Ex-Bayern-Trainer im Interview Ottmar Hitzfeld: "Franck Ribéry ist auf dem Zenit"

Zusammen Deutscher Meister mit dem FC Bayern in der Saison 2007/2008: Franck Ribéry und Ottmar Hitzfeld (r.). Foto: GES/Augenklick

Ottmar Hitzfeld im Interview: über Franck Ribéry und die Weltfußballer-Wahl, den Weltpokalsieg 2001 – und wie der FC Bayern gegen den FC Arsenal besteht.

 

AZ: Herr Hitzfeld, der FC Bayern trifft im Achtelfinale der Champions League auf den FC Arsenal. Machbar oder eher knifflig?

OTTMAR HITZFELD: Das ist ein gutes Los. Natürlich ist Arsenal eine Spitzenmannschaft, aber Bayern kennt sie sehr gut. Im März war man im Rückspiel etwas leichtsinnig, aber das wird nicht mehr passieren. Daraus hat man die Lehren gezogen. Trotz Özil, Cazorla, Giroud und Podolski: Bayern kommt weiter.

Franck Ribéry ist der Star der Weltpokal-Woche in Marokko. Sie haben ihn, stimmberechtigt als Schweizer Nationaltrainer, auf Platz eins bei der Wahl zum Weltfußballer gesetzt.

Auf Rang zwei Messi und auf Platz drei Ronaldo – klar, damit Ronaldo nicht so viele Punkte bekommt. Ich denke, da darf ich schon Sympathie für meinen Ex-Spieler zeigen.

Warum hätte Ribéry die Auszeichnung als bester Spieler der Welt verdient?

Weil er jetzt auf dem Zenit, in der Form seines Lebens ist. Franck hat viel mehr Stabilität in sein Spiel gebracht und das auf höchstem Niveau. Trotz all der Verletzungen, denn er wird immer wieder hart angegangen, steht er immer wieder auf und kehrt noch stärker zurück.

Glauben Sie auch, dass er es packt oder ist die Lobby für Cristiano Ronaldo von Real Madrid weltweit zu groß?

Franck kann es packen. Mit der Wahl auf Ribéry wird auch ein Spieler des FC Bayern gewählt – der Mannschaft, die 2013 das Triple geholt hat. Und darum geht es doch auch.

Der Weltpokal wird in Marokko ausgespielt – nur rund dreieinhalb Flugstunden von München bei angenehmen 20 Grad. Kein Stress-Trip wie damals 2001 nach Tokio.

Oh ja, und ich kenne die Bedingungen in Marokko gut. Erst kürzlich war ich für eine Woche in Marrakesch. Die Golf-Plätze sind ein Traum dort. Was das Turnier betrifft, nimmt die Fifa nun Rücksicht auf die Klubs.

Als Champions-League-Sieger 2001 sind Sie mal zwischen zwei Bundesliga-Spieltagen nach Japan geflogen.

Das waren Strapazen, eine richtige Tortur. Der Flug über Frankfurt, es ging damals nicht mal direkt von München. Dann die Zeitverschiebung, das schwül-heiße Klima. Und wir hatten ja Ende November!

Wegen diverser Verletzter, unter anderem Stefan Effenberg, hatten Sie nur 14 Spieler dabei.

Es war ein Kraftakt, ein kleiner Kreis stimmt. Dazu kommt: Für die Südamerikaner, ob damals die Boca Juniors aus Argentinien oder heute Atletico Mineiro, ist dieses Finale ein ganz großes Spiel, hat viel mehr Bedeutung als in Europa. Die Argentinier haben sich damals fast eine Woche auf das Spiel in Tokio vorbereitet, wir hatten zwei Tage. Nach unserem 1:0-Sieg waren wir so kaputt.

Am Dienstag geht es für den FC Bayern im Halbfinale gegen Guangzhou Evergrande aus China. Eine leichte Übung?

Sie haben mit Marcello Lippi einen erfahrenen Trainer, der über Jahrzehnte Großartiges geleistet hat. Aber Bayern ist klarer Favorit. Doch auch die Chinesen darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Bei einem Sieg geht es am Samstag im Finale wohl gegen die Brasilianer aus Mineiro um Altstar Ronaldinho.

Die Brasilianer sind natürlich spielerisch viel besser als die Chinesen, sie spielen einen intelligenten Fußball, haben mehr Erfahrung. Das ist eine andere Qualität. Dazu kommt ihre Zweikampfhärte, aber darauf wird Pep Guardiola seine Mannen hinweisen: Südamerikaner sind immer sehr unangenehm, weil sie körperlich sehr aggressiv spielen, auch mal ruppig. Sie scheuen sich nicht, dorthin zu gehen, wo es weh tut. Da darf man sich auf dem Platz auch nicht provozieren lassen, soll nicht zu viel beim Schiedsrichter reklamieren.

Wenn's gut geht, gewinnt Pep Guardiola nach dem Uefa-Supercup seinen zweiten Titel mit den Bayern. Wie beurteilen Sie sein erstes halbes Jahr?

Er hat die grandiose Arbeit von Jupp Heynckes und seinem Trainerteam nahtlos weitergeführt. Mehr noch: Guardiola hat die Mannschaft weiterentwickelt, sie sind noch sicherer im Kombinationsspiel, der Ballbesitz spielt noch eine größere Rolle.

Sie sagten kürzlich, dies sei der beste Kader aller Zeiten.

Ja, es wurden noch Thiago und Götze letzten Sommer geholt, das sind Weltklasse-Spieler. Bayern hat alles richtig gemacht, aber Titel werden eben immer erwartet.

Dann hatte es Guardiola doch doppelt schwer, wenn er das Triple als Hypothek mit auf den Weg bekam.

Er ist genau der Richtige für Bayern, ein Perfektionist. Er wirkt authentisch, kommt gut an bei den Spielern - und nach außen ist er auch ein Sympathieträger. Und trotz all der Erfolge spielen die Bayern weiter erfolgreich.

Bastian Schweinsteiger fehlt zum Jahresende erneut verletzt.

Er hat leider immer wieder Verletzungsprobleme, kommt nie glatt durch eine Saison. Dadurch muss er immer wieder Rückschläge verkraften. Aber die Winterpause wird ihm gut tun, er kann sich hoffentlich im Trainingslager im Januar wieder heranarbeiten. Denn für mich ist er immer noch ein besonderer und ganz wichtiger Spieler für Bayern, eine große Identifikationsfigur.

 

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