Erst Überblick verschaffen, dann einsparen Haushaltsbuch und Spartipps: Worauf es wirklich ankommt

Eine Familie rechnet monatliche Unkosten aus. Worauf muss man bei seinen Finanzen achten? Foto: dpa

Strukturieren, dokumentieren, bilanzieren – das sind die drei Säulen eines Haushaltsbuchs. Auch digitale Helfer gibt es einige. Was sie taugen.

 

Bonn - Viele denken wohl: Ein Haushaltsbuch? Uncool! "Stimmt nicht", sagt Mandy Turreck. Sie ist Haushaltsberaterin und kennt viele Menschen, die sich "am Ende vom Geld wundern, dass noch so viel Monat übrig ist". Das ist zwar ein bekannter, lustiger Spruch. Menschen, denen es wirklich so ergeht, finden ihn wohl wenig lustig. Nicht nur denen, sondern jedem, der die eigenen Finanzen systematisch zusammenstellen will, legt die Expertin deswegen ein Haushaltsbuch nahe.

"Das Haushaltsbuch ist wie ein Spiegel von uns selbst", sagt Turreck, die dem Berufsverband DHB Netzwerk Haushalt Sachsen vorsitzt. Es gibt Auskunft über Konsumverhalten, Vorlieben, Stärken und Schwächen. Und es gibt Hinweise dazu, wie sich Ausgaben optimieren lassen.

Die Expertin räumt ein, dass der Anfang Überwindung kostet: "Es ist wie beim Gang auf die Waage, wenn ich ahne, dass ich ein paar Kilo zu viel habe. Hinterher weiß ich, dass ich mein Verhalten ändern sollte."

Der erste Schritt: die Ausgaben notieren

In Unternehmen ist Buchführung eine Selbstverständlichkeit. In Zeiten von Corona entdecken sie aber auch Privathaushalte wieder. Wegen Kurzarbeit und der Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, sei das bis vor Kurzem verpönte Maßhalten wieder angesagt. "Gerade bei knappen Kassen ist es wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen. Alleine das Beobachten führt dazu, bewusster mit Geld umzugehen", sagt Annabel Oelmann, Leiterin der Verbraucherzentrale Bremen.

Um einen Überblick zu bekommen, schreiben Verbraucher zunächst sämtliche Kosten auf – etwa Ausgaben für Lebensmittel, neue T-Shirts, für Restaurantbesuche, Kosmetika, Urlaube und jeden Kaffee zum Mitnehmen. Um nichts zu vergessen, sollte man alle Kassenzettel aufbewahren. Fixkosten wie Miete, Strom, Versicherungen und Ratenzahlungen lassen sich anhand von Kontoauszügen dokumentieren.

Der zweite Schritt: die Einnahmen erfassen

Den Ausgaben stehen die Einnahmen gegenüber. Dazu gehören neben dem Gehalt auch Kinder-, Eltern- und Wohngeld sowie Geldgeschenke. Fürs erste genügt es, beides in zwei Spalten einzutragen. Ein einfaches Blatt oder Heft reichen. "Durch das handschriftliche Erfassen bekommt man einen direkten Bezug zu den Zahlen. Und man kann das Buch individuell gestalten", sagt Oelmann.

Vorgefertigte Haushaltsbücher aus dem Handel und Internet geben dagegen oft Rubriken vor – sortiert nach Freizeit, Gesundheit oder Haushalt. Zusätzlich können Nutzer die Zahlungsweise angeben. Dies lässt Rückschlüsse zu, ob per Karte bezahlte oder online getätigte Spontankäufe größere Löcher in die Kasse reißen als Bareinkäufe.

