Erzbistum München und Freising Auch Nicht-Priester sollen katholische Gemeinden leiten

Kardinal Marx ändert seine Meinung: An der Spitze einer PFartrei muss ab Herbst nicht mehr zwangsläufig ein Priester stehen. Foto: dpa

Es gibt immer weniger Priester in der katholischen Kirche. Daher können im Erzbistum München und Freising künftig auch Laien Gemeinden leiten.

München - Im Erzbistum München und Freising dürfen ab Herbst in ausgewählten Pfarrverbänden auch Laien Führungspositionen übernehmen. Haupt- und Ehrenamtliche sollen diese Pfarreien gemeinsam mit einem Priester als gleichberechtigte Kollegen leiten. "Im Team ist keiner der Chef", sagte der Kardinal und Erzbischof Reinhard Marx am Montag in München bei der Vorstellung des Pilotprojektes. "Das ist ein großer Umbruch, den wir erleben in der Geschichte der Kirche."

In der Tat steht diese Entscheidung im Gegensatz zu der bisherigen Linie von Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Kurz nach seinem Amtsantritt in München im Jahr 2008 hatte er noch gefordert, dass an der Spitze einer jeden Pfarrei ein Priester stehen müsse. Angesichts des Mangels an Pfarrern wurden deshalb viele Gemeinden zu großen Pfarrverbänden zusammengelegt. Marx sprach in dieser Hinsicht von einem Lernweg: Er sei zu der Erkenntnis gelangt, dass die Einheiten nicht immer größer werden könnten, um sie an die Zahl der Priester anzupassen.

Priester werden immer weniger

Die Zahl der neu geweihten Priester sinkt in Deutschland seit langem. 2014 waren es 75, ein Jahr später nur noch 58. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, hatte Anfang März vor einer "Katastrophe" gewarnt und mehr Verantwortung für Laien in den Gemeinden gefordert.

Marx hat am Wochenende bei der Vollversammlung des Diözesanrats seiner Erzdiözese betont, dass die Kirche vor Ort nicht zugunsten immer größerer Pfarrverbände weichen dürfe. "Wir würden viele Chancen vergeben, wenn wir uns von den territorialen Wurzeln zurückziehen", sagte Marx in Ebersberg.

 

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