Ex-NFL-Profi im AZ-Interview Markus Kuhn: "Football ist ein extrem brutaler Sport"

, aktualisiert am 09.09.2017 - 12:04 Uhr
Markus Kuhn 2014 als Spieler der New York Giants. Foto: dpa

Ex-NFL-Profi Markus Kuhn spricht im AZ-Interview über seinen Sport, den Hype in Deutschland, sein Leben nach der Karriere in den USA, die Politik von US-Präsident Donald Trump und den Spielerprotest.

AZ: Herr Kuhn, der Hype um die NFL ist groß in Deutschland. Björn Werner und Sebastian Vollmer haben ihre Karrieren beendet, Sie haben aufgehört. Keiner der nachkommenden Spieler hat einen festen Kaderplatz. Hält die Begeisterung trotzdem an?
MARKUS KUHN: Durch Sebastian Vollmer, Björn Werner und mich erfuhr der Football in Deutschland mehr Aufmerksamkeit. Jetzt ist der Hype da und die Leute haben die Liebe am Sport gefunden. Wir haben immer noch Deutsche, die viel leisten, Kasim Edebali bei den Denver Broncos und die Nzeocha-Brüder. Björn Werner bringt ja inzwischen deutsche Talente an die Colleges und Highschools, was auch für einen NFL-Talentnachschub sorgen wird.

Die neue Saison steht an, der amtierende Champion, die New England Patriots, gehen als Favorit in die Spielzeit. Weshalb wird es dennoch spannend?
Im Sport kann alles passieren. So denken auch die Patriots. Die Saison fängt bei null an. Natürlich gibt es favorisierte Mannschaften, die seit Jahren gute Arbeit leisten – wie die Patriots. Aber auch andere Mannschaften haben gute Chancen, in die Playoffs zu kommen.

Sie haben Ihre Karriere beendet. Fiebern Sie dem Saisonstart noch genauso entgegen wie zu Ihrer aktiven Zeit?
Nein, ganz ehrlich nicht. Es war auch ein Beruf, den ich ausgeübt habe. Man fiebert bei interessanten Spielen mit, man ist genauso Fan, man freut sich über gute Spiele und junge Spieler, die etwas reißen. Wenn man selbst auf dem Platz steht, ist man ganz anders involviert.

Nach dem Karriereende widmen Sie sich anderen Projekten.
Ich lebe in New York mit meiner Verlobten, beginne hier gerade mein Masterstudium im Sportmanagement an der Columbia University.

In der NFL und der NBA protestieren derzeit viele Sportler gegen Polizeigewalt und Diskriminierung, indem sie bei der Hymne auf die Knie gehen.
Es gibt einen guten Grund, weshalb viele schwarze Spieler das tun und für Aufmerksamkeit sorgen. Das zeigt, dass man viel Aufklärung betreiben muss und viele Spieler nicht zu Unrecht protestieren. Sie merken, dass es den Schwarzen in Amerika oft nicht genauso gut geht wie den Weißen. Man sieht ja auch, dass viele weiße Spieler sich beteiligen. NFL-Star Colin Kaepernik gibt viel Geld für Charity aus, doch wie weit nimmt die Öffentlichkeit das an? Es sollte nicht nur einen Aufschrei geben, dass die Jungs sich hinknien. Es geht darum, warum sie das tun.

Sie leben seit einigen Jahren in den USA. Inwiefern hat sich das Verhalten in der Gesellschaft seit der Wahl von Donald Trump verändert?
Über Social Media bekommt man ja überall alles mit. Ich glaube, Donald Trump ist einer der lautesten Politiker im Sinne seiner Dauerpräsenz. Wie er sich verhält, ist leider meistens nicht positiv. Er weiß, wie man die Medien benutzt, weil er aus den Medien kommt. Vielleicht hat es einen Schock in der Gesellschaft gebraucht, damit man sich wieder mehr politisch interessiert.

Zurück zur NFL: Spieler beenden wegen der Gefahr von Gehirnerschütterungen ihre Karrieren, andere tragen bleibende Schäden davon. Muss sich der Sport verändern?
Ich kann jeden verstehen, der aus diesem Grund seine Karriere beendet. Bei mir war das auch ein Gedanke, nachdem ich bei den Patriots entlassen wurde und sich andere Teams für mich interessierten. Es ist ein extrem brutaler Sport. Jeder, der ihn ausübt, verletzt sich zu einem gewissen Grad. Es gibt viele Schläge auf den Kopf, wie bei einem Boxer oder anderen Kampfsportlern. Gehirnerschütterungen sind leider Teil des Sports. Wir sind uns dessen bewusst und jeder muss selbst wissen, was er verantwortet. Man kann natürlich versuchen, schlauer zu spielen, aber Football ist sehr körperbetont.

Sie glauben, man kann schlauer spielen, um Verletzungen aus dem Weg zu gehen?
Ja, das wird auch getan. Man darf auch nicht übertreiben, denn wir gehören zu den besten Athleten auf dieser Welt, was Körper, Schnelligkeit, Größe betrifft. Diese Spielsituationen passieren in Bruchteilen von Sekunden. Im Fußball gibt es dafür mehr Schienbeinverletzungen. Natürlich sind Kopf und Gehirn das Wichtigste am Körper und mit moderner Technik werden auch die Helme besser. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir noch mit Lederkappen gespielt, jetzt haben wir relativ futuristische Helme.

Wie sieht es bei Ihnen mit anderen Sportarten aus? Sind Sie Fußballfan?
Ich habe gerade bei einem Charity-Basketballspiel im Madison Square Garden mitgemacht, das war eine lustige Erfahrung. Ich freue mich auf den Winter, wenn ich wieder Snowboard fahren kann, was ich die letzten Jahre nicht konnte. Im Fußball schaue ich mir gerne die deutsche Nationalmannschaft an, bei Hoffenheim war ich zuletzt, als ich in Deutschland war.

Was macht die Faszination am Football aus?
Ich glaube, dass es keine andere Sportart gibt, in der so viele große, starke und schnelle Menschen auf einem Feld stehen, die eine so unglaubliche körperliche Leistung bringen, die miteinander zusammenhängt. Jeder Job auf dem Feld ist äußerst wichtig, das macht das Spiel so komplex und interessant.

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