Evakuierungen in Landshut Gasfund und die Folgen: Gefahr aus dem Erdreich

Die Oberndorferstraße ist ab 8.30 Uhr gesperrt. Die Evakuierung der Häuser dauert etwa 30 Minuten. Polizisten besprechen die Lage. Foto: is, cv

Seit Freitag läuft die Räumung an der Oberndorferstraße. Was mit dem dubiosen Fund passiert, wie es den Anwohnern ergeht und wie der Einsatz läuft: Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Landshut - Still war es am Freitagmorgen rund um die Oberndorferstraße hinterm Bahnhof. In der Wolfgangsiedlung ist das um diese Uhrzeit nichts Ungewöhnliches. Für die vielbefahrene Verbindungsstraße zwischen Altdorf und der Altdorfer Straße, die quasi die nördliche Einfahrt Richtung Landshuter Innenstadt ist und als Zubringer zum Landshuter Hauptbahnhof dient, aber schon.

Was war der Auslöser? Auf einem ehemaligen Schrottplatz an der Oberndorferstraße sind am Donnerstagnachmittag bei Arbeiten 30 Gasflaschen gefunden worden. Weitere werden im Erdreich vermutet.

Die Polizei hat deshalb am Freitag um 8.30 Uhr das Teilstück der Straße an Ecke Altdorfer Straße bis zur Wirtschaftsschule gesperrt. Auch der Fußgängertunnel vom Hauptbahnhof zur Wolfgangsiedlung wurde abgeriegelt.

Auf dem Gelände des ehemaligen Schrottplatzes soll die neue Feuerwache des Löschzuges Wolfgang gebaut werden. Eigentümer des Grundstücks ist die Stadt Landshut.

Wie reagierte die Stadt ? Der Fund hatte einen Großalarm zur Folge. Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und THW waren noch am Donnerstagabend vor Ort. Der Kampfmittelräumdienst traf schließlich die Entscheidung, dass die Gasflaschen unter größten Vorsichtsmaßnahmen entsorgt werden müssen. Die an die Oberndorferstraße angrenzenden Wohnhäuser mussten deshalb am Freitagmorgen evakuiert werden. 137 Anwohner sind betroffen. In der Spitze waren 93 Einsatzkräfte vor Ort.


Wie lange dauerte die Evakuierung der Wohnhäuser? Etwa 30 Minuten. "Die Evakuierung ist abgeschlossen, die Wohnungen sind vollständig geräumt", meldetet Stadtbrandinspektor Martin Dax am Freitagmorgen um 9.05 Uhr. Woraufhin sich die von der Stadt Landshut zur Verfügung gestellten Busse mit den Anwohnern in Richtung Alte Weberei in Bewegung setzten.

Zurück blieb eine nahezu gespenstisch ruhige Oberndorferstraße, abgesehen von circa 70 uniformierten Sicherheitskräften ließ sich kaum jemand blicken. Nur eine Radfahrerin wunderte sich und fragte, ob sie mit ihrem Radl noch durch den Bahnhofstunnel fahren könne. Sie durfte noch durchschlüpfen. Viele Anwohner hatten ihr Zuhause schon am Donnerstagabend verlassen.


Wie lange dauert die Bergung der Gasflaschen? Der Kampfmittelräumdienst hat drei Tage veranschlagt. Los ging es gleich nach der Evakuierung am Freitag. Die Gasflaschen sind teils stark verrostet. Einige liegen lose auf dem Boden, andere sind teils vergraben.

Der Teil des Grundstücks, in dem die Behälter gefunden wurden, ist stark mit Wurzelwerk durchzogen. Zwischen den Gasflaschen liegt Unrat. Der Kampfmittelräumdienst muss deshalb sehr behutsam bei der Bergung vorgehen. Welche Inhalte sich in den Gasflaschen befinden, ist unklar - auch, ob sie eventuell sogar leer sind.

Was passiert mit den Gasflaschen? Bisher ist ungeklärt, woher sie stammen und wie lange sie dort schon im Erdreich liegen. Die Behälter werden jetzt geborgen und untersucht, welche Stoffe sie beinhalten. Daraus ergibt sich auch, ob sie eventuell illegal entsorgt wurden.

