Fabrikantenvilla an der Mitterhoferstraße Bürgerbegehren: "Schützt unser Ensemble!"

Ulrike Brauerhoch (links), Carsten Trinitis und Sabiner Kiermeier protestieren gegen den geplanten Abriss. Foto: Linda Jessen

Der Fabrikantenvilla an der Mitterhoferstraße droht der Abbruch. In der Bürgerversammlung gibt es Protest – und dabei geht es um viel mehr als die eine Villa.

München - In dem Garten, in dem das Unkraut nur so wuchert, liegt ein Haufen Holzlatten, ausgediente, weiß lackierte Türen und Fensterläden lehnen daran. Daneben steht verlassen die Fabrikantenvilla, die zur angrenzenden Glockengießerei gehört. Der Villa droht: der Abriss. Dann ist der wertvolle Grund frei für eine neue Bebauung. In der Bürgerversammlung machte sich im November Protest breit, der Bezirksausschuss sagt: Wir sind machtlos.

Ulrike Brauerhoch wohnt direkt gegenüber und kämpft um das Ensemble, dessen Schönheit für sie und ihren Mann sogar einst der Grund war, an die Mitterhoferstraße zu ziehen. "Damals hatte uns der Makler sogar gesagt, dass das alles unter Denkmalschutz stehen würde", erzählt sie.

Das ist allerdings falsch. Aus einem Schreiben des Planungsreferats geht klar hervor: Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) erteilt der Villa eine Absage. Sie sei ein "eher schlicht gehaltener Bau, dessen Grundriss konventionell angelegt ist".

Unklar ist indes, was mit der dahinterliegenden Gießerei geschehen soll. Die Glocken im Rathausturm, im Alten Peter und in der Frauenkirche wurden hier gegossen. Ob der Bau in die Denkmalliste aufgenommen wird, ist noch in der Prüfung. Ende Mai soll der Bescheid des BLfD vorliegen.

Beim Termin vor Ort schaltet sich zudem der Mieter der alten Glockengießerei ein: "Als ich das Haus an den Bauträger verkauft habe, wurde vertraglich vereinbart, dass es über 20 Jahre nicht abgerissen werden darf." Eine frohe Botschaft, die allerdings die Frage aufwirft: Warum hat der Bauträger das Haus dann gekauft?

Das Thema betrifft Flächen in der ganzen Stadt

Das Misstrauen bleibt bei Ulrike Brauerhoch und ihren Mitstreitern. Carsten Trinitis und Sabine Kiermaier haben sich schon für das Haus an der Neuburgerstraße 8 (AZ berichtete) stark gemacht. Im Bündnis Gartenstadt engagieren sie sich für den Erhalt der Grünflächen in der Stadt. Dabei stehen sie auch im engen Kontakt mit den Truderingern, die ihre Unnützwiese retten wollen.

"Uns wird hier immer gesagt, es gehe da um Partikularinteressen. Das stimmt nicht, das Thema betrifft Flächen in der ganzen Stadt", sagt Trinitis deutlich. Dafür sprechen die 12 500 Unterschriften, die die Aktivisten seit Dezember für ein Bürgerbegehren zum Erhalt allgemeiner Grünflächen gesammelt haben. Wenn das so weitergeht, müsste sich die Stadt bald ernsthaft mit dem Schutz der Grünflächen befassen.

Grünen-Stadtrat Herbert Danner ist optimistisch. "Ich gehe davon aus, dass das Bürgerbegehren bis zum Frühsommer erfolgreich sein wird."

Doch warum verschwinden immer mehr freie Flächen? "Es gibt eine enorme Flächenkonkurrenz. Abgesehen von ökologischen Problemen bringt das aber nichts für das Lebensgefühl in den Vierteln", sagt Danner. Auch Brauerhoch findet: "Einzelne Baudenkmäler reichen nicht aus. Es müssen doch unsere Ensembles bewahrt werden!" Danner fordert: "Es müssen andere Flächen genutzt werden. Dabei denke ich an die großen überirdische Parkplätze oder überdimensionierte Straßenzüge – die dürfen bei der Flächensuche keine Tabuzonen sein".

 

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