Der dritte Schritt: regelmäßig Bilanz ziehen

Am Monatsende wird alles zusammengerechnet und Bilanz gezogen. Wie oft jemand Einzelposten ins Haushaltsbuch einträgt, entscheidet jeder selbst. Oelmann und Turreck empfehlen, sich dafür etwa einmal im Monat Zeit zu nehmen. So bleibt der Aufwand begrenzt. "Je simpler, desto besser", sagt Oelmann. Das motiviere, dranzubleiben.

Tipps zur Erfassung: Excel-Tabellen oder Apps

Strukturieren, dokumentieren, bilanzieren: Das funktioniert auch mit Hilfe von individuell erstellten Excel-Tabellen. So können Nutzer Rubriken anpassen und einfacher vergleichen, in welchen Monaten etwa Ausgaben steigen oder Einnahmen sinken. Wem eine Analyse in Eigenregie zu mühsam ist, der nutzt digitale Helfer. Banken und Sparkassen bieten Finanzanalysen für online geführte Konten an.

Zudem gibt es Haushaltsbücher als Apps. "Sie eignen sich für alle, die schnell und zwischendurch ihre Ausgaben erfassen wollen. Sie sparen Zeit", sagt Geldcoach Dani Parthim aus Hamburg. Die Apps analysieren das Ausgabeverhalten, erstellen dazu Diagramme und machen so Zusammenhänge sichtbar. "Auch auf diese Weise lassen sich Einsparpotenziale erkennen", so Oelmann.

Apps haben zwei Knackpunkte: Erstens die üppige Programmierung und zweitens den Datenschutz. Parthim erfasst deshalb nur variable Ausgaben in der App, die Fixkosten stehen in der Exceldatei. Die Daten überträgt sie nach einiger Zeit vom Handy auf den Rechner und löscht sie dann vom Mobiltelefon. Außerdem verzichtet sie auf Cloud-Anwendungen. Auch Oelmann rät dazu, auf den Datenschutz zu achten. Gut seien Apps, wenn diese aus den gewonnenen Erkenntnissen nützliche Hinweise ableiten – etwa wie Sie Geldfressern beikommen. Vom Haushaltsbuch, egal ob analog oder digital, profitiere auch der Familienfrieden: "Für Klarheit und Transparenz zu sorgen, entzieht jedem Streit um Geld die Grundlage."

Elf Tipps, um den Geldbeutel zu schonen

Medikamente: Verschreibt der Arzt ein Medikament, bezahlt es die Krankenkasse – allerdings nicht komplett. In der Regel müssen gesetzlich Versicherte eine Zuzahlung in Höhe von fünf bis zehn Euro leisten. Das geht auf Dauer ins Geld. Patienten können sich aber von der Zuzahlung befreien lassen.

Voraussetzung ist, dass die Summe aller Zuzahlungen in einem Jahr die Belastungsgrenze überschreitet. Die Grenze wird jeweils individuell berechnet und liegt bei zwei Prozent des Haushaltsbruttoeinkommen. Wird jemand von der Krankenkasse als chronisch krank eingestuft, etwa weil er fortlaufend Medikamente braucht, sind es nur ein Prozent.

Tanken: Wer als Autofahrer zwischen 18 und 22 Uhr tankt, profitiert meist von den günstigsten Preisen. So teilt es der ADAC mit. Die Preise an der Zapfsäule können sich im Tagesverlauf mehrfach ändern. Neben abends gebe es weitere kürzere Zeitfenster mit günstigen Preisen, die sich über den Tag verteilen. Am tiefsten in die Tasche greifen müssen Tankende zwischen 5 und 8 Uhr morgens.

Besonders viel sparen demnach Benziner: Zwischen der teuersten Zeit morgens um 7 Uhr und dem billigsten Zeitraum zwischen 20 und 22 Uhr beträgt die Differenz rund elf Cent pro Liter. Bezogen auf eine 50-Liter-Füllung schlägt das mit einer Ersparnis von 5,50 Euro zu Buche. Dieselfahrer sparen nur zehn Cent pro Liter, wenn sie richtig tanken.

