Europawahl 2014 CSU-Wahlpleite - Seehofer: Anfang von seinem Ende

„Das gibt’s doch nicht!“ CSU-Anhänger in Tracht verfolgen schockiert die ersten Hochrechnungen. Schon jetzt steht fest: Es ist ein Debakel. Foto: dpa

Schlimmer hätte das Ergebnis nich ausfallen können: Die CSU steht unter Schock. Für Horst Seehofer beginnt jetzt eine neue Zeitrechnung.

 

München – Er versteckt sich in seinem Büro im Franz-Josef-Strauß-Haus. Niemand soll sein Gesicht sehen, wenn die erste Hochrechnung auf dem Bildschirm erscheint. Die verkündet Horst Seehofer eine brutale Niederlage. 40Prozent! Ein historisches Tief für die CSU. Und ein historischer Abend für Horst Seehofer: Das ist der Anfang von seinem Ende.

Alles hatte er in Sachen Europa auf eine Karte gesetzt. Auf Horst den Großen, der der CSU die absolute Mehrheit im Landtag zurückgeholt hatte. Der sie in Berlin wieder zur Macht geführt hatte. Und der sie jetzt in Brüssel erstarken lassen wollte. Doch seine letzte Wahl in diesem Kreuzlmarathon der vergangenen Monate ging voll daneben.

Fast eineinhalb Stunden braucht Seehofer, um sich zu fassen und vor seine Anhänger zu treten. Nur einen Katzensprung entfernt in der Hanns-Seidel-Stiftung bittet die CSU zur Wahlparty. „Das ist kein guter Tag für die Christsozialen“, sagt er ihnen dort unumwunden. „Es ist eine bittere Stunde.“ Hinter ihm stehen sein CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer und EU-Spitzenkandidat Markus Ferber mit verbitterter Miene.

40 Prozent! „Das gibt's ja nicht“, schüttelt Ex-CSU-Chef Erwin Huber fassungslos den Kopf. Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt dreht sich zu ihm um: „Das kann nicht sein.“ Es ist die Rechnung für fünf Jahre Europa-Politik: Kein klarer Kurs. Taktieren und Lavieren. Die vielen roten Linien in der Eurokrise, die sich als Wanderdünen entpuppten. Seine Kronprinzen Alexander Dobrindt und Markus Söder hat er auf die Griechen losgelassen – und war am Ende dann doch für ihre Rettung. Ein bisserl dagegen. Ein bisserl dafür. Den Euroskeptiker Peter Gauweiler hat er zu seinem Partei-Vize emporgehoben. Als Gegengewicht zu den acht Pro-Europäern, die die CSU bisher im Parlament vertraten. Nach der ersten Hochrechnung bleiben von ihnen nur noch fünf. Seehofer wollte einfach alle umarmen. „Das wirkte nicht glaubwürdig“, sagt der Geschäftsführer der Landesgruppe, Max Straubinger.

„Das Positive an Europa ist nicht mehr wahrgenommen worden“, übt auch Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner leise Kritik. Sie warnt aber gleichzeitig die Seehofer-Kritiker in der Partei: „Wir gewinnen gemeinsam, und wir verlieren gemeinsam.“ Das allerdings sehen nicht alle so.

Die Abrechung mit Seehofer wird kommen. Nicht an diesem Montag, wenn sich der CSU-Vorstand zur Wahlanalyse in der Landesleitung trifft. Was sie sagen werden, wurde schon am Sonntagabend als Parole ausgegeben: „Die deutlich abweichende Wahlbeteiligung im Freistaat ist die Ursache. Die Bayern waren einfach wahlmüde.“

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Für Seehofer allerdings beginnt nun eine neue Zeitrechnung. Wie lange darf er Bayern noch regieren? Wann schlagen seine Kronprinzen zu? Wird er seine Nachfolge jetzt noch alleine regeln können? Die letzten Tage waren für ihn schon bitter. Seine Laune war auf dem Tiefpunkt. Erst hatte er seine USA-Reise abgesagt, weil sich keine hochkarätigen Gesprächspartner für ihn finden ließen. Dann verpassten ihm Bayerns Verfassungsrichter auch noch eine Watschn, weil er in der Verwandtenaffäre gemauert hatte. Da hatte Seehofer auch keinen Bock mehr auf den Bayerischen Fernsehpreis und sagte in letzte Minute ab – weil auch den keiner mehr wichtig nimmt.

Auf der CSU-Wahlparty macht sich der gestutzte Parteichef und Ministerpräsident gleich wieder aus dem Staub. Ein CSU-Insider meint zu Seehofers Ende: „Es kommt wie eine Welle, die baut sich erst langsam auf.“

 

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