Ex-Löwe Kevin Volland "Wir spielen für Boris, das ist klar"

Einst ein Löwe, heute in Hoffenheim: Kevin Volland Foto: Rauchensteiner/AK

Bei der U21 teilte sich Ex-Löwe Volland mit seinem Klubkollegen Vukcevic, der noch immer im Koma liegt, das Zimmer. Das AZ-Interview mit Kevin Volland.

 

AZ: Servus Kevin, nach Ihrem tollen Aufstieg bei den Löwen sind Sie ja jetzt schon länger U21-Nationalspieler, am Freitag geht's in Leverkusen gegen die Schweiz in den Play-offs um die EM-Teilnahme. Was macht Sie sicher, dass die Qualifikation nach dem Rückspiel in Luzern geschafft ist?


KEVIN VOLLAND: Wir haben in meinen Augen eine überragende Mannschaft beisammen. Jetzt geht's um die Wurscht, jetzt müssen wir halt zeigen, was wir wirklich draufhaben. Jetzt sind die entscheidenden Spiele, wir wollen alle unbedingt die EM spielen, da dürfen wir nicht patzen. Für mich ist das jedes Mal eine riesige Ehre, hier dabei zu sein. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass das absolut nicht selbstverständlich ist. Also ist es auch klar, dass man dann alles gibt, wenn’s drauf ankommt. Wir sind ein richtig guter Haufen hier, und außerdem spielen wir ja auch für Boris, das ist jedem klar.


Ihr U21- und Hoffenheimer Mannschaftskamerad Boris Vukcevic hatte vor knapp zwei Wochen diesen fürchterlichen Auto-Unfall und liegt seither im künstlichen Koma. Gerade jetzt, da Sie mit vielen Gleichaltrigen zusammen sind, wird besonders viel über den tragischen Vorfall geredet?


Ja, das stimmt. Das ist ein Schock für alle. Aber so richtig viel kann ich da leider auch nicht sagen. Die letzten Signale von ihm waren zumindest schon mal positiv, das gibt uns allen große Hoffnung. Ich bin noch nicht so lange Profi, aber so einen Schock habe ich noch nie vorher erlebt und den will ich auch nie mehr erleben. Da kann sich von der einen auf die andere Sekunde das ganze Leben ändern. Da weiß man nicht, was man denken soll. Jetzt hoffen wir alle, dass er wieder aufwacht und dann auch wieder auf die Beine kommt.


Wie war Ihr persönlicher Kontakt?


Bei der U21 war ich immer mit ihm zusammen auf einem Zimmer, in Hoffenheim sind wir öfter mal ins Kino gegangen oder haben uns einfach so getroffen. Boris ist ein sehr, sehr feiner Kerl. Ich hoffe, dass er spürt, dass wir alle an ihn denken und ihm die Daumen drücken.


Eine ganz schlimme Sache. Seit einem Vierteljahr sind Sie jetzt weg von den Löwen. Wie haben Sie sich sonst eingelebt in Hoffenheim?


Erst mal war's natürlich nicht so leicht. Ich habe fünf Jahre in München gelebt, da bin ich erwachsen geworden, und München bleibt für mich die beste Stadt überhaupt. Jetzt lebe ich in Rauenberg, der Ort hat 8000 Einwohner, das ist im Vergleich zu München natürlich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Aber ich bin ja im Allgäu aufgewachsen, von daher war's für mich gar nicht so schwer, mich wieder ans Ländliche zu gewöhnen. Außerdem bin ich ja auch in einer halben Stunde in Mannheim, auch nach Stuttgart ist es nicht so weit. Und wenn ich mal einen Tag frei habe, dann kann ich es auch in zweieinhalb Stunden nach Hause ins Allgäu schaffen. Also ich bin jetzt in Hoffenheim, aber ich bin nicht aus der Welt (lacht). Außerdem hat die Gegend auch sehr viele Vorteile.


Die da wären? Wir sind gespannt.


Also: Man kann sich super auf den Fußball konzentrieren. Es gibt gar nicht so viele Möglichkeiten hier, abgelenkt zu werden. Ich bin in zehn Minuten von mir daheim am Trainingsplatz. Aber auch so fühle ich mich jetzt schon sehr wohl, ich kann mich überall anpassen, und meine Freundin Katja ist ja auch mit mir umgezogen. Sie macht grad die Bos (Berufsoberschule, d. Red.) in Heidelberg. Und was auch lustig ist: Ich wohne nur ein Haus neben Tim Wiese. Wir haben schon ein paar Mal abends zusammen gesessen und Fifa auf der Playstation gezockt. Der Tim ist in meinen Augen ein überragender Charakter und voll auf dem Boden geblieben. Ich verbringe sehr gerne Zeit mit ihm.


Genug von Hoffenheim. Wir müssen Sie natürlich noch zu 1860 fragen: Die Löwen spielen bald im Pokal beim Berliner AK, da haben Sie mit Hoffenheim 0:4 verloren. Haben Sie den Sechzgern schon Tipps gegeben?


Die brauchen die gar nicht. Wir haben einfach richtig schlecht gespielt an diesem Tag. Und Berlin hat losgelegt wie die Feuerwehr. Die sind gerannt, als ginge es ums Überleben. Und kicken können sie auch ganz gut. Aber 1860 muss trotzdem weiterkommen.


Verfolgen Sie noch, was sich bei den Löwen tut?


Klar, ich verfolge natürlich alles, was bei Sechzig los ist. Der Verein ist fest drin in meinem Herzen. Und ich drücke wirklich ganz fest die Daumen, dass sie am Ende unter die ersten drei kommen.

 

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