Verbraucherzentrale rät: "Wer weniger und gezielt einkauft, spart Geld"

Wasser: Die Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt den Einsatz eines Sparduschkopfes: "20 Euro investieren, Warmwasserverbrauch fast halbieren", rechnen die Experten auf ihrer Internetseite vor. "Gerade bei Durchlauferhitzern in Mehrpersonenhaushalten kann sich das durchaus dreistellig im Geldbeutel bemerkbar machen, und zwar jedes Jahr."

Einkaufen: Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein rät hier Folgendes: "Wer weniger und gezielt einkauft, vermeidet Lebensmittelverschwendung und spart Geld." Was nach der Mahlzeit übrigbleibt, lasse sich einfrieren oder mit einem Reste-Rezept verarbeiten. Zum Beispiel: Brotreste als Salat-Croûtons.

Kosmetik: Manche Kosmetikprodukte haben mehr als ein Einsatzgebiet – hier lässt sich beim Einkauf also sparen. So kann man statt einem teuren Stylingprodukt gegen fliegende Haare auch einfach Hautöl nutzen, rät die "Apotheken Umschau". Etwas von dem Pflegeöl in der feuchten Hand verreiben und auf die Haarspitzen streichen. Noch ein Tipp: Duschgel ist eine oft günstigere Alternative zum Rasierschaum.

Versicherungen: Welche Versicherung brauche ich überhaupt? Diese Frage sollte man sich laut Verbraucherschützern stellen. Viele Policen seien überflüssig, passten gar nicht für den eigenen Bedarf oder seien schlichtweg zu teuer. Die Verbraucherzentrale rät: "Der Versicherungsschutz sollte nach dem GAU-Prinzip aufgebaut werden, das heißt, der größte anzunehmende Unfall ist in jedem Fall abzusichern." Wichtig sei eine private Haftpflichtversicherung. Weg können Policen, "die keine existenzbedrohenden Schäden versichern". Es lohne sich zudem, verschiedene Anbieter zu vergleichen.

Haushaltsgeräte: So sparen Sie Strom und Geld

Viele sind momentan mehr daheim und verbrauchen dadurch mehr Strom als sonst. Tipps zum Sparen:

Kaffeemaschine: Sie sollte man direkt nach dem Brühen abschalten, rät die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Um den Kaffee warm zu halten, muss die Maschine nämlich im Stand-by-Modus bleiben, und das verbraucht viel Strom. Also besser die Maschine abschalten und den Kaffee in einer Thermoskanne warm halten.

Geschirrspüler: Ihn sollte man voll beladen und im Sparprogramm laufenlassen. Auch wenn dieses Programm meist länger läuft, verbraucht es bis zu 30 Prozent weniger Strom.

Waschmaschine: Den höchsten Stromverbrauch haben Waschmaschinen beim Aufheizen des Wassers. Auf niedriger Temperatur zu waschen, schont deswegen nicht nur die Kleidungsstücke, sondern verbraucht nach Angaben von Christine Maginot-Rohde von der Branchen-Initiative Hausgeräte+ auch weniger Energie. Ist die Wäsche nicht stark beschmutzt, reicht in der Regel eine 30-Grad-Wäsche aus.

Kühlschrank: Sieben Grad Innentemperatur reichen für einen Kühlschrank gut aus. Bei alten Geräten ohne Temperaturanzeige sollte man im vorderen Bereich des obersten Fachs nachmessen und gegebenenfalls nachregulieren. Dazu raten die Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien. Denn wird die Temperatur des Kühlschranks – oder auch eines Gefriergeräts – um zwei Grad höher gestellt, sinkt der Stromverbrauch um rund zehn Prozent.

Backofen: Man kann ihn schon bis zu 15 Minuten vor dem Ende der Ofenzeit herunter- oder ausschalten, wenn ein Gericht länger als 40 Minuten drin ist. So wird die Nachwärme genutzt.

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