Eskalation beim TSV 1860 Was nun, TSV 1860? Die Folgen des Rücktritts von Robert Reisinger

, aktualisiert am 12.12.2018 - 18:36 Uhr
Nicht die besten Freunde: Investor Hasan Ismaik (l.) und Löwen-Präsident Robert Reisinger. Foto: Rauchensteiner/Augenklick/dpa/AZ

Mit dem Rücktritt von Löwen-Präsident Robert Reisinger aus dem Aufsichtsrat flammt der Konflikt mit Investor Hasan Ismaik beim TSV 1860 neu auf. Wie der Jordanier reagiert, was sich ändert, was die Sechzger befürchten - die Fragen und Antworten.

München - Michael Scharold ist dieser Tage wahrlich nicht zu beneiden. Der Geschäftsführer des TSV 1860 ist bekanntlich der Mann zwischen den Stühlen. Präsident Robert Reisinger und Klub-Bosse hier – Investor Hasan Ismaik und Statthalter dort. Monatelang schüttete Scharold die Gesellschafter-Gräben zu. Jetzt sind sie wieder aufgerissen.

Am Dienstag verkündete Reisinger nicht nur seinen Rücktritt als Aufsichtsrat. Er versah seine Erklärung mit giftigen Worten in Richtung Ismaik. Gestern folgte die Retourkutsche des Jordaniers – in Form einer kuriosen Facebook-Botschaft, in der er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel verglich (siehe unten). Wie wird es also weitergehen zwischen Vereinsspitze und Geldgeber? Die AZ mit den wichtigsten Fragen und Antworten.

Ismaik spricht wieder von "Triumphen"

Wie reagiert Ismaik auf Reisingers Rücktritt? In seiner Nachricht verkündete Sechzigs Geldgeber zunächst seine Freude darüber, "dass ich im Jahr 2011 mit dem Kauf von Anteilen des TSV 1860 München eine Verbindung zu diesem wunderbaren Land gefunden habe". Ismaik würde mit den Giesingern "sehr gerne an die alten Triumphe des Vereins anknüpfen", schrieb der Hauptgesellschafter der ausgegliederten TSV-Profiabteilung und schob einen Vorwurf an Reisinger und Mitstreiter hinterher:

"Erfolg zu haben mit den Löwen ist weiterhin mein Ziel, auch wenn immer wieder versucht wird, mich rauszudrängen." Er könne daher "nur immer wieder betonen: Diejenigen, die glauben, mich provozieren zu können, verschwenden ihre Kräfte."

Wer ersetzt die beiden zurückgetretenen Aufsichtsräte? Vor Reisinger ist bekanntlich auch Ex-Präsident Peter Cassalette Anfang Dezember zurückgetreten. Während Sechzigs Vereinsoberhaupt erklärte, dass ihm Verwaltungsrats-Boss Sebastian Seeböck ab Anfang Februar nachfolgen werde, hat Ismaik bisher nicht verlauten lassen, wen die Investorenseite ins Gremium berufen wird.

Klar ist nur, dass es nicht Anthony Power wird: Befürchtungen aus dem Umfeld, dass Ismaik den Ex-Geschäftsführer neben Athanasios Stimoniaris platzieren könnte, scheitern an der Tatsache, dass Power die notwendige Löwen-Mitgliedschaft nicht besitzt.

Seeböck: Hardliner in Sechzigs Null-Darlehen-Politik

Wie verändert sich die Vereinspolitik im Umgang mit Ismaik? Die Rochade Seeböck für Reisinger dürfte nicht allzu viel an der Strategie der Vereinsbosse ändern, denn beide gelten als Hardliner in Sechzigs Null-Darlehen-Politik. Reisingers Mitteilung, "Planungen für den Profifußball nur noch mit nachgewiesenen und tatsächlich eingegangenen Mitteln zu führen", schränkt die Möglichkeiten von Scharold weiter ein. Und dadurch auch das Budget, das Trainer Daniel Bierofka und Sportchef Günther Gorenzel für die kommende Saison zur Verfügung stehen wird.

Es kommt womöglich nicht von ungefähr, dass Gorenzel am Dienstag etwas entnervt erklärte: "Fakt ist, dass der Öffentlichkeit seit zwei Monaten suggeriert wird, dass ich Geschäftsführer Sport werde und ich mich auch schon über wirtschaftliche und vereinspolitische Dinge geäußert habe. Es gibt aber kein Arbeitspapier, von daher müssen Sie die Fragen an die Herren stellen, die dafür verantwortlich sind."

Wohl spannende Lizenzierung für den TSV 1860

Welche Konsequenzen müssen die Löwen fürchten? Eine Bestrafung seitens des DFB werde es aufgrund der bestätigten "wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit" des TSV nicht geben, wie Geschäftsführer Michael Scharold der AZ bestätigte. Reisinger erklärte zudem, dass die neue Politik die geplante Umwandlung eines Ismaik-Darlehens von 5,2 Millionen Euro in Genuss-Scheine zum Jahreswechsel nicht betreffe. Die Lizenzierung zur nächsten Saison könnte vor diesem Hintergrund auch spannender werden, als den Löwen lieb ist.

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