Falsche Verkehrspolitik? Auto-Club fordert für München: "Stoppt diesen Radl-Wahn"

Der Hauptteil des Verkehrs beträgt in München immer noch der Individualverkehr mit Pkw. Foto: Stephan Jansen/dpa

Der Auto-Club "Mobil in Deutschland" warnt vor der Verkehrspolitik Münchens. Grundlage ist eine eigene Studie, die zeigt: Die meisten Münchner fahren Auto!

 

München - Die Fraunhoferstraße war mit 120 Parkplätzen, die für zwei Radstreifen weichen mussten, erst der Anfang. Am 4. Dezember sollen dem Stadtrat 40 konkrete Pläne zur Umsetzung des Bürgerbegehrens Radentscheid vorgelegt werden.

160.000 Münchner hatten im Sommer ihre Unterschrift gesetzt – für ein besseres Radwegnetz. Doch mit einer eigenen Studie warnt der Münchner Auto-Club "Mobil in Deutschland" jetzt: "Die tatsächlich mit dem Radl zurückgelegten Strecken sind in München – verglichen mit dem Auto oder ÖPNV – sehr gering." Deshalb fordert Club-Präsident Michael Haberland, der bei der Kommunalwahl 2020 auf Listenplatz 26 für die CSU kandidiert: "Stoppt endlich diesen Radl-Wahn!"

Der Auto-Club hat in seiner Studie die anteiligen Personenkilometer der Verkehrsmittel Auto, ÖPNV und Rad berechnet. Insgesamt kommt der Auto-Club auf eine jährliche Gesamtleistung von 19 Milliarden Personenkilometern. Der Radverkehr macht mit 500 Millionen Personenkilometern nur 3 Prozent aus. Die AZ stellt die Studie des Auto-Clubs vor:

Der Autoverkehr in München beträgt laut Studie 58 Prozent

VERKEHRSLEISTUNG AUTO: In München sind 720.000 Autos zugelassen. 75 Prozent davon in privater Zulassung, 25 Prozent in Firmenzulassungen. Etwa jeder zweite Münchner ist somit im Besitz eines Autos. "Laut Kraftfahrt-Bundesamt beträgt die durchschnittliche Fahrleistung in Deutschland 13.700 Kilometer pro Auto. Wir gehen daher von 10.000 Kilometern für jedes der 720.000 Autos in München aus, die im Stadtgebiet gefahren werden", erklärt Haberland.

Das sind also 7,2 Milliarden Kilometer pro Jahr. Hinzu komme, dass jedes Auto in München durchschnittlich mit 1,3 Personen besetzt sei. Das habe eine aktuelle Zählung des Auto-Clubs ergeben. Haberland erklärt: "Dazu wurden über 50.000 Fahrzeuge an unterschiedlichen Tagen, Zeiten und Orten in München betrachtet und die Insassen gezählt. Nach den Berechnungen des Auto-Clubs werden in München in Summe also mit den 720.000 Autos insgesamt 9,4 Milliarden Personenkilometer pro Jahr zurückgelegt.

"Die Stadt muss ihre Verkehrspolitik dringend ändern"

Auch die zahlreichen Pendler berücksichtigt der Club in der Studie. Rund 400.000 Pendler fahren tagtäglich in das Stadtgebiet zur Arbeit und zurück – 68 Prozent davon mit dem Auto. "Geht man dabei von durchschnittlich 200 Werktagen im Jahr und etwa 15 Kilometern je Hin- und Rückfahrt aus, macht das weitere 1,6 Milliarden Personenkilometer", erklärt Haberland. Somit komme der Verkehrsträger Auto in München in Summe auf eine Leistung von insgesamt 11 Milliarden Personenkilometer (oder 58 Prozent der Gesamtverkehrsleistung) pro Jahr.

VERKEHRSLEISTUNG ÖPNV: Dem Autoverkehr gegenüber stehen 7,5 Milliarden Personenkilometer pro Jahr, die mit S- und U-Bahn, Tram und Bus zurückgelegt werden. Das macht 39 Prozent der Gesamtleistung aus. Bei den Zahlen bezieht sich der Club auf Angaben des Münchner Verkehrsverbundes (MVV).

VERKEHRSLEISTUNG RAD: An letzter Stelle steht in der Studie des Auto-Clubs in München das Fahrrad. Michael Haberland erklärt: "Beim Radverkehr rechnen wir mit 200.000 Radfahrern am Tag, bei 250 Tagen im Jahr und durchschnittlich zehn zurückgelegten Kilometern pro Tag. Insgesamt macht der Verkehrsträger Fahrrad damit nur 500 Millionen Personenkilometer (oder 3 Prozent der Gesamtleistung) pro Jahr aus.

DIE FORDERUNGEN: "Die Zahlen zeigen, dass die Stadt alles falsch macht", so Haberlands Schlussfolgerung. Heißt für ihn: "Die Stadt muss sich dringend diesen Gegebenheiten stellen und ihre Verkehrspolitik grundlegend ändern." Haberland: "Wegen drei Prozent Radlern zwängt man 97 Prozent in volle Bahnen und Busse – oder in den Stau."

Er schimpft: "Millionen Autofahrer zu schikanieren und einem Radverkehr, der in der Stadt fast keine Rolle spielt, immer mehr Priorität einzurichten, ist der falsche Weg!"

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