FC Bayern Bayerns Müller: Alles locker, oder was?

Torschütze in Bremen: Thomas Müller (r.) jubelt mit Torjäger Mario Gomez, der nach der Winterpause bisher noch leer ausgegangen ist. Foto: dpa

MÜNCHEN - Thomas Müller (20), Bayerns Senkrechtstarter der Saison, lässt sich nicht beeindrucken – auch nicht von seiner Einladung zur Nationalmannschaft. Er sagt: „Das war kein denkwürdiger Lehrgang“

 

Man könnte meinen, der Mann hat sich, was seine Lebensanschauung betrifft, etwas von der Philosophie des bayerischen Humoristen Gerhard Polt abgeschaut. „Ja mei“ und „A geh!“ lauten bei Polt die wichtigsten Grundsätze – zugleich emotionalste Ausrufe des Erstaunens.

Von Bayern-Profi Thomas Müller ist die Rede, einem gebürtigen Weilheimer. Einem Spieler, der innerhalb von nur sieben Monaten ein Aufstieg widerfahren ist, bei dem andere die Flatter bekommen, sprich die Bodenhaftung verlieren. Ab Juli 2009 durfte Müller kontinuierlich bei den Profis mittrainieren, Coach Louis van Gaal gewährte ihm seinen ersten Bundesliga-Einsatz von Beginn an. Es folgten: Das erste Tor, das erste Champions League-Spiel. Er wurde zum Spieler des Monats September und nun – da er sich bei Bayern längst unverzichtbar gemacht hat – berief ihn Bundestrainer Jogi Löw in den vorläufigen WM-Kader.

Dienstagabend war Müller von seinem ersten Trip zur Nationalelf von Stuttgart zurückgekehrt, am frühen Mittwochmorgen sprach er davon so, als sei dies Routine. „Es hat Spaß gemacht, dabei zu sein. Es war alles positiv“, sagte Müller brav und schaute dabei die Reporter an, als wollten die wissen, wie er zuletzt bei einem Besuch im Supermarkt zurechtgekommen sei. Wenn Müller grinst, zieht er stets den rechten Mundwinkel etwas nach oben. Machte er auch, als er sagte: „Sportlich war das nicht so interessant und auch kein denkwürdiger Lehrgang, dass ich sage, ich bin jetzt schon Weltmeister.“ Der Mann ist cool, keine Frage. Er spielt die Rolle nicht. Selbstzufriedenheit, Übermut, gar Hybris? Lässt der 20-Jährige einfach nicht an sich ran. Die Journalisten werfen sich nach Spielen immer wieder anerkennende Blicke zu. Der Müller spricht wie ein abgezockter Mitdreißiger.

Bei Bayern ist er Stammspieler. Komme, wer wolle. als er gefragt wurde, ob er angesichts der Konkurrenz des genesenen Franck Ribéry um seinen Status fürchte, meinte er trocken: „Ich kann auch mit Franck spielen. Das hat schon gegen Bremen gut funktioniert, da bin ich guter Dinge. Warum soll ich mir Sorgen machen? Das ist meine erste Profisaison. Wenn ich dann mal ein, zwei Spiele auf der Bank sitze ist das kein Beinbruch.“ Alles locker, oder was?

Und ein mögliches Debüt in der Nationalelf im eigenen Stadion am 3. März gegen Argentinien? Ja mei. Schön wär’s. Müller sagt das, als wisse er ohnehin was kommt. Und die WM? „Ich werde demnächst einen Urlaub buchen“, meinte er, „mit Reiserücktrittsversicherung.“ Ja, mei.

Den Urlaub mit Frau Lisa kann er ja nach der WM mit Jogi Löw machen. Er hat als flexibler, offensiver Mittelfeldspieler gute Chanchen. Dass er nominiert wird? Müller wird einverstanden sein.

Patrick Strasser

 

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