Ex-Bayern Trainer Jupp Heynckes: Triple-Verteidigung ist möglich

Jupp Heynckes, Ex-Trainer des FC Bayern München, sieht Pep Guardiola auf gutem Wege, seine Erfolge zu wiederholen. Bayern würde er Real als Halbfinal-Gegner wünschen.

 

München – Bei einem Werbetermin in den Münchner Riem-Arcaden sprach Jupp Heynckes am Freitagmorgen über...

...Chelsea als möglichen Halbfinal-Gegner: „Das verlorene Finale ist aus den Köpfen der Bayern-Spieler raus, das spielt keine Rolle mehr. Chelsea ist keine Mannschaft, die man fürchten muss. Wenn Bayern seine Topform bringt, sehe ich es im Endspiel.“

...die Folgen des Finals von 2012: „Das war damals eine wahnsinnige Enttäuschung. Aus der Niederlage gegen Chelsea ist der Triple-Sieg entstanden. Ohne sie hätten wir nicht alle Titel geholt.“

...Real Madrid: „Bayern ist immer in der Lage, in Madrid ein Tor zu erzielen und zuhause ist man eine Macht. Da hätte man eine große Chance, ins Finale einzuziehen. Wie Chelsea und Atlético spielt Real noch um die Meisterschaft, hat nächste Woche das Pokalendspiel gegen Barcelona. Real wird also noch besonders strapaziert, kann sich nicht erlauben, die wichtigen Spieler zu schonen. Pep Guardiola hat da fast schon ein Luxusproblem, kann einsetzen, wen er für richtig hält. Das ist ein großer Vorteil.“

...Atlético Madrid: „Atlético ist der unangenehmste, der schwierigste Gegner. Ein Team, kämpferisch überragend. Das ist eine Nuss, die es zu knacken gilt. Sie sind Pokalsieger geworden, haben auch schon die Europa League gewonnen. Seit Simeone dort Trainer ist, spielen sie einen ganz anderen Stil. So wie er als Spieler war: ein Kämpfer, ein Beißer, einer, der nie aufgegeben hat, der nie zufrieden war. Anfang der Saison habe ich Peter Herrmann (jetzt Co-Trainer bei Schalke, d. Red.) empfohlen, sich ein Band von Atlético gegen Barcelona zu besorgen, um den Schalkern zu zeigen, wie man strukturiert Fußball spielt, wie man presst, wie energisch und zweikampfstark sie in die Situationen gehen.“

...Pep Guardiola: „Pep hat eine andere Philosophie als ich, er ist mit der Ajax-Schule von Johann Cruyff aufgewachsen, er war sein Schüler in Barcelona. Ich bin dafür von Gladbach, von Hennes Weisweiler geprägt worden. Aber viele Wege führen nach Rom. Wichtig ist, dass man eine Handschrift sieht, aber auch, dass der Erfolg da ist. Denn wenn man schön spielt, aber nicht gewinnt, wird alles in die Tonne gehauen. Ich bin mir sicher, dass Bayern in den nächsten zwei, drei Jahren große Erfolge feiern wird. Jetzt kommt auch noch der beste Mittelstürmer der Welt dazu.“

...die Kritik an Guardiolas Liga-Rotation: „Ich habe das schon bei anderen Klubs erlebt, in Madrid, in Bilbao. Da wurde auch viel kritisiert. Damit müssen wir Trainer rechnen, müssen das akzeptieren. Sie wollten das Spiel in Augsburg nicht verlieren, aber er hat gesagt: Wir sind Meister, mehr als Meister können wir nicht werden und das Spiel gegen Manchester ist wichtig – damit hatte er Recht.“

...Uli Hoeneß: „Jeder weiß, dass Uli mein Freund ist und immer bleiben wird. Ich war auch bei ihm zwischenzeitlich, wir haben häufig telefoniert.“

...den Vertragspoker von Toni Kroos: „Ich habe schon mit ihm gesprochen. Wenn er meine Worte ernst nimmt, dann wird er bleiben. Wenn sie Topspieler beim FC Bayern sind, wenn man salopp gesagt drei warme Mahlzeiten, dann wechselt man nicht. So einen Klub wie den FC Bayern findet man in ganz Europa nicht. Er hat auch ein sehr gutes Angebot vorliegen. Er weiß, dass bei Bayern alles passt. Hoffentlich weiß das auch sein Berater.“

...die Saison der Bayern: „Die Mannschaft hat das gezeigt, was ich erwartet habe. Das letzte Jahr war kein Zufall. Die Mannschaft hat Charakter, hat Moral, ist mit zwei hochtalentierten Spielern noch verstärkt worden. Sie hat unter Beweis gestellt, dass sie eine große Zukunft vor sich hat. Die Altersstruktur ist sehr gut. Aber: Bei Bayern wäre Stillstand Rückschritt, man muss immer nach Höherem greifen.“

...die Triple-Verteidigung: „Warum sollte Bayern das nicht schaffen?“

...das Meister-Abo: „Die letzten drei bis fünf Jahre wird es der DFB sehr leicht haben, muss nur noch die Meisterschale von der Bayern-Erlebniswelt auf den Rasen und zurück bringen. Die anderen Klubs müssen ihre Hausaufgaben machen, ihre Teams verstärken mit Kreativität, Fleiß, Einfallsreichtum. Dortmund hat letzten Dienstag gezeigt, dass es ein großer Rivale sein kann – das hat mir wahnsinnig gut gefallen. Auch Schalke, oder Leverkusen – wenn sie mal zu Potte kommen – haben Qualität. Also vielleicht wird die Bundesliga die nächsten Jahre doch nicht so langweilig, wie es jetzt vielleicht den Anschein hat.“

...das Duell Bayern gegen Dortmund am Samstag: „Der psychologische Effekt mit Blick aufs mögliche Pokalfinale ist von großer Bedeutung. Und man muss im Rhythmus bleiben.“

...Fußballspieler vor dem Fernseher statt auf der Trainerbank: „Mein Hund liegt mir zu Füßen – so etwas hatte ich selten, als Trainer. Ich bin relaxt, ich schau mir die Spiele jetzt mehr als Fan an.“

...ein mögliches Comeback: „Ich habe auf Alltagsmodus umgestellt, bin jetzt wieder Normalbürger. Ich bin zuhause für einiges zuständig. Ich hatte letzten Sommer viele Angebote, wirtschaftlich so lukrativ, wie ich es mir nie erträumt hätte. Aber mein Leben jetzt gefällt mir so, es zieht mich nicht auf die Trainerbank zurück. Ich vermisse überhaupt nichts.“

...ein mögliches Engagement im Gladbach-Vorstand: „Mönchengladbach ist mein Klub, aber ich bin kein Funktionär. Ich bin der Borussia freundschaftlich verbunden, möchte aber kein Amt bekleiden.“

 

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