Familiendrama in Freising vor Gericht „Mama, ich will heute nicht sterben“

Der Internetspezialist Norman H. liebte seine Babies Lisa und Fabian über alles. Foto: privat

Die unfassbare Tat geschieht im November 2012: Nacheinander erwürgt und erstickt eine Mutter ihre drei Kinder. Dienstag ist Prozessbeginn

Landshut - Am Dienstag beginnt vor dem Landgericht in Landshut der Prozess gegen Bianca T. (39). Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hat die Bäckereiverkäuferin aus Freising ihre vier Monate alten Zwillinge Lisa und Fabian sowie ihre sechs Jahre alte Tochter Anna-Lea getötet.

Die Leichen der drei Kinder wurden gefunden, nachdem Bianca T. auf der A92 in Selbstmordabsicht einen Unfall verursachte (AZ berichtete). Die 39-Jährige ist wegen Mordes an der sechsjährigen Anna-Lea und wegen zweifachen Totschlags an den Zwillingen angeklagt. Der Auslöser für die entsetzliche Tat war für die Frau wohl die Trennung vom Vater ihrer Babys.

Norman H. (heute 41) war bereits seit Ende September 2012 wegen schwerer Depressionen und Burnout im Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen stationär in Behandlung gewesen. Die Mutter war in dieser Zeit mit den Babys und der eben eingeschulten Anna-Lea, die aus einer früheren Beziehung stammte, allein.

Anfang November kehrte Norman H. zeitweise wieder zu Bianca T. und den Kindern zurück. Dort ging es ihm aber bald wieder viel schlechter. Am 13. November ließ sich der Internetspezialist von seinem Hausarzt erneut in die Klinik einweisen. Eine Freundin fuhr ihn nach Taufkirchen.

Bianca T. wollte Norman H. offenbar nicht gehen lassen. Um die Mittagszeit fuhr sie in ihrem Opel Zafira ebenfalls in die Klinik. Die Kinder hatte sie dabei. Sie versuchte Norman H. zu überreden, wieder nach Hause zu kommen. Doch er blieb in der Klinik. „Ich wollte erst wieder gesund werden – für die Kinder“, sagte er wenige Tage nach der Tat zur AZ.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Bianca T. spätestens auf der Rückfahrt beschloss, die Kinder und sich selbst zu töten. Die unfassbare Tat: Am Ortsrand von Freising, in der Nähe der Haindlfinger Straße, fuhr die Frau in ein abgelegenes Waldstück. Dort ließ sie zuerst Anna-Lea aussteigen.

Sie sagte zu der Sechsjährigen, dass sie nun alle sterben müssten. Dabei hielt sie ihrer Tochter den Mund und die Nase zu. Das Kind wehrte sich aus Leibeskräften. Als Bianca T. zwischendurch von ihr abließ, sagte die Kleine zu ihrer Mutter sinngemäß: „Ich will heute nicht sterben.“

Es war nur ein kurzer Aufschub, den die Frau ihrer Tochter gewährte. Unter dem Vorwand, ihr den Hals wärmen zu wollen, legte Bianca T. ihrem Kind eine Spuckwindel um den Hals und zog sie so lange zu, bis sich das Kind nicht mehr rührte.

Als Anna-Lea trotzdem noch einmal begann zu atmen, hielt sie ihr erneut Mund und Nase zu. Die Todes-SMS: Um 13.39 Uhr schickte Bianca T. Norman H. eine SMS. In ihr stand, dass sie Anna-Lea erwürgt und erstickt hatte.

Anschließend tötete die Frau ihren kleinen Sohn, indem sie ihm Mund und Nase zuhielt. Etwa zehn Minuten lang. Um 14.03 Uhr ging bei Norman H. in der Klinik eine weitere SMS ein. In ihr stand, dass Fabian nun bei Anna-Lea und beim lieben Gott sei. Um 14.31 Uhr schrieb sie, nun sei auch Lisa tot.

Bianca T. legte die drei leblosen Kinder in den Kofferraum. Was sie nicht wusste: Die Babies hatten überlebt.

Der gescheiterte Selbstmordversuch: Nach Überzeugung der Ermittler wollte Bianca T. nun sich selbst töten. Sie fuhr auf die A 92 in Richtung München, öffnete den Sicherheitsgurt und raste mit Tempo 120 in eine Leitplanke. Zu diesem Zeitpunkt fuhr ihr bereits die Polizei nach, die der völlig verzweifelte Vater Norman H. alarmiert hatte.

Bevor Bianca T. den Unfall verursachte, schrieb sie Norman H. nach AZ-Informationen noch zwei weitere SMS. Dass die Polizei sie nun bald habe. Und dass sie Norman H. lieben würde.

Der Opel Zafira überschlug sich mehrmals, ein Baby wurde dabei aus dem Kofferraum geschleudert. Nach dem Unfall waren auch die Zwillinge tot.

Nur die Mutter überlebte. Die 39-Jährige sitzt mittlerweile seit einem Jahr in Untersuchungshaft, inzwischen im Münchner Frauengefängnis in der Schwarzenbergstraße. „Sie bereut die Tat sehr“, sagt ihre Pflichtverteidigerin, Rechtsanwältin Heidi Pioch aus Grünwald. Für den Prozess sind elf Verhandlungstage anberaumt.

 

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