Fall vor Gericht Körpergeruch, schmutzige Kleidung: Beamtin gefeuert

Die Noch-Justizbeamtin Brigitte S. (52) verlässt das Verwaltungsgericht. Sie kämpft gegen ihre Entlassung. Foto: Torsten Huber

Weil eine Justizwachtmeisterin (52) im Dienst ungepflegt wirkt, wird sie mehrmals zu mehr Reinlichkeit ermahnt. Als weitere Verfehlungen hinzukommen, fliegt sie raus. Dagegen klagt sie.

 

MÜNCHEN - Die graubraunen Haare hängen ihr im Gesicht, auf der blauen Jeans sind kleine Flecken, die dunkle Regenjacke schlabbert am Körper, ihre Füße stecken – gewärmt von schwarzen Socken – in offenen Sandalen.

So erscheint Beate S. (52, Name geändert) vor Gericht. Genauer: vor der 19. Disziplinarkammer beim Münchner Verwaltungsgericht. Dort klagt die Justizwachtmeisterin gegen die Kündigung aus dem Beamtenverhältnis, die der Freistaat Bayern gegen sie ausgesprochen hat. Auch wegen ihres Erscheinungsbildes.

Die Gründe für ihre Entlassung aus dem Dienst mag sie nicht nachvollziehen. „Man will mich nur mobben“, sagt die ledige Beate S. und erklärt: „Wegen meiner kranken Mutter war ich ziemlich daneben.“

Ziemlich daneben? So muss Beate S. wohl auch ihren Kollegen vorgekommen sein, als sie noch Dienst tat. Es geht um ein ungepflegtes Äußeres und auch um üblen Körpergeruch. Seit 1990 ist sie im Staatsdienst – und bei der Justiz in einer Poststelle eingesetzt. Dort beschweren sich bereits 2004 Kollegen über den Geruch, der von Beate S. ausgeht.

Der Dienstherr gibt ihr klare Weisungen: Sie soll in Zukunft frisch gewaschen und in sauberer Uniform zur Arbeit kommen. Denn auf der Poststelle herrscht Parteiverkehr – und der Geruch sowie das ungepflegte Äußere würden dem Ansehen der Behörde schaden. Im Laufe der Jahre wird S. mehrmals zur Sauberkeit ermahnt. Oberstaatsanwalt Martin Kronester: „Das ist ein klarer Verstoß gegen die Dienstanordnung und kann rein rechtlich geahndet werden.“

Der Freistaat zögert, will wegen des Delikts keine Strafmaßnahmen einleiten. Beate S. wird nach Karlsfeld versetzt. Sie soll im Keller alte Akten entstauben. Dabei habe sie in einem alten Scheidungsfall eines Kollegen geschnüffelt, wirft man ihr vor. Der Vorfall kommt in ihre Personalakte. Beate S. kommt zurück nach München.

Ihr Chef erwischt sie im Sommer 2010 bei Privatgesprächen im Dienst: Täglich 27 Telefonate mit dem Handy – auf dem auch noch der Klingelton „Heil Hitler“ installiert ist. Der nächste Tadel.

Sie lässt sich Privatpost ins Amt schicken. Das ist verboten und kommt ebenfalls in den dienstlichen Lebenslauf.

Als in der Behörde Gegenstände und Geld verschwinden, wird ein so genanntes „Fangpaket“ abgeschickt: Es täuscht einen wertvollen Inhalt vor. Beate S. nimmt das Paket an, stempelt den Empfang aber mit dem persönlichen Stempel eines Kollegen ab – offenbar damit der Verdacht auf ihn fällt. Dann versteckt sie es. Aber sie wird beobachtet. Anzeige!

Ein Strafgericht verurteilt die Beamtin 2012 wegen Diebstahls und Urkundenfälschung zu zehn Monaten Haft auf Bewährung. Der Dienstherr fordert nun die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis. Oberstaatsanwalt Kronester sagt vor dem Verwaltungsgericht: „Die Dienstvergehen sind so schwer, dass das Vertrauen zerstört ist.“ Er bietet sogar an, dass S. bei voller Bezahlung (2600 Euro netto ohne Abzug des Krankenkassenbeitrags) und ohne Dienstantritt erst im Januar 2014 entlassen wird.

Beate S. bittet um Bedenkzeit bis Freitag. Sollte sie nicht zustimmen, kommt ein Urteil.

 

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