Es droht die Insolvenz TSV 1860 abgestiegen: Der Löwen-Untergang

, aktualisiert am 01.06.2017 - 09:28 Uhr
Die Löwen stehen wie einst die Titanic vor dem Untergang, und die Führungspersonen verlassen das sinkende Schiff. Geschäftsführer Ayre (l.) und Präsident Cassalette (rechts vorne) haben hingeschmissen, Trainer Pereira (unten Mitte) steht vor dem Abgang. Was machen Investor Ismaik und sein Vertrauter Anthony Power (oben)? Foto: dpa/AZ-Montage

Nach dem Abstieg steht der TSV 1860 ohne Führung da. Bis Freitag muss der Verein die Liquidität für Liga 3 nachweisen – doch nach AZ-Informationen droht die Insolvenz. Ismaik weist die Schuld von sich.

 

München - Leere. In den Köpfen der 1860-Spieler nach dem schandvollen Abstieg aus der Zweiten Liga. Leere auch in den Büros an der Grünwalder Straße: Trainer Vitor Pereira? Weg. Geschäftsführer Ian Ayre? Hingeschmissen. Präsident Peter Cassalette? Zurückgetreten. Beim TSV 1860 herrschte einen Tag nach dem Abstieg in die 3. Liga Untergangsstimmung. Während Pereira gar nicht erst auftauchte, schauten seine Assistenten vorbei, um sich zu verabschieden und das sinkende Sechzger-Schiff hinterher wohl endgültig zu verlassen.

Geschäftsführer Ayre begründete seine Kündigung im Liverpool Echo so: "Leider habe ich in meinen kurzen acht Wochen eine Struktur vorgefunden, in der die Anteilseigner weder gemeinsame Interessen verfolgten, noch eine Vision für die Zukunft des Klubs hatten". Die Anteilseigner, das sind Investor Hasan Ismaik und der TSV 1860 München e.V.. Sechzig München droht der totale Zerfall. Bezeichnend: Kein einziger Entscheidungsträger konnte Auskunft über die ungewisse Zukunft der Sechzger geben.

"Ich kann nichts sagen – ich weiß nicht, wer heute überhaupt da ist", erklärte Vizepräsident Hans Sitzberger der AZ, als er am Vormittag eintraf. "Ich sage nichts. Es könnte nur das Falsche sein", fügte Teammanager Bernhard Winkler hinzu. Es bleibt nur banges Warten. Warten auf Hasan Ismaik, der das Schicksal von 1860 in Händen hält – und seine Macht zum Zwecke der Erpressung nutzt.

Erpresst Ismaik den Verein?

Bis Freitag, 15.30 Uhr, müssen die Löwen bei der DFL eine Summe zwischen acht und elf Millionen Euro für die Drittliga-Lizenzierung nachweisen. "Die Lizenz ist nicht zu erlangen, ohne dass es zu weiteren Zahlungen von Herrn Ismaik kommt", sagte DFB-Vize Rainer Koch bei Sky Sport News. Überweist Ismaik, können führungslose Löwen zusehen, sich schnellstmöglich für die Dritte Liga aufzustellen. Auftakt ist am 21. Juli.

Wie die SZ berichtet, ist der Geldfluss an teils unerfüllbare Bedingungen geknüpft: etwa die teilweise Abschaffung des Weisungsrechts des e.V. an die Geschäftsführung (widerspricht den DFL-Richtlinien) und die Überführung der Jugendmannschaften in die KGaA. Ayre und Cassalette hätten davon bereits vor der Relegation erfahren, für den Briten sei ein Rücktritt daher unumgänglich gewesen, da Sechzig ansonsten sogar bei Klassenerhalt nicht mehr zu retten gewesen wäre.

Doch es gibt auch schwerwiegende Anhaltspunkte, die gegen einen Verbleib im Profifußball sprechen: Wie die AZ aus gesicherter Quelle erfuhr, sollen sämtliche Konten der ausgegliederten Fußball-Abteilung leergeräumt worden sein – das fürstliche Salär von Ayre soll genauso wenig bezahlt worden sein wie die Spielergehälter. Auch ehemalige Funktionäre wie Ex-Coach Kosta Runjaic warten demnach noch auf ausstehende Zahlungen. Mögliche Folge: zahlungsunfähige Löwen! Die Verantwortlichen bereiten für diesen Fall, wie auch Sky Sport News HD berichtete, einen Insolvenzantrag vor. Ein Neuanfang in der Vierten Liga wäre möglich: "Gegebenenfalls hätten wir auch Platz für eine 19. Mannschaft in der Regionalliga", so Koch.

Auf Facebook erklärte Ismaik am Abend den Abstieg zu einem "traurigen Kapitel der glorreichen Geschichte des TSV 1860." Dass bei 1860 "viel im Argen liegt", habe nichts "mit meiner Person" zu tun, sondern mit "skrupellosen Machtkämpfen" und "internen Querelen", die es zu beseitigen gelte. "Unkontrollierte Handlungen" von Funktionären hätten dem Verein geschadet. Es dürfte Vereinsvertreter geben, die das anders sehen.

 

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