Fast 100 Fälle pro Tag in München Bei Anruf Betrug: Die Maschen der falschen Polizisten

, aktualisiert am 20.10.2017 - 21:14 Uhr
So warnt die Münchner Polizei auf Twitter vor den Betrügern. Foto: Polizei

Die Gauner hauen immer mehr Opfer übers Ohr - und erbeuten als falsche Polizisten Millionen Euro. Auch in München schlagen die Verbrecher zu.

München, Berlin - Ein Anruf, warnende Worte - und ein vermeintliches Hilfsangebot: Die Masche von sogenannten falschen Polizisten funktioniert meist nach demselben Prinzip. Ihr Ziel: Geld und Wertgegenstände. Die Täter agieren dabei laut Bundeskriminalamt (BKA) deutschlandweit.

Allein in Nordrhein-Westfalen wurden von Januar bis März knapp 1200 Fälle gemeldet - fast doppelt so viele wie in den drei Monaten zuvor. Die Dunkelziffer ist wohl weit höher. Auch in Bayern schießen die Deliktzahlen in die Höhe. Mitte August ermittelten die Beamten im Raum München gar 96 Fälle - an einem Tag.

Die Schadensumme ist teilweise enorm. Ein Fall: Gauner nahmen vor Kurzem einer gutgläubigen Seniorin in Bad Reichenhall 18 000 Euro ab. Die drei Betrüger zwischen 27 bis 30 Jahren (sie wurden bereits festgenommen) redeten der Frau am Telefon ein, ihre Daten stünden auf dem Zettel einer rumänischen Einbrecherbande. Deswegen müsse sie ihre Ersparnisse zur Sicherheit der Polizei überreichen. Die 89-Jährige übergab zwei Männern das Geld.

Laut LKA in Bayern haben Telefon-Gauner im Freistaat bereits mehrere Millionen Euro erbeutet. Wie schon beim "Enkeltrick" werden ältere Menschen als potenzielle Opfer ausgewählt. Die Täter suchen laut Polizei im Telefonbuch nach Namen, die auf ein hohes Alter schließen lassen. Sie würden wie im Fall der Seniorin aus Bad Reichenhall behaupten, der Angerufene stehe auf einer Einbruchsliste von Kriminellen. Ein Kollege werde kommen und Wertgegenstände zur sicheren Verwahrung abholen. Eine andere Masche: Auf dem Konto des Opfers liege angeblich Falschgeld, das überprüft werden müsse.

Opfer werden ein zweites Mal ins Visier genommen

Menschen, die bereits Opfer eines Telefonbetrugs geworden sind, können laut BKA von den Täter noch einmal ins Visier genommen werden. Falsche Polizisten oder Staatsanwälte würden anrufen und behaupten, dass sich die Menschen durch die Erstzahlung strafbar gemacht hätten und ein angeblich eingeleitetes Ermittlungsverfahren nur gegen eine weitere Zahlung abwendbar sei.

Besonders tückisch: Oftmals manipulieren die Täter ihre Telefonnummer so, dass der Angerufene die 110 oder die 089-110 auf dem Display angezeigt sieht, was den Anrufer glaubwürdiger erscheinen lässt. Die Betrüger werden tatsächlich aber aus Call-Centern vor allem aus der Türkei anrufen, in Deutschland haben sie Komplizen. Dabei warnt die Polizei: Notrufnummer werden niemals für ausgehende Anrufe verwendet.

Die Zusammenarbeit mit der Türkei gestaltet sich schwierig: Anfragen würden oft gar nicht oder unzureichend beantwortet, heißt es beim bayerischen LKA. Zudem würden die Behörden keine Ermittlungen in Zusammenhang mit Hintermännern übernehmen.

Ein weiteres Problem: Nur etwa jeder fünfte bis siebte Fall von Telefonbetrug wird laut BKA angezeigt. "Viele Opfer schämen sich, dass sie auf die Masche hereingefallen sind", erklärt eine Sprecherin.

 

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