Es schulzt! So wird der Starkbier-Anstich am Nockherberg

Von ihnen kriegt die Politik ihr Fett weg: Schauspieler Simon Pearce (v.l.n.r.), Autor Thomas Lienenlüke, "Mama Bavaria" Luise Kinseher, Komponist Gerd Baumann und Regisseur Marcus Rosenmüller. Foto: Sigi Müller

Beim Starkbier-Anstich am Mittwoch geht's im Singspiel um nicht weniger als die Frage nach der Wahrheit.

 

München - Am schwersten hat es wohl Thomas Wenke getroffen. Man kann das gar nicht überbetonen, wie viel ihn das psychisch aber auch physisch gekostet haben muss: den Wechsel von Sigmar Gabriel auf Martin Schulz.

Denn natürlich ist heuer im Singspiel beim Starkbierfest am Nockherberg auch der Kanzlerkandidat der SPD vertreten – nur sah es im Oktober, als das Team loslegte, noch nach Gabriel für diesen Posten aus. "Der Thomas musste sich da schon umstellen", sagt Singspiel-Regisseur Markus H. Rosenmüller. "Ich hab ihn angerufen und gesagt: Tut mir leid, wir haben jetzt ein Problem – du passt so nicht mehr ins Stück." Dann schickte er später Bilder von sich als Schulz – und das passte viel besser!"

Schulz auf der Bühne – und im Publikum? Möglich ist's noch

Ob auch der echte Schulz am Mittwoch beim Derblecken dabei ist, ist noch nicht raus – eingeladen ist er jedenfalls. "Es wäre großartig, wenn es sein Terminkalender zulässt", sagt Paulaner-Chef Andreas Steinfatt. "Es gibt ja immer eine gewisse Symbiose zwischen dem Menschen auf der Bühne und dem Original im Publikum."

Und da sind wir schon mitten im Thema vom Singspiel mit dem Titel "Scheining" (mit etwas Augenzwinkern eine Anspielung an den Stanley-Kubrick-Klassiker "The Shining"). In einem Hotellobby-Bühnenbild wird es um die Fragen gehen: Was ist echt, was nicht? Wem oder was darf man glauben – und was macht die Unsicherheit mit uns?

"Da geht es natürlich auch um Aussagen von Politikern", sagt Rosenmüller. "Dass es zum Beispiel einen in Amerika gibt, der Sachen sagt, die schon beim Aussprechen falsch sind." Und auch, wie sich diese Bewegung auf etablierte Politiker und deren Verhalten auswirkt.

Popularisierende Menschen aus anderen Ländern kommen aber im Singspiel nicht als Personen vor. Im vergangenen Jahr trat die AfD-Vorsitzende Frauke Petry in Form eines hysterischen Huhns auf. Menschlicher wird es für die Rechtspopulisten auch diesmal nicht. "Wir möchten ihnen kein Gesicht geben", sagt Autor Thomas Lienenlüke. "Das sind Menschen, die sich so öffentlich gegen alles stellen, was unsere Demokratie ausmacht. Die will ich im Publikum nicht sehen."

Eins der AfD-Lieblingskrawallthemen wird aber auch thematisiert: Schauspieler Simon Pearce übernimmt eine Nebenrolle als Flüchtling.

"Ein Witz über Trump ist leichter als einer über Bausback"

Kabarettistin Kinseher und Paulaner-Chef Andreas Steinfatt.
Kabarettistin Kinseher und Paulaner-Chef Andreas Steinfatt. Foto: Sigi Müller

Zum siebten Mal wird außerdem die Kabarettistin Luise Kinseher als Mama Bavaria eine Rede an die Bayern richten. Und da soll es dann auch nur um die Weltpolitik im Freistaat gehen. "Ein Witz über Trump ist natürlich leichter als einer über Spaenle oder Bausback", sagt Kabarettistin Luise Kinseher. "Aber die Form muss man schon wahren."

Und es gibt ja genug Themen! Den Streit zwischen CDU und CSU, die Bildungspolitik, die Wohnungsnot, Seehofer und Söder, Umweltthemen, zählt Kinseher auf.

Und wie ist das heuer mit den Frauen? Landtagspräsidentin Barbara Stamm hatte sich ja 2016 auf die Zehen getreten gefühlt. "Das habe ich nicht ganz verstanden", sagt Kinseher, "aber das muss man akzeptieren. Jedenfalls werde ich heuer nix anders machen."

Ach ja, und noch was: Heuer wird das Paulaner-Starkbier vom 10. März bis zum 2. April ausgeschenkt – eine Woche länger also, als bisher üblich. Und das ist die Wahrheit.

 

12 Kommentare