Ex-Löwe Sandro Kaiser Das Ende eines großen Traums – ein Ärztefehler?

Vor dem Gerichtssaal: Sandro Kaiser (l.) mit Anwalt Harald Schauer. Kleines Bild: Der Ex-Fußballer 2010 im Trikot des TSV 1860 München. Foto: dpa/jot

Ex-Löwe Sandro Kaiser (26) hoffte auf eine Profikarriere. Doch nach einer Leisten-OP kam er nie wieder in Tritt. Er klagt gegen die Klinik.

München - Von Dießen zum Trainingsgelände des TSV 1860 sind es etwa hundert Kilometer hin und zurück. Mit 12 Jahren begann ein talentierter Bub vom Ammersee bei den Löwen, musste fürs Training drei, vier Mal die Woche diese hundert Kilometer zurücklegen. Sandro Kaiser gab alles für seinen Traum vom Fußball.

2009 schaffte der Linksaußen (26) tatsächlich den Sprung in die 1. Mannschaft. Doch dann der jähe Bruch: Im Herbst 2011 klagte Kaiser über Adduktorenprobleme und Leistenschmerzen.

Die Ärzte an der Münchner Maria-Theresia-Klinik diagnostizieren einen doppelten Leistenbruch. Im Januar 2012 wird er operiert, implantierte Kunststoff-Netze sollen die Lücken an der Leiste schließen. Dabei soll den Ärzten ein Fehler unterlaufen sein, sagt Kaiser. Und: Man habe ihn nicht ausreichend über die Alternativen zu der durchgeführten Leisten-OP aufgeklärt haben.

Es geht um viel Geld. Der Streitwert des Prozesses: 306 000 Euro. So viel verlangt Kaiser an Schadenersatz und Schmerzensgeld. Seine Profi-Karriere ist zu Ende, bevor sie richtig begann. Der 26-Jährige leidet bis heute unter Schmerzen und Blasenproblemen. „Mit diesen Schmerzen kann ich keinen Sport mehr betreiben“, erklärt der Ex-Löwe im AZ-Gespräch. Und: „Ich studiere jetzt BWL.“

Am Montag beginnt die Verhandlung vor dem Landgericht am Lenbachplatz zunächst mit einem Etappensieg für die Klinik. Denn der OP-Bericht gibt für die Vermutung eines Ärztefehlers erst einmal nichts her. Sowohl die Diagnose als auch die Behandlung – die Einsetzung von Netzen an den betroffenen Stellen – sind korrekt gelaufen, der Operateur ist ein ausgewiesener Spezialist.

Netze an der Leiste haben sich aufgerollt

Der erfahrene Chirurg erklärt als Zeuge, dass er seine Patienten immer über die Risiken und über alternative Behandlungen ausführlich informiert. Nur so seien diese in der Lage, eine informierte Entscheidung zu treffen. Sandro Kaiser, an den er sich noch gut erinnere, mache da keine Ausnahme.

Bei den Nachuntersuchungen scheint auch alles in Ordnung zu sein. Erst viele Monate später stellt eine andere Ärztin fest, dass sich die implantierten Netze an Kaisers Leiste aufgerollt haben und die Lücken nicht mehr abdecken. Das kann passieren, und ist, so die Expertin, eine „klassische Komplikation“ bei solchen Operationen.

Also nichts dran an den Vorwürfen? Ist eine andere Krankheit Ursache der Beschwerden und ein urologisches Gutachten nötig? Anwalt Harald Schauer widerspricht: „Die OP war der Einschnitt. Seitdem konnte er nicht mehr spielen.“

Dann ist Sandro Kaiser an der Reihe. Er wirkt mitgenommen, wischt sich ein paar Tränen aus den Augen. Aber dann erklärt er mit fester Stimme, dass „sein Körper sein Werkzeug“ sei. Hätte er gewusst, dass es ohne Fremdkörper an der Leiste gegangen wäre, hätte er sich anders entschieden.

Also mangelnde Aufklärung? Es steht Aussage gegen Aussage. In diesem Fall müsse aber die beklagte Klinik nachweisen, dass über Alternativmethoden aufgeklärt wurde. „Diesen Beweis haben Sie nicht angetreten“, sagt der Vorsitzende Richter Peter Lemmers.

Das Gericht will am 2. März entscheiden.

 

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