FC Bayern Basketball Im Museum: Thomas trifft Lilienthal

Brandon Thomas von den Basketballern des FC Bayern bei seinem ersten Besuch im deutschen Museum. Foto: Gregor Feindt

Mit der AZ im Deutschen Museum: Basketballer Brandon Thomas vom FC Bayern staunt über die Technikgeschichte

 

MÜNCHEN Brandon Thomas klopft mit den Fingerknöcheln auf die Wellblechhaut der Junkers Ju52 und schaut skeptisch aus dem Fenster. „Und mit dem Ding sind die früher über dem Meer geflogen?”, fragt Thomas. „Ich hatte schon Angst, als ich mit einer modernen Maschine zum ersten Mal über Festland geflogen bin.”

Da trifft es sich gut, dass die Junkers im Deutschen Museum steht. Und Thomas (28) ein wenig Geschichte erfahren kann, ohne sich an seinen Sitz klammern zu müssen. Die AZ begleitet den Zugang der Basketballer des FC Bayern bei seinem Besuch im größten naturwissenschaftlich-technischen Museum der Welt.

Vor der Figur von Otto Lilienthal mit einem seiner Gleiter-Modelle zieht Thomas sein Handy aus der Tasche: „Ein bisschen Holz und Stoff und damit springt der von einem Hügel...” Er macht ein Foto und schickt es seiner Familie: Seine Frau Rebecca und seine zweieinhalbjährige Tochter Cameron sind derzeit noch in Florida. „Sie kommen in der ersten Oktoberwoche nach München”, sagt Thomas. „Ich freue mich schon sehr darauf. Hier in München zu sein ist neu und spannend. Und ich möchte das mit den beiden teilen.”

Bundesliga-Erfahrung hat Thomas in Braunschweig und in Quakenbrück gesammelt. Mit den Dragons warf er Ende April den FC Bayern aus den Playoffs. Jetzt lebt er nicht mehr unter 13000 Einwohnern, sondern unter mehr als 1,3 Millionen. „Die Menschen hier in München machen einen glücklicheren Eindruck als im Norden. Die Grundstimmung ist ziemlich positiv”, sagt Thomas. Und grinst: „Mal sehen, ob das so bleibt, wenn es bald kälter wird.”

Sportlich hat er sich schon bestens eingelebt: Er steht viel auf dem Parkett und punktet verlässlich, zuletzt waren es 15 Zähler im Test gegen Würzburg. Am Samstag (17.00 Uhr, Audi Dome) darf sich Thomas mit den Bayern im Halbfinale des Beko Leagues Cup gegen Zska Moskau beweisen.

Mittlerweile steht er vor einer V2-Rakete in Originalgröße. Zum ersten Mal erfährt Thomas, wie die Deutschen damit englische Städte beschossen haben, wie viele Menschen bei der Herstellung der Flugkörper gelitten haben. Für einen Amerikaner ist der zweite Weltkrieg gewöhnlich ziemlich verklärt und weit weg. Thomas schaut nachdenklich und es wirkt, als hätte ihn die Wucht der Geschichte erfasst. „Wow”, sagt er nur und schüttelt den Kopf.

Was Thomas von manch anderem US-Basketballer unterscheidet: Er strahlt eine echte Neugier aus. Mittlerweile lernt Thomas jeden Tag Deutsch, kurz nach seiner Ankunft hatte er versprochen, zum Saisonende ein Interview auf Deutsch geben zu können. Er steht nun vor der Messerschmitt Me 262, dem ersten in Serie gebauten Düsenflugzeug der Welt und dann vor dem Nachbau eines Mondfahrzeugs. Und fast schon jetzt den Entschluss: „Ich werde auf jeden Fall mit meiner Familie wieder herkommen!”

Zum Abschluss steigt Thomas ins Bergwerk ab. Und erlebt, wie die Menschen früher mit nahezu bloßen Händen Salz und Kohle gefördert haben, auf Kosten ihrer Gesundheit unter Tage geschuftet haben. „Da ist man schon sehr dankbar, ein angenehmes Leben als Basketballer führen zu können”, sagt Thomas.

Und beweist Selbstironie, mit einem Klischee-Witz über Menschen mit dunkler Hautfarbe: „Sieht man mich überhaupt?”, fragt Thomas, als er sich mit eingezogenem Kopf durch einen Stollen duckt.

Er blinzelt, als er wieder im Tageslicht steht und sich verabschiedet. „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht”, sagt Thomas, „schade dass wir nicht noch länger bleiben konnten.”

 

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