Angeschossener verschwindet spurlos Schießerei in Unterföhring: Etliche Zeugen mit Trauma

, aktualisiert am 11.07.2017 - 17:35 Uhr
Einsatzkräfte der Polizei vor Ort in Unterföhring. Foto: Sven Hoppe/dpa

Über 200 Menschen sind Zeugen der Schießerei im S-Bahnhof in Unterföhring. Ein Trauma, das manchen nicht mehr loslässt.

 

Unterföhring - Bei einer Personenkontrolle am S-Bahnhof Unterföhring entreißt ein 37-Jähriger einem Polizisten die Dienstwaffe und schießt wild um sich. Eine 26-jährige Polizistin wird lebensgefährlich verletzt, zwei Passanten an Arm und Bein verwundet.

Chaos bricht am Bahnsteig aus. Alle schreien in Panik durcheinander. Menschen werfen sich zu Boden, suchen in der S-Bahn und am Bahnsteig Schutz oder versuchen, sich durch Flucht in Sicherheit zu bringen. Ein schreckliches Erlebnis, das viele der Zeugen damals nicht mehr loslässt. Über 200 Menschen wurden Zeuge der dramatischen Ereignisse am 13. Juni im S-Bahnhof Unterföhring. Etliche haben bei der ermittelnden Mordkommision inzwischen ausgesagt – dabei wurde klar, wie sehr die Erinnerung manchen von ihnen zu schaffen macht.

Die Angst ist ständiger Begleiter

Einige der Zeugen berichteten ihrer Vernehmung von Angstattacken und Schweißausbrüchen. Manche leiden unter Alpträumen, haben Mühe, das Gesehene zu verarbeiten. Manche sind seitdem nicht mehr in der Lage zu arbeiten und deshalb krank geschrieben. Etliche der Zeugen sind offensichtlich traumatisiert. "Wir bieten den Betreffenden Hilfe an", sagt Herbert Linder, Chef der Münchner Mordkommission, "wir können den Betreffenden Kontakt zu Experten beispielsweise beim Kriseninterventionsteam vermittel, damit sie entsprechend Hilfe erhalten". Die Polizei wird in den kommenden Tagen Briefe an die Zeugen verschicken. Darin wird den Betroffenen nochmals Hilfe angeboten.

Die Polizei sucht darüber hinaus weitere Zeugen. Beispielsweise einen etwa 45 Jahre alten Mann mit Gabardine-Hose und Sakko. Er hatte sich bei einer Sanitäterin gemeldet und erzählt, dass er am Bein getroffen worden sei. Seine Hose hatte ein Loch, das Bein darunter eine runde Verletzung.

Die Sanitäterin forderte einen Rettungswagen an. Doch der Mann sagte, er werde von seiner Frau abgeholt und ging. Ob er selbst einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchte, ist nicht bekannt. "Die Kliniken sind nicht verpflichtet, uns in jedem Fall zu informieren", sagt Herbert Linder. Bis heute ist die Identität des Zeugen ungeklärt.

Täter verweigert Aussage

Der Schütze, Alexander B. (37), ist auf der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Er gilt als psychisch auffällig. Bisher verweigert der 37-Jährige die Aussage. Er wird von einem Anwalt beraten. Alexander B. lebte zuletzt mit seiner Familie in den USA. Sein Vater hält sich derzeit in München auf und hat seinen Sohn auch schon in der Klinik besucht.

Die 26-jährige Polizistin, die bei der Schießerei eine lebensgefährliche Kopfverletzung erlitten hat, wird auf der Intensivstation einer Münchner Klinik behandelt. Sie sei derzeit stabil heißt es. Sobald es ihr Gesundheitszustand zulässt, soll sie in eine Klinik in Sachsen verlegt werden. Dort leben die Eltern der jungen Beamtin.

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