Exklusiv-Interview mit Löwen-Ikone Radi glaubt an 1860: "Die Spieler haben Herz"

Torhüter-Legende Petar "Radi" Radenkovic in der Allianz-Arena. Foto: dpa

Er ist und bleibt die große Ikone beim TSV 1860. Auch Petar Radenkovic wird das Relegations-Rückspiel schauen. Die AZ sprach mit "Radi".

München - Kaum jemand verkörpert die großen Zeiten der Löwen so sehr wie der 80-Jährige. Im Interview mit der Abendzeitung erklärt der Serbe, warum ihn der Absturz seines Herzensklubs nicht wirklich wundert. Trotzdem glaubt auch er an die Rettung. 

AZ: Herr Radenkovic, wo erwischen wir Sie gerade? 
PETAR RADENKOVIC: Ich bin gerade in Belgrad in meiner Wohnung und schaue die French Open im Fernsehen. Ich bin großer Tennis-Fan.

Morgen Abend sind Sie aber bestimmt Fußball-Fan, oder?
Natürlich, die Löwen schaue ich mir an. Das Spiel wird bei uns übertragen. Ich habe auch schon das Hinspiel in Kiel geschaut.

Wie fanden Sie das 0:0?
Ein reines Kampfspiel. 1860 hat großartig gekämpft und hat deswegen, glaube ich, eine gute Chance. Sie spielen zuhause, das kann was werden. Ich hoffe, dass das Stadion richtig voll wird, vielleicht ja sogar ausverkauft, und dass die Fans die Mannschaft unterstützen. Dann gewinnt 1860.

Sie haben also das Gefühl, dass es klappen wird?
Sicher bin ich mir leider nicht. Aber nach dem ersten Spiel muss ich sagen: Die Spieler haben Herz. Nur so kann es funktionieren. Spielerisch war das zwar nichts, aber wenn sie wieder alles geben, dann klappt das.

Es wäre die Rettung einer katastrophalen Saison. Wie haben Sie Ihre Löwen aus der Ferne beobachtet?
Ach, wissen Sie, es ist in den letzten fünf Jahren doch immer das Gleiche. Unabhängig davon, was geredet wird, tut sich gar nicht. Es ist traurig. Die machen immer die gleichen Fehler, egal, wer da am Werk ist. Jedes Jahr fällt der Klub eine Stufe tiefer.

So schlimm war es aber schon lange nicht mehr.
Das stimmt. Jetzt geht es ums Überleben. Aber wenn ein solcher Klub elf Jahre in der Zweiten Liga steht, hat man eben viel falsch gemacht. Der Klub müsste doch eigentlich in der Ersten Liga spielen. Dass die heute so weit unten stehen, ist nur, weil der Klub seit Jahren falsch programmiert ist. Seit der Investor da ist, gibt es keine Erfolge. Warum? Ganz sicher nicht, weil es am Geld fehlt.

Was stimmt Sie zuversichtlich, dass es wieder besser wird, sollte es mit der Rettung klappen?
Morgen geht es um die Existenz des Klubs. Aber selbst wenn sie sich retten, gibt es keine Garantie, dass sich nächstes Jahr was zum Positiven verändert. Es ist leider immer das Gleiche. Die Personen wechseln, aber das Resultat bleibt gleich. Daraus kann man eine Schallplatte machen, eine CD, damit ich das nicht immer wiederholen muss. Dann kann ich die CD jedes Jahr wieder neu abspielen.

Würde denn ein Abstieg helfen, ein Totalschaden, aus dem man alles wieder neu aufbauen kann?
Der Abstieg an sich wäre für 1860 keine Tragödie. Davon bin ich überzeugt. Die Tragödie wäre, dass sie daraus einen echten Neuanfang hinbekommen müssten. Die Frage ist: Können die das? Wenn der Verein die richtigen Lehren zieht und den Investor mit einbindet, dann kann es eine reinigende Wirkung haben. Sonst nicht.

Werden wir Sie denn in jedem Fall wieder in München sehen – egal ob Zweite oder Dritte Liga?
Aber natürlich. Ich bin drei, vier Mal im Jahr in München. Das wird auch so bleiben. Eigentlich wollte ich das nächste Mal schon nächste Woche kommen. Das musste ich aber verschieben. Jetzt wird es wahrscheinlich Ende Juli.

 

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