Europatag am Marienplatz Toleranz, Vielfalt, Freiheit: Europa zu Gast in München

Temporäres Kunstwerk: Die "Urbane"-Artists Benjamin Schandelmaier und Johannes Brechter besprühen die Mauer aus Pappkartons mit einem Graffiti... Foto: Bernd Wackerbauer

Beim Europatag in München fallen Mauern – für ein gemeinsames und vereintes Europa gegen alle Vorbehalte

Slowenen, Italiener, Franzosen und Deutsche schwingen ihre Beine auf der Bühne zu Sirtaki – einem Volkstanz aus Griechenland. Mehr europäische Vielfalt bekommt man so schnell nicht getanzt. Die Idee der Vielvölkerverständigung und eines Europas ohne Barrieren und Grenzen ist an diesem Mittwoch auf dem Marienplatz allgegenwärtig. Europa ist zu Gast in München. Beim Europatag zur Feier der "Schuman-Erklärung" vom 09. Mai 1950, dem Grundstein der Europäischen Union, hören Tausende Menschen den EU-Parlamentariern und vielen weiteren Rednern zum Thema Europa zu. Der Marienplatz wird zum Austauschort zwischen EU und Münchnern.

"Viele Münchner wissen gar nicht, was die EU alles für unsere Stadt bereitstellt. Alleine im Jahr 2017 hat München über 20 Millionen Euro an Fördergeldern aus Brüssel bekommen", sagt Bürgermeister Josef Schmid. Projekte wie das Neubaugebiet Freiham, das als "Smart City"-Projekt umgesetzt wird, würde mit knapp sieben Millionen Euro aus EU-Fördergeldern finanziert. Im "Smarter Together"-Förderprogramm können Bürger gemeinsam mit Experten Lösungen für die Herausforderungen des urbanen Lebens entwickeln. Die Stadtteile Neuaubing-Westkreuz und Freiham sollen in ganz Europa eine Vorreiterrolle einnehmen.


(Hin)auf geht’s, Europa: Am Stand der Europäischen Kommission werden Luftballons aufgeblasen. Fotos: Bernd Wackerbauer

AZ-Aktion mit Mucbook: "Weniger Mauern – mehr Miteinander"

Überhaupt spüre Schmid als Bürgermeister großes Interesse bei den Menschen am Thema Europa. Erst kürzlich hätten ihm Schüler die Idee zu einem Schulfach "Europa" vorgetragen.

Unter dem Motto "Weniger Mauern – mehr Miteinander" hatten das Stadtmagazin Mucbook und die Abendzeitung eine besondere Aktion ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Münchner Schülern besprühten die "Urbane"-Künstler Benjamin Schandelmaier und Johannes Brechter eine riesige Wand aus Pappkartons mit einem Graffiti-Bildnis. "Hinter dem 'Unity'-Schriftzug steckt die Idee der Geimeinsamkeit bzw. Einigkeit. Das Bild soll auch die imaginäre Mauer, die in vielen Köpfen herrscht symbolisieren", beschreibt Schandelmaier sein Kunstwerk. Auch Besucher konnten ihre Wünsche und Hoffnungen an eine europäische Zukunft auf die Pappkartons schreiben. Um 15.30 Uhr rissen die Schüler die Wand nieder. Ein Symbol für ein vereintes Europa. Ohne Mauern.


"Unity" – der Schriftzug der Künstler greift die europäischen Werte Einigkeit und Gemeinsamkeit auf. Foto: Bernd Wackerbauer

Brüssel zählt 32 500 Bedienstete – München 38 400

Lauscht man den Gesprächen der Menschen auf dem Marienplatz, wenn sie sich an den Infoständen wie der Vertretung der EU-Kommission oder der Bayerischen Vertretung bei der EU bis hin zum Stand der Abendzeitung über das Projekt Europa äußern, stellt man fest: In manchen Köpfen gibt es durchaus noch Barrieren. Neben den vielen pro-europäischen Stimmen beim Europatag sind auch Zweifel zu vernehmen. Zweifel darüber, ob die Freiheits- und Freizügigkeits-Idee im europäischen Sinne tatsächlich zum Wohl der Bürger beiträgt.

Bemerkenswert, vielleicht sogar beunruhigend, ist, dass die Vorbehalte der Bürger oft mit Fehlinformationen oder einer gewissen Portion Unwissen einhergehen. Meistens scheint es so, als arbeite sich ein Großteil der EU-Kritiker mit Stereotypen ab und bemühe die immer gleichen Vorwürfe.

Ein Beispiel: Ein Mitfünfziger am AZ-Stand ärgert sich über den seiner Meinung nach aufgeblasenen Beamtenapparat in Brüssel. Die Beamten verwalteten sich dort doch ohnehin zu Tode. An dieser Stelle sei erwähnt: EU-Kommission, -Ministerrat und -Parlament zählen zusammen etwa 32 500 Bedienstete. In der Stadtverwaltung München arbeiten 38 400 Menschen.


"Gerade München profitiert ungemein vom freien Waren- und Kapitalverkehr in der Europäischen Union", sagt Bürgermeister Josef Schmid. Foto: Bernd Wackerbauer

Ein weiterer Aufreger: Deutschland zahle nur an die EU und bekomme nichts dafür. Freilich, Deutschland ist mit 13 Milliarden Euro pro Jahr größter Nettozahler. Gleichzeitig zahlt die EU an Deutschland fast die Hälfte an Fördergelder zurück. Das "Smart City"-Projekt in Freiham ist dabei nur ein winzig kleiner Teil.

Trotz kritischer Stimmen ist es der Geist eines gemeinsamen Europas, der auf dem Marienplatz den Ton angibt. Auf der Bühne folgt die Showeinlage einer Dracula-Tanzgruppe aus Rumänien. Toleranz, Gemeinsamkeit, Vielfalt – und das über sämtliche Grenzen und Barrieren hinweg:Auf dem Marienplatz wird an diesem Tag europäisch gesprochen – und getanzt.

"Auf d'Seiten, Angsthasen": Lesen Sie hier eine AZ-Kommentar zum Europatag

 

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