FC Bayern Bayern-Mittelfeld unter Guardiola: Zu wenig Sechs?

Unter Jupp Heynckes noch das Motoren-Duo im Bayern-Mittelfeld: Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez. Foto: firo / Augenklick

20 Torschüsse ließ Bayern in den ersten beiden Ligaspielen zu, die Verteidigung wirkt ohne zweiten defensiven Mittelfeldspieler (sprich: Sechser) anfällig. Schweinsteiger bittet um Zeit.

 

München - Javi Martínez kämpft. Um hundert Prozent Fitness, um die Rückkehr zu alter Stärke, um einen Platz im Team von Pep Guardiola. Der Spanier hat nach dem Confed Cup und der daraus resultierenden späteren Rückkehr ins Training des FC Bayern ein wenig den Anschluss verloren. Eine Länderspielreise nach Ecuador in der vergangenen Woche war nicht gerade hilfreich. Am Montag hatten die Kollegen frei, Martínez schuftete dennoch mit Arjen Robben an der Säbener Straße.

Als der FC Bayern am ersten Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach spielte, standen zehn Spieler auf dem Platz, die auch unter Jupp Heynckes im Champions-League-Finale aufgelaufen waren. Es fehlte: Martínez. Auch, weil Guardiola mittlerweile im Maschinenraum der Mannschaft, im defensiven Mittelfeld, auf nur noch einen Spieler – sprich Sechser – setzt. Martínez ist bei Guardiola eher in der Innenverteidigung vorgesehen. Doch der Spanier scheint den Münchnern im Mittelfeld zu fehlen. Kritische Stimmen mehren sich, dass Guardiolas Systemwechsel vom heynckes’schen 4-2-3-1 zum peppigeren 4-1-4-1 (oder 4-3-3, das unterscheidet sich nur in Nuancen) vielleicht doch nicht der allerletzte Schrei ist.

Guardiola erbittet sich weiter Zeit, bis alle Rädchen ineinander greifen. Diesen Duktus haben auch seine Spieler übernommen. „Ich habe noch nie gesehen, dass nach einem Trainerwechsel sofort alles klappt”, sagt Bastian Schweinsteiger, der momentan als alleiniger Sechser aufläuft. Philipp Lahm sieht’s ähnlich: „Wenn die Mannschaft jahrelang was anderes gemacht hat, ist es schwierig, das Neue sofort rein zu bekommen.” Das gehe derzeit zu Lasten der Kunst im Bayern-Spiel, sagt Schweinsteiger. „Im Moment zählt mehr, dass wir Punkte holen. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir in naher Zukunft auch wieder attraktiv Fußball spielen werden.”

Simpel gesagt stellt der neue Trainer im Vergleich zu Jupp Heynckes einen Offensivspieler mehr auf, um bei Ballverlust das Spielgerät sofort und viel weiter vorne zurückerobern zu können. „Wenn die Spieler nach Ballverlust vernünftig umschalten und das Zentrum schließen, können wir das Spielfeld permanent kontrollieren”, sagt Manuel Neuer. Denn dann, wenn der Gegner selbst gerade umschalten will, ist er am verwundbarsten.

Doch Guardiolas Vorhaben ist heikel. „Alle müssen in der Defensive arbeiten, jeder muss anpacken”, sagt Schweinsteiger. Klappt das nicht, steht Bayern offen. Zu offen: Gegen Gladbach ließ man elf Torschüsse zu, gegen Frankfurt neun. „Wir haben uns gesteigert, zufrieden sind wir mit der Gesamtorganisation aber nicht”, sagt Sportvorstand Matthias Sammer.

Lothar Matthäus meldet im Gespräch mit der AZ Bedenken an, sollte Guardiola mit Schweinsteiger als alleinigem Sechser planen: „Auf internationaler Ebene kommen irgendwann Schwierigkeiten auf, wenn Bayern mit einem offensiv denkenden Sechser spielt”, sagt der ehemalige Bayern-Spieler. „Mal sehen, wie Pep Guardiola aufstellt, wenn es hart auf hart kommt, wenn der defensive Mittelfeldspieler auch in der Defensive gefordert ist. Dann ist für mich eigentlich Martínez für diese Rolle prädestiniert.”

Also: abwarten. Unter Guardiola hat Bayern bislang jedenfalls erst einen starken Gegner gehabt: Borussia Dortmund im Supercup, im Umschaltspiel sicher die gnadenloseste Mannschaft Europas. Endstand: 2:4.

 

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