Ex-Kunstminister exklusiv in der AZ Ludwig Spaenle will eine neue Pinakothek bauen

Weg mit den Dingern! Ludwig Spaenle vor den alten Hörsaal-Gebäuden der Ludwig-Maximilians-Universität an der Theresienstraße. Foto: Daniel von Loeper

In der AZ erklärt Ex-Kunstminister Ludwig Spaenle, wieso er jetzt LMU-Gebäude abreißen und dafür die Pinakothek deutlich vergrößern möchte.

München - Ludwig Spaenle ist sich sicher: Es ist die Zeit gekommen für eine neue Pinakothek – auf dem Gelände der heutigen Uni-Gebäude an der Theresienstraße. Die Idee ist nicht ganz neu. Aber Spaenle ist überzeugt, dass sie jetzt reif ist, umgesetzt zu werden. Im Interview erklärt er, warum die Zeichen dafür so gut stehen, wie auch die LMU profitieren könnte – und, wie er jetzt vorgehen will.

AZ: Herr Spaenle, waren Sie in letzter Zeit in der Hypo-Kunsthalle oder im Haus der Kunst?
LUDWIG SPAENLE: Natürlich bin ich zu interessanten Ausstellungen in allen großen Häusern in München.

Und reichen die beiden großen Häuser für Wechselausstellungen nicht aus?
Es geht darum, dass wir fürs Kunstareal eine langfristige Perspektive benötigen, die dieses Quartier zu einem der weltweit interessantesten macht. Gerade tut sich ein Zeitfenster auf, um das anzugehen. Uns bietet sich jetzt die Chance, eine echte Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Sie waren als Minister zuständig. Warum fordern Sie jetzt die Erweiterung der Pinakothek – jetzt, da Sie es nicht mehr selbst in der Hand haben?
Das sind Entwicklungen, die eine langfristige Zeitachse haben. Ich habe die Erweiterung bereits zu meiner Zeit als Minister befördert und mache diesen Vorschlag jetzt als örtlicher Landtagsabgeordneter.

Warum sehen Sie gerade jetzt so eine gute Chance?
An der Theresienstraße haben wir einen Gebäudekomplex aus den späten Sechziger-, frühen Siebziger-Jahren, der durch die LMU genutzt wird. Dieser Komplex ist in die Jahre gekommen, es gibt also ohnehin Handlungsbedarf, was Sanierungen angeht. Die Chance zur Neustrukturierung bietet sich aber auch deshalb, weil die Veterinärmedizin nach Oberschleißheim verlagert wird, wo ein Physik-Campus am Englischen Garten entsteht, und die Mathematik in die Maistraße sowie die Geowissenschaften ins Klinikviertel kommen. Es wird also Platz frei, auf dem wir etwas entwickeln können.

Sie schätzen es so ein, dass eine Sanierung der bestehenden Uni-Gebäude so teuer wäre, dass sie abgerissen werden dürften – um einem Neubau Platz zu machen?
Es besteht in der Tat die Möglichkeit, dass der Kostenaufwand für die Sanierungen so hoch ist, dass man dort auch neu bauen könnte.

Was schätzen Sie, was Abriss und Neubau kosten würden?
Da bewegen wir uns sicher im hohen zweistelligen Millionenbereich.

Welche Rolle sollte die neue Halle, also quasi eine vierte Pinakothek, spielen?
Es bietet sich die Chance, eine Wechselausstellungshalle für die staatlichen Häuser zu schaffen. Momentan sind Wechselausstellungen für die Stammhäuser im Kunstareal nur unter schwierigen Bedingungen zu realisieren. Dazu kommt, dass die Grafische Sammlung nur unzureichend untergebracht ist. Auch das Museum Brandhorst stößt räumlich an seine Grenzen. Die weitere Präsenz von Einrichtungen der LMU, zum Beispiel der Kunstwissenschaften, wäre ebenfalls zu begrüßen.

An der bestehenden Pinakothek und dem Umfeld gibt es immer wieder Kritik, etwa an der Wegeführung. Müsste man das nicht erst mal in den Griff kriegen, bevor man eine Erweiterung angeht?
Im Gegenteil! Eine Neuplanung an der Theresienstraße gibt uns auch städteplanerisch die Möglichkeit, das Museumsareal noch besser an die Altstadt anzubinden. Die Neuordnung der Verkehrsführung spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Da sind ja bereits vonseiten der Stadt wichtige Änderungen beschlossen worden. Darüber hinaus setze ich mich dafür ein, dass die Barer Straße zwischen Gabelsberger- und Türkenstraße für Autos gesperrt wird.

Welche Funktion hätte das für das Kunstareal?
Hier könnte ein wirkliches Zentrum für das Kunstareal entstehen. Mein Ziel ist, dass alles ineinandergreift: Die Wegeführung, die Gestaltung der Außenflächen, die Anbindung an die Altstadt. Wir können jetzt den großen Wurf fürs Kunstareal angehen.

Wie geht es jetzt weiter?
Ich ergreife jetzt die Initiative und werde mit den unterschiedlichsten Ebenen den Dialog suchen. Mit der Wissenschaftsministerin bin ich bereits im Gespräch. Selbstverständlich auch mit der Stadt München bis hin zum Kulturbürgermeister Josef Schmid, der sich in diesen Fragen stark engagiert.

Warum hat man sich denn in der Vergangenheit so schwergetan mit diesen Planungen? Wie gesagt, die Idee gab es ja schon.
Man hat sich nicht schwergetan. Wichtige Schritte wurden ja gemacht. Konkret wird es erst jetzt, weil in der LMU die wichtigen Entscheidungen gefallen sind. Jetzt können wir Nägel mit Köpfen machen.

Rechnen Sie mit Widerstand aus der LMU?
Ich glaube, diese Nachnutzung gemeinsam zu entwickeln, ist sinnvoll.

Von welchem Zeitrahmen reden wir?
Das lässt sich sicher nicht in einem Jahr machen. Man muss mit fünf bis zehn Jahren rechnen. Es bietet sich damit aber auch eine einmalige Chance für das Kunstareal.

Lesen Sie hier: Kunstareal in der Maxvorstadt: "München braucht mehr Flow"

 

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