Eskalation um Abschied Die große Ballack-Debatte

Trotz der Eskalation bietet DFB-Boss Zwanziger dem Ex-Kapitän erneut die Partie gegen Brasilien als Abschiedsspiel an. Ex-Nationalspieler Breitner rät ihm dazu anzunehmen, Brehme eher nicht

 

München - In der Rolle des Kümmerers und Vermittlers sieht sich Theo Zwanziger ohnehin am liebsten. Und natürlich kann der DFB-Präsident nicht tatenlos zusehen, wenn sich in Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Kapitän Michael Ballack zwei der obersten Exponenten seines Verbandes öffentlich streiten und gegenseitig der Lüge bezichtigen. Auch, wenn bei Ballack nun der Zusatz „ehemaliger” vorangestellt werden muss.

Und so müht sich Zwanziger nun, die Wogen zu glätten und macht Ballack via „SportBild” ein Friedensangebot. „Nachtragend sind wir nicht, die Tür für Michael Ballack bleibt beim DFB immer offen. Ballack hat nach wie vor einen ehrenvollen Abschied verdient”, schreibt der DFB-Boss. Das Angebot des Verbands, dass Ballack beim Test gegen Brasilien spielen dürfe und verabschiedet werde, stehe weiterhin. Eine „tolle Geste” sei das Angebot vom DFB, „ein tolles Angebot”, meint Zwanziger, der es im Übrigen „traurig” findet, „dass sein Umfeld ihn da anders beraten hat”. Trotzdem: „Ganz ausschließen, dass es doch zu diesem Abschied kommt, will ich das trotz der bisherigen Absage von Michael Ballack nicht”.

Abgesehen davon, dass es unwahrscheinlich erscheint, dass Ballack das Angebot noch annimmt: War der Streit nötig? Und kann Ballack nach allem, was vorgefallen ist, wirklich noch für die DFB-Elf auflaufen?Die Ballack-Debatte:

Franz Beckenbauer (DFB-Ehrenspielführer, Europameister 1972, Weltmeister 1974 als Spieler und 1990 als Trainer): „Michael hat viel durchgemacht. Das Abschiedsspiel hätte er als krönenden Abschluss seiner großen Nationalelfkarriere annehmen sollen.”

Andreas Brehme (Weltmeister 1990): „Ich habe ja selbst noch mit Michael gespielt und mag den Jungen sehr gerne. Deswegen würde ich nie ein negatives Wort über ihn verlieren. Umso trauriger bin ich, dass die Situation mit Jogi Löw jetzt so eskaliert ist. Ob Micha das Angebot mit dem Abschiedsspiel jetzt noch annehmen sollte, kann ich schwer beurteilen. Er hat ja auch seinen Stolz. Zumal es ja auch kein richtiges Abschiedsspiel, ein Spiel nur für Ballack gegen eine Weltauswahl wäre, sondern ein normales Testspiel.”

Günter Netzer
(Europameister 1972, Weltmeister 1974): „Er sieht doch selbst, dass die neue Nationalelf ohne ihn laufen gelernt hat und vor Selbstbewusstsein strotzt.”

Paul Breitner
(Europameister 1972, Weltmeister 1974): „Ich gehe davon aus, dass Michael Ballack gegen Brasilien als Kapitän auflaufen wird. Beide Seiten sollten es jetzt nicht auf die Spitze treiben und überziehen, das wäre unwürdig. Man hat gemeinsam so viel Positives erlebt, deshalb wird der Moment kommen, an dem Ballack und der DFB einen Schritt aufeinander zugehen. Ich würde beiden Seiten wünschen, dass die Angelegenheit nicht in ein Theater ausartet.”

 

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