"Es gibt solche Tage" Erste Nullnummer seit 2012: Die Bayern auf Eis

Ein Tag zum Vergessen erlebten die Bayern gegen Hertha BSC. Foto: dpa

Erstmals seit 2012 gibt’s in der Arena wieder eine Nullnummer. Die Serie reißt – und wirklich wichtig wird es erst wieder im Frühling.

 

München - Am Ende stand die Null. In der Statistik, in der Chancenverwertung und auf der Habenseite von Torjäger Robert Lewandowski.

Unter null waren die Temperaturen an diesem ungewöhnlichen Nachmittag in der Allianz Arena. Frost & Frust – 0:0 gegen Hertha BSC. Ein eiskalter Ausrutscher der Bayern.

Der letzte torlose Kick in Fröttmaning? Lange her. Im April 2012 gegen Mainz. Nach 45 Spielen erzielten die Bayern erstmals wieder kein Heimtor. Nach 14 Pflichtspielsiegen hintereinander – wie einst unter dem ungarischen Trainer Pál Csernai im Jahre 1980 – gewann die Heynckes-Mannschaft nicht. Die historische 15 wurde verpasst. Und wissen Sie was? Geärgert hat es niemanden im Bayern-Tross so wirklich.

"Es gibt solche Tage"

"Wir können auch mit dem einen Punkt leben. Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, außer dass wir unsere Chancen nicht genutzt haben – das ist sehr ungewöhnlich für uns", sagte Trainer Jupp Heynckes entspannt, "aber solche Tage gibt es im Fußball, das muss man akzeptieren." Der Fast-Schon-Meister nahm es angesichts des Fernglas-Vorsprungs locker. "Das nehmen wir hin, das können wir akzeptieren", meinte Mats Hummels. Und Arjen Robben, Mr. Ehrgeiz, sprach milde: "Es gibt solche Tage, da will der Ball einfach nicht rein."

Die besten Chancen vergab Mittelstürmer Lewandowski – und damit auch seinen persönlichen Rekord. In seinem 250. Bundesligaspiel (171 Treffer) verpasste er ein Erfolgserlebnis wie in den ersten elf Heimspielen der Saison. Somit teilt sich der Pole die Bestmarke mit seinem Trainer, der 1972/73 für die Gladbacher Fohlen vom Saisonstart weg in elf Partien am Bökelberg traf. Rekord eingefroren, geteilte Freude. Es gibt ja größere Ziele.

Doch die werden erst nach Ostern wieder relevant. Am Osterwochenende empfangen die Bayern Borussia Dortmund, könnten zuvor jedoch schon als Meister über die Ziellinie gegangen sein. Und in dieser Saison stellt der BVB auch nicht mehr den Herausforderer der letzten Jahre dar, ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Das "Problem" der Liga-Dominatoren: Mittelfristig stehen keine echten Prüfungen an, das Achtelfinal-Rückspiel bei Besiktas in Istanbul (14.3.) ist nach dem 5:0 im Hinspiel nun auch keine mehr.

Bayern liegt auf Eis

In den nächsten zwei Wochen kann man trainieren und regenerieren, erst am Sonntag (18 Uhr) folgt das Gastspiel beim SC Freiburg. "Eine lange Zeit. Spielen ist doch schöner als Training", sagte Robben. Am Samstag darauf kommt der Hamburger SV, um sich die übliche Abreibe-Packung abzuholen. Da freut man sich schon eher über die Auswärtsherausforderung bei RB Leipzig am 18. März. Richtig ernst wird es jedoch erst ab dem Viertelfinale der Champions-League in den ersten beiden April-Wochen. Bis dahin ist Bayern im Wartestand – liegt also auf Eis. Die Ruhe vor dem (Titel-) Sturm.

Für den 72-jährigen Heynckes liegt der Schlüssel zum möglicherweise großen Triumph, der Wiederholung des Triples von 2013, darin, die Spannung rechtzeitig wieder hoch zu fahren. Zudem muss es ihm gelingen, die Egos seiner Stars in den nächsten Wochen so auszubalancieren und Motzki-Attacken über Startelf-Absenzen wie die unter der Woche von Robben so zu moderieren, dass der Kessel dem Druck standhält.

Dank der Berliner haben die Bayern wieder lernen können, dass nicht alles von alleine flutscht. Erstmals seit dem 25. November, dem 1:2 in Gladbach, konnte man ein Ligaspiel nicht gewinnen. Die Hertha, die erste Mannschaft der Saison, die zwei Mal gegen Bayern ungeschlagen blieb (Hinspiel 2:2), frohlockte in Person von Trainer Pál Dárdai: "Wir waren ein unangenehmer Gegner. Das ist die einzige Methode. Das gehört zu einem 0:0-Spiel. Das ist nicht schön. Aber wenn du hier bei Bayern offensiv vogelwild auftreten willst – dann Halleluja!"

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