Ethikkommission Atom-Ausstieg: 17 und wir

Klare Ansage: Dieses Transparent am Zaun des Kanzleramts ruft die Bundesregierung zum raschen Atomausstieg auf. Foto: dapd

Erstmals tagt die „Ethikkommission”, die Deutschlands Zukunft mit weniger Atomstrom auf den Weg bringen soll. Was kann sie erreichen in den wenigen Wochen bis Ende Mai?

 

Berlin - Die 17 ist die magische Zahl: 17 Atomkraftwerke gibt es in Deutschland, 17 Experten sollen darüber (vor-)entscheiden, was aus ihnen wird. Am Montagnachmittag tagte das von Kanzlerin Angela Merkel nach dem Atomgau von Japan eingesetzte Gremium zum ersten Mal: hinter verschlossenen Türen. Schon Ende Mai soll die sogenannte „Ethikkommission” Antworten liefern. Doch das wird schwierig. Einerseits soll die Expertenrunde die radikale Wende untermauern, die Schwarz-Gelb als weltweit einzige Regierung nach der Katastrophe vollzogen hat. Andererseits ist „Augenmaß” gefragt, das wurde in Berlin gestern noch einmal deutlich.


Die Kanzlerin machte es zum Auftakt kurz. Auf Krücken humpelte die meniskusgeplagte Regierungschefin herbei und erklärte in dürren, knappen Worten, was sie sich erwartet: „Mir geht es darum, dass wir ein breites gesellschaftliches Spektrum in dieser Kommission vereint haben.” Wenigstens das dürfte gesichert sein: Die 17 Männer und Frauen kommen aus der Industrie ebenso wie aus der kernkraftkritischen Szene, Politiker und Kirchenleute sind ebenso vertreten wie Philosophen und andere Wissenschaftler.


Sie alle sollen jetzt die Quadratur des Kreises schaffen: Wie kann das Land auf Atomkraft möglichst schnell verzichten, ohne dass Wirtschaft und Energiesicherheit darunter leiden? Merkel sagte, sie erwarte sich auch die Antworten auf „Zielkonflikte”. Etwa darauf, wie sich ein Ausstieg aus der Atomkraft auf den Klimaschutz, aber auch auf dann womöglich notwendig werdende Stromimporte auswirken könnte.

Das haben auch die beiden Vorsitzenden Klaus Töpfer und Matthias Kleiner im Auge: „Es wäre nichts gewonnen, wenn wir zwar unsere Atomkraftwerke schneller abschalten, aber dafür Atomstrom aus dem Ausland importieren”, sagte Kleiner. Schon jetzt sei das Land seit Merkels Atom-Moratorium zum Stromimporteur geworden, warnte der Energiekonzern RWE. Ein weiteres Thema für die großen 17: Wie verlässlich sind die erneuerbaren Energien? Bislang schwanken die Strommengen aus Wind und Sonne stark – vor allem die Industrie befürchtet deswegen Probleme. Klaus Töpfer verteilte vorsorglich Beruhigungspillen: Seine Kommission wolle kein Chaos auslösen, versicherte er: „Es reicht nicht zu sagen: Wir schalten ab.”

 

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