Ex-Spieler des FC Bayern im AZ-Interview Thomas Helmer zum Phantomtor: "Die Torkamera hätte das aufgeklärt"

Der 54-jährige Ex-Bayern-Star erzielte am 23. April 1994 das sogenannte Phantomtor gegen Nürnberg. Foto: Andreas Gebert/dpa

Vor 25 Jahren erzielte Thomas Helmer das Phantomtor gegen Nürnberg. Im Interview mit der AZ erinnert er sich.

 

Es ist eines der berühmtesten Tore der langjährigen Bundesliga-Geschichte: Das Phantomtor von Thomas Helmer gegen den FC Nürnberg feiert sein 25. Jubiläum. Im Interview mit der AZ spricht der ehemalige Verteidiger des FC Bayern über seine Wahrnehmung in diesem Moment, die schönsten Tore seiner Karriere und wie seine Ehefrau auf die Anspielungen auf den Treffer gegen Nürnberg reagierte.

AZ: Herr Helmer, ihr legendäres Phantomtor von 1994 feiert am 23. April Jubiläum. 25 Jahre begleitet Sie nun das berühmte (Nicht-)Tor. Spüren Sie noch Phantomtor-Jubel?
THOMAS HELMER: Nein, und amüsant fand ich das alles nicht damals. Weder in dem Moment, nach diesem 2:1 und auch danach nicht. Später hat es nur noch genervt.

Was damals im Olympiastadion geschah, ist Bundesligageschichte. Der 32. Spieltag der Saison 1993/94, FC Bayern gegen Nürnberg, die 26. Spielminute: Nach einer Ecke bugsierten Sie den Ball kurios-umständlich neben das Netz. Referee Hans-Joachim Osmers gab das Tor, das kein Tor war, weil Linienrichter Jörg Jablonski auf Treffer entschied.
Ich wusste damals nicht, was Sache ist. Es war turbulent. Ich dachte, der Ball muss, bevor ich ihn ins Tor-Aus gestochert habe, irgendwie drin gewesen sein, weil Nürnbergs Torhüter Andy Köpke hinter der Linie lag. Ich war irritiert – und habe auch nicht gejubelt, wie man im Video sehen kann. Meine Mitspieler aber kamen auf mich zu und jubelten.

Eine Tatsachenentscheidung, eine falsche.
Osmers hat auch nicht mit mir gesprochen, der war schnell wieder an der Mittellinie. Osmers hat später behauptet, er hätte mich gefragt. Das stimmt nicht. Aber wir haben das später in einem Gespräch alles ausgeräumt, da ist mittlerweile alles geklärt. In der Halbzeit habe ich die Szene noch einmal im Fernsehen gesehen, der Ball war natürlich nicht drin, das Tor hätte nicht zählen dürfen.

Zu spät.
Ja, leider. Es war ein Fehler von mir, dass ich nicht direkt mit Osmers gesprochen habe. Aber leider war es früher nicht so wie heute, dass manche Schiedsrichter viel mit den Spielern sprechen. Wenn man aufeinander zugeht, kann man einiges direkt klären.

Helmer: "Die Torlinientechnik hätte das Phantomtor aufgeklärt"

Hätte es damals den Videobeweis gegeben, wären Sie froh darüber gewesen?
Auf jeden Fall. Das "Hawk-Eye", die Torkamera, hätte die Szene aufgeklärt. Aber das gab es ja noch nicht. Ich bin ein Befürworter des Videobeweises, bin nur mit der Umsetzung bislang nicht ganz zufrieden.

Der Segen der Technik. Andererseits: Stellen Sie sich vor, wenn es damals Social Media gegeben hätte. Der Shitstorm hätte Sie weggepustet.
Oh ja, ob man das heutzutage aushalten könnte? Aber die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren damals schon schlimm.

Waren Sie erleichtert, als der DFB dem Protest gegen die Spielwertung seitens des 1. FC Nürnberg stattgab?
Schon, ja. Ich habe das erfahren, als wir in der Woche danach mit der Nationalelf auf einer Länderspielreise in den Vereinigten Arabischen Emiraten waren.

Das schönste Tor Ihrer Karriere, Thomas Helmer?

Durch die Ansetzung eines Wiederholungsspiels für das annullierte 2:1 wurde Ihnen ein ganz regulär erzielter Treffer aberkannt.
Ein schöner Volleyschuss aus 16 Metern zum 2:1. Beim 5:0 im Wiederholungsspiel bin ich dann natürlich leer ausgegangen (lacht). Und ein Abwehrspieler macht ja nicht so viele Tore.

Welches war denn das schönste Tor Ihrer Karriere? Also eines, das tatsächlich gezählt hat? Schluss mit Häme: Sie haben in 390 Partien stattliche 41 Treffer erzielt.
Zu meiner BVB-Zeit habe ich einmal dem VfB Stuttgart mit Torhüter Eike Immel einen Flatterball von kurz hinter der Mittellinie eingeschenkt. Wahrscheinlich saßen seine Kontaktlinsen nicht richtig (lacht). Mein wichtigstes Tor ist mir im Bayern-Trikot gelungen: Im Hinspiel des Uefa-Cup-Finals 1996 gegen Bordeaux (2:0, d.Red.). Im Rückspiel haben wir uns den Pokal gesichert.

Wie oft werden Sie eigentlich noch auf dieses Tor angesprochen?
Es wird weniger, immerhin. Kurz nachdem ich meine heutige Frau (Yasmina Filali. d.Red.) kennenlernte, war sie wirklich ziemlich genervt. Irgendwann sagte sie: "Also, wenn jetzt noch einer kommt, dem..." – hat sie aber nicht (lacht).

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