Was wird aus den Anwohnern ? Für 137 Anwohner der Oberndorferstraße gab es bereits Donnerstagabend schlechte Nachrichten: Sie mussten ab Freitagmorgen ihre Wohnungen verlassen. Etwa zwei Drittel ist bei der Familie oder Bekannten untergekommen. Ein kleiner Teil war aus beruflichen Gründen nicht zu erreichen. Die Kontaktaufnahme wurde von der Polizei übernommen. 59 Anwohner haben bei der Stadt angegeben, keine Übergangsbleibe für das Wochenende gefunden zu haben. Für sie hat die Stadt die Notunterkunft Alte Wäscherei an der Siemensstraße bereitgestellt. Dort waren zuletzt Flüchtlinge untergebracht.

Wie geht es in der Notunterkunft für die Anwohner weiter? Für die Verpflegung hat die Stadt einen Caterer beauftragt. Auch die medizinische Versorgung ist laut Stadt gewährleistet. Vorab hat der BRK bei den Betroffenen ein Screening unternommen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. In der Alten Weberei gibt es Vierer- und Achterzimmer. Jeder kann sein Zimmer frei wählen. Über 300 Betten stehen zur Auswahl. Die Stockwerke sind beheizt, genügend Duschen und sanitäre Anlagen vorhanden. Es gibt eine Spielecke für Kinder und einen Aufenthaltsraum, in dem auch gegessen wird. Der Ess- und Wohnbereich sind getrennt. Die Unterkunft ist bewacht, um Schaulustige fernzuhalten. Jeder der Betroffenen kann kommen und gehen, wann er will.

Was wird aus den Haustieren? Die Besitzer von Haustieren hat die Stadt im Vorfeld gebeten, die Tiere so weit möglich bei Bekannten oder Verwandten unterzubringen. Sollte dies in der Kürze der Zeit nicht geklappt haben, dürfen die Haustiere in die Notunterkunft mitgenommen werden.

Wie läuft der Kindergarten- und Schulbetrieb in der Wolfgangsiedlung? Weder Kindergärten noch Schulen liegen in der Sperrzone; auch nicht der Kindergarten St. Wolfgang. Der Unterricht fand am Freitag deshalb plangemäß statt.

Kann an der Oberndorferstraße am Samstag eingekauft werden? Weder der Rewe noch der Lidl an der Oberndorferstraße liegen nach Angaben der Stadt im gesperrten Bereich. Auch die Total-Tankstelle hat offen.

Was ist mit dem Pendlerparkplatz?

Die Stadt hat die Pendler angewiesen, den Parkplatz an der Oberndorferstraße am Freitag nicht zu nutzen. Das kam offenbar nicht überall an. Ankommende Pendler, die ihr Auto noch dort hatten, wurden von den Einsatzkräften gesammelt. In Absprache mit dem Kampfmittelräumdienst werden Zeitfenster gesucht, in denen es gefahrlos möglich ist, mit den Autos wegzufahren. Mit langen Wartezeiten ist laut Stadt zu rechnen.

Wie lange dauert das Ganze? Die Bergung der Gasflaschen hat am Freitagnachmittag begonnen, für den Abtransport wurden Sand und Paletten angeliefert. Die Arbeiten erfolgen auch nachts, Sperrungen bleiben aufrechterhalten. Am Montag sollen auch die Anwohner in die evakuierten Häuser zurückkehren können.

Wohin mit den Gasflaschen? Die Entsorgung erfolgt auf eine Deponie im Landkreis. Voraussichtlich bis Montagmittag wird der Kampfmittelräumdienst damit beschäftig sein, die Gasbehälter zu entsorgen.

Wie ist die Stimmung unter den Betroffenen in der Alten Weberei? Erst einmal niedergeschlagen. Manche nahmen es aber auch mit Humor: "Wir werden hier schon nicht umkommen", sagte beispielsweise Alfons Ehner. Zwei andere Herren witzelten schon, wie sie die Zeit totschlagen wollen: "Hier wird es doch sicher irgendwo eine Kneipe geben."

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