Erst Quizfragen, dann "Mario Kart" Hier zocken die