FC Bayern Bayern müllert sich zum Titel

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MÜNCHEN - Vorzeitiger Meisterjubel in München – die Triple-Jäger des FC Bayern haben mit einem 3:1 (2:0)-Heimsieg über Bochum den ersten von drei möglichen Titeln zu 99,999 Prozent eingefahren.

 

Gerade hatte man sich an diesen hinreißenden Spektakelfußball der ehemaligen Ergebnisverwalter gewöhnt, da ist die Saison auch schon fast zu Ende. Bayern-Coach Louis van Gaal hat nicht nur seinen Spielern eine Idee vom Spiel vermittelt, sondern auch den Fans ihre Stimme wieder gegeben. Das einstige Häuflein der Aufrechten in der Südkurve ist längst fast auf Block-Stärke gewachsen. Wohl nur bei der WM 2006 war die Stimmung in der Münchner Arena so sangesfreudig. Gewonnene Zweikämpfe, mit der Brust gestoppte Bälle und sogar überlegte Rückpässe werden mittlerweile mit Szenenapplaus belohnt. Van Gaal weiß natürlich um seine Wirkung. Vor dem Anpfiff sprach er ins TV-Mikrophon: "Jede Botschaft von mir kommt an. Ich hoffe auch bei diesem Publikum."

Die Sangeslust der Fans war gegen den VfL Bochum so stark ausgeprägt, dass auch die kurzen Einspieler nach den Toren zur Stimmübung genutzt wurden. Gelegenheit dazu gab's ja genug. In den Minuten 18 und 20 lief jeweils "S'Leben is wie a Traum", der alte Gassenhauer der ortsansässigen "Spider Murphy Gang". Torschütze jeweils: Thomas Müller mit seinen Saisontreffern elf und zwölf - was für eine Bilanz für einen Bundesliga-Neuling!

Los gegangenen war es ähnlich stimmungsvoll. Acht Sekunden nach dem Anpfiff hatten Ivica Olic und Franck Ribery die in Ballbesitz befindlichen Bochumer per Express-Pressing derart in Verlegenheit gebracht, dass gleich mal die erste Ecke fällig war. Im Minutentakt rollten die Angriffe auf das Tor von Philipp Heerwagen, doch Müller und Olic blieben zunächst noch der Erfolg vorenthalten. Doch lange hielt das Bollwerk nicht, und dann sangen "Spider Murphy Gang" und die 69.000 Fans.

34 Mal waren die seit nunmehr elf Spielen in Serie sieglosen Bochumer nun zu Gast in München, nur im Jahr 2004 konnten die Gäste voll punkten. Dieses Mal war man schon mit wenig Optimismus angereist. In der VfL-Kurve hing ein Plakat mit der Aufschrift: "Vorstand ohne Eier - Spieler ohne Charakter". Wenige Tage vor der Partie war Trainer Heiko Herrlich entlassen worden, Ex-Profi Darius Wosz übernahm. Einige Fans kam noch mit alten Wosz-Trikots ins Stadion. Ganz neue alte Hemden präsentierten dagegen die Bayern: Die rot-weiß-gestreifte Edition der kommenden Saison ist eine Reminiszenz an die ersten Bayern-Trikots des Jahres 1900.

Allzu viel Schweiß vergossen die Münchner in Halbzeit zwei nicht mehr in den frischen Leibchen. Müllers drittes Tor verhinderte nach 53 Minuten der Pfosten, nachdem Ribery glänzend vorbereitet hatte. Überhaupt der Franzose: So motiviert wie er zu Werke ging, konnte man sich kaum vorstellen, dass diese seine Abschiedsvorstellung in München gewesen sein sollte. Am 5. Mai wird über den Einspruch des FC Bayern gegen Riberys Sperre in der Champions League entschieden.

Der guten Stimmung in der Arena tat das keinen Abbruch. Als nach knapp einer Stunde die Nachricht vom Bremer Führungstreffer auf Schalke eintraf, war mal wieder höchste Zeit für ein Liedchen: "Ole, FC Bayern, ole, ole!" gefolgt von "Oh, wie ist das schön!" und etwas später noch mal von Spider Murphy: Müller hatte mal wieder gemüllert: 3:0. Bochums Anschlusstreffer nach Christian Fuchs' Freistoß in der 85. Minute blieb dagegen ohne musikalische Untermalung. Nächste Singstunde für alle Bayern-Fans: kommendes Wochenende - bei der Meisterfeier auf dem Marienplatz.

Thomas Becker

 

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