Expertin zum Grillfleisch-Test Tipps fürs Grillen: „Unbedingt richtig mit dem Grillbesteck umgehen“

Verbraucherschützerin Jutta Saumweber erklärt, wie man abgepackte Steaks am besten verwertet und was das Problem an Fertig-Marinaden ist.

AZ: Frau Saumweber, was haben Sie sich als Verbraucherschützerin gedacht, als Sie diesen Grillfleisch-Test gelesen haben?
Jutta Saumweber: Ehrlich gesagt war ich nicht sonderlich überrascht. Bei abgepacktem und mariniertem Fleisch muss man mit solchen Ergebnissen leider rechnen.

Warum das?
Weil durch die Marinade natürlich Frische-Mängel übertüncht werden und es für den Verbraucher so sehr schwer zu erkennen ist, ob das Fleisch noch gut ist. In der Regel riecht man sehr gut, wenn Fleisch verdorben ist. Bei marinierten Produkten ist das fast nicht möglich. Auch Verfärbungen sind nicht erkennbar.

Neben den Frische-Mängeln hat der Test auch ergeben, dass so gut wie gar nicht nachvollziehbar ist, woher das Fleisch stammt. Wieso ist das so?
Das liegt ganz einfach daran, dass die Steaks, sobald sie mariniert sind, als „verarbeitet“ gelten und somit als Zutat. Der Hersteller ist damit nicht mehr dazu verpflichtet, darüber zu informieren, woher das Fleisch kommt.

Was ist mit marinierten Steaks von der Fleisch-Theke im Supermarkt?
Hier gilt im Grunde das Gleiche. Durch die Marinade ist die Frische nur sehr schwer überprüfbar. Und auch über die Herkunft muss nicht informiert werden.

Also am besten Finger weg von fertig mariniertem Grillfleisch?
Ehrlich gesagt ja. Vor allem auch deshalb, weil in den Fertig-Marinaden oft noch Zusatzstoffe und Aromen drin sind. Wir empfehlen, an der Fleisch-Theke frisches Fleisch zu kaufen und selbst zu marinieren. Das schmeckt besser und jeder weiß, was drin ist.

Aber oft muss es einfach auch mal das Fertig-Marinade-Fleisch aus der Packung sein – vor allem, wenn wenig Zeit ist. Was raten Sie?
Das Fleisch sollte auf alle Fälle immer ganz durchgegart sein. So geht man auf Nummer sicher. Wichtig ist auch: Immer kühl lagern und nicht in der Sonne liegenlassen. Am besten sollte das Fleisch vom Kühlschrank aus sofort auf den Grill kommen. Denn ist das Fleisch bereits mit Keimen vorbelastet, verbreiten die sich rasend schnell, wenn es nicht mehr richtig gekühlt wird.

Welche Hygiene-Tipps haben Sie noch?
Unbedingt richtig mit dem Grillbesteck umgehen. Das heißt: Mit der Grillzange, mit der man gerade noch das rohe Fleisch auf den Grill gelegt hat, sollte man später nicht die fertigen Steaks servieren. So können Keime übertragen werden.

Was würden Sie sich – gerade in Hinblick auf abgepackte Fleischprodukte – für die Verbraucher wünschen?
Wir Verbraucherschützer fordern seit Längerem eine bessere Kennzeichnung für die Kunden. Jeder sollte wissen, woher das Fleisch kommt, wo und wie die Tiere gehalten wurden.

Wie stellen Sie sich das vor?
Es sollte ähnlich sein, wie bei der Kennzeichnung von Eiern. Hier muss auf den Schachteln stehen, ob Eier beispielsweise von Hühnern aus Boden- oder Käfighaltung stammen.

Was würde das bringen?
Der Verbraucher muss die Wahlmöglichkeit haben und sich auch in der konventionellen Tierhaltung bewusst für abgestuft festgelegte Tierwohlkriterien beim Fleischeinkauf entscheiden können. Der Verbraucher kann dann selbst aussuchen, ob er dieses Fleisch kaufen möchte oder ob er nicht doch vielleicht zu einem hochwertigeren Produkt greifen will, das dann auch ein bisschen teurer ist.

Wird der Verbraucher nicht trotzdem immer lieber zum billigeren Produkt greifen?
Nein. Untersuchungen haben ergeben, dass es eben nicht immer billig sein muss. Das wird uns Verbrauchern nur nachgesagt. Aber wenn transparente Informationen zu einem Produkt gegeben werden, darf’s auch etwas mehr kosten.

Zur Person Jutta Saumweber: Sie ist Expertin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Bayern.

 

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