also rückt der Aufsichtsrat nicht ab vom Präsidenten – auch wenn Experten dies fordern.

 

München - Es gab Pappklatschen und Jubel-Audianer in der Arena – doch keine besonderen Sympathie-Kundgebungen für den Mann, den die Staatsanwaltschaft „Ulrich H.“ nennt. Die Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung mag Thema auf den Rängen gewesen sein, aber nur stilles. Ein einziges Plakat hing dazu im Unterrang Nord: „Ulli wir brauchen Dich!“

Der Uli mit einem „l“ saß derweil vergnügt in der Ehrenloge, neben ihm Audi-Vorstandschef Rupert Stadler. Die beiden hatten Spaß zusammen, und das ist gut für Hoeneß: Stadler sitzt im Aufsichtsrat des FC Bayern, der sich jetzt, nachdem die Staatsanwaltschaft Anklage erheben will gegen den Bayern-Präsidenten, wieder mit der Frage beschäftigen muss, ob Hoeneß noch tragbar ist als Vorsitzender des Aufsichtsrates.

„Die Frage ist, ob das noch zu vertreten ist. Da habe ich persönlich Bedenken“, sagt Henning Herzog, Professor für BWL, Governance, Risk and Compliance an der Quadriga-Hochschule Berlin der Nachrichtenagentur dpa. „Aufgabe eines Aufsichtsratsmitgliedes ist es u.a. auch, durch sein Einwirken sicherzustellen, dass sämtliche relevanten Gesetze durch das zu beaufsichtigende Unternehmen eingehalten werden“, sagte Herzog. Jetzt sei „aufgrund des gesamten Sachverhaltes die Glaubwürdigkeit des Aufsichtsrates infrage gestellt.“

Dem widerspricht Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, der im Bayern-Aufsichtsrat sitzt und als möglicher Hoeneß-Nachfolger gilt: „Es bleibt weiter abzuwarten, zu welchem Ergebnis die gerichtliche Klärung dieses Steuerfalls und dieser Selbstanzeige kommt“, sagte Stoiber dem „Münchner Merkur“. „Bei allen Erwägungen ist auch zu berücksichtigen, dass die FC Bayern München AG zu über 80 Prozent dem Verein und damit den Mitgliedern gehört. Die haben Uli Hoeneß in den Aufsichtsrat entsandt. Ihre Sprechchöre in London, Berlin und München waren nicht zu überhören“, sagte Stoiber.
Gestern gab es keine Sprechchöre. Stattdessen: das große Schweigen. Denn auch von Hoeneß selber war nichts zu hören zum Thema, das die übertragenden TV-Sender n-tv und RTL ebenfalls aussparten.

 

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