FC Bayern Balljungen, aufgepasst! Herr Lehmann kommt

Stuttgarts Torhüter Jens Lehmann Foto: dpa

STUTTGART - Die bedauernswerten Jugendlichen an der Bande sind diese Saison zu seinen Lieblingsfeinden geworden. Der unberechenbare Keeper Jens Lehmann gastiert am Samstag mit dem VfB Stuttgart in München – ein letztes Mal?

 

Knappe 40 Kilometer sind es von der Allianz Arena zu seinem Wohnort am Starnberger See. Ein Katzensprung, den Jens Lehmann, anders als seine Anreise zum Training, mühelos ohne Hubschrauberflug bewältigen kann.

Dabei hätte sein letztes großes Spiel eine besondere Anreise durchaus verdient. Sieben Mal spielt der frühere Nationalkeeper noch in der Bundesliga, am Samstag das letzte Mal auf ganz großer Bühne beim FC Bayern (15.30 Uhr, sky und Liga Total live). Dann ist für den 40-jährigen Lehmann Schluss mit Fußball in Deutschland. Aus seinem Leben danach macht er noch ein Geheimnis.

Etwas „Exotisches“ wäre für ihn zum Abschluss vorstellbar, sagte er wenigstens schon. Vorstellbar ist ein Engagement in den USA. „Wir diskutieren das in der Familie“, sagte Lehmann geheimnisvoll. Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Die Alternative könnte auch wieder London heißen: Klubs aus der zweiten Reihe der englischen Hauptstadt wie Tottenham oder Fulham kämen in Betracht.

Wie auch immer sich „Mad Jens“, wie ihn die Engländer während seiner Zeit beim FC Arsenal nannten, entscheidet, wer ihn live in Deutschland sehen will, muss sich beeilen. Deshalb hier die letzten deutschen Tourdaten: München (27.3), Stuttgart (3.4,, 17.4,, 1.5), Berlin (10.4), Bochum (23.4), Hoffenheim (8.5).

Beim FC Bayern aber darf man sich allerdings nicht auf einen zum Abschied milde gestimmten Lehmann freuen. Denn Lehmann brennt noch wie eh und je. Sein letzter Auftritt in der Champions League beim FC Barcelona verdeutlichte noch einmal, wie sich Lehmann, abseits des Platzes ein höflicher Mensch mit guten Manieren, auf dem Fußballplatz verwandeln kann. Während sich seine Teamkollegen früh lammfromm Messi und Co. ergaben, attackierte Lehmann alle und alles. Den Schiedsrichter, den Gegner, das Publikum – und mal wieder einen Balljungen.

Die bedauernswerten Jugendlichen an der Bande sind diese Saison ja zu Lieblingsfeinden von Lehmann geworden. Sein Streit in Barcelona war schon der dritte dieser Art. Und immer ging es darum, dass die Balljungen ihm den Ball nicht schnell genug zurückgegeben hätten.

In Barcelona bekam der Balljunge Lehmanns Schulter ins Gesicht, der revanchierte sich auf seine Art und nahm die Ersatz-Torwarthandschuhe, die Lehmann vergessen hatte, einfach mit. Nach Lehmanns Balljungen-Zoff in Hannover redete er über Betrug: „Das ist typisch für unsere Kultur: Betrügen!“ Auch in Nürnberg gab es mit scheinbar unwilligen Balljungen Ärger. Die Balljungen in München sollten also zumindest gewarnt sein.

Bein VfB geht man mit Lehmanns Balljungenzwistigkeiten milde um. „Jens hat sich wenigstens gewehrt", meinte Stuttgarts Manager Horst Heldt nach dem Debakel in Barcelona. Behalten will aber auch Heldt Lehmann nicht. „Im Sommer werden sich die Wege trennen“, sagt Heldt. Warum? Die knappe Antwort: „Das ist so vereinbart“.

Oliver Trust

 

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