Ex-Löwe Berkant Göktan Göktan will zurück auf den Platz

Berkant Göktan war einst das größte Talent des deutschen Fußballs. Bei den Löwen wollte er seine letzte Chance nutzen. Das ging nur bis 2008 gut. Dann stürzte er total ab, nahm Kokain, floh nach Thailand. Nun ist er wieder zurück in München. Foto: sampics/Augenklick

Er galt als größtes Talent des deutschen Fußballs, die Löwen  ließ er von goldenen Zeiten träumen. Dann stürzte Berkant Göktan nach zahlreichen Eskapaden total ab: Er nahm Kokain, wurde erwischt, floh nach Thailand. Jetzt will er wieder Fußball spielen

 

München - Berkant Göktan ist wieder zurück in München. Der bayerische Türke, mittlerweile 31, will es nach vier Jahren wieder wissen. "Jetzt würde ich gerne sagen: Hallo, ich bin wieder da, kriege ich eine Chance bei einem Verein? Ich bin ablösefrei und fit. Das ist meine letzte Chance", sagte Göktan in einem bewegenden und erstaunlich offenen und selbstkritischen Interview im "kicker".

2008 war die Karriere des neben Sebastian Deisler größten Talents der Geburtsjahrgänge 1978 bis 1982 des deutschen Fußballs, eigentlich endgültig gescheitert. Die Löwen, bei denen Göktan zuvor eineinhalb Jahre für Furore gesorgt hatte, kündigten ihm nach bewiesenem Kokain-Missbrauchs fristlos. Anstatt die angebotene Hilfe des damaligen Geschäftsführers Stefan Reuters anzunehmen, der ihm sogar angeboten hatte, bei ihm zu wohnen während einer Therapie, floh Göktan nach Thailand. "Am Flughafen gab es zwei Möglichkeiten. Mexiko oder Thailand. Ich nahm Thailand, weil mein bester Freund mir mal davon erzählt hatte. Dann habe ich mir ein Zwei-Wochen-Ticket geholt. Daraus wurden sieben Monate." In Thailand lernte er seine Frau kennen, mit der er mittlerweile ein Kind hat.

Die Zeit in Thailand habe ihn verändert, erzählt er dem Fachblatt. Er habe sich viel mit Buddhismus beschäftigt, die Ernährung umgestellt, seinen Lebensstil. Nun sähe er die Dinge anders. "Es geht darum, Fußball zu spielen, mit sich im Reinen zu sein, die Familie zu achten, sich mit den Verantwortlichen und Teamkollegen zu verstehen. Zu wissen, dass man nicht alleine auf dem Platz steht, dass es keine One-Man-Show ist."

Nun sei sein Ziel, wieder auf den Platz zurückzukehren. Doch die bisherigen Versuche, an Probetrainings teilzunehmen, scheiterten. "Wo ich hinkomme, sagt man: Du bist gescheitert. Du hast es nirgends geschafft", sagte er. Und weiter: "Immer hieß es: Göktan der Kokser." Zwei Mal habe er sogar bei den Bayern, wo er von der E-Jugend an spielte, gefragt, ob er mittrainieren dürfe. Bayern sagte ab. "Das hat mir schon wehgetan", so Göktan.

Seinen totalen Absturz 2008 empfinde er heute sogar als positiv und nötig. "Mir war ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr zu helfen", sagte er. Er sei froh gewesen, als alles herausgekommen sei, "denn damit hatte ich keinen anderen Ausweg mehr." Rund zwei Monate hätte er Kokain konsumiert. "Als Persönlichkeit war ich in jungen Jahren nicht in der Lage, das alles auszuhalten, was auf mich einschlug. Ich war arrogant, überheblich." Dass er das Vertrauen seiner Familie, seiner damaligen Teamkameraden und der damaligen Löwen-Verantwortlichen Marco Kurz und Stefan Reuter "mit Füßen getreten" habe, tue ihm heute "unheimlich weh, aber damals war ich psychisch wirklich am Ende."

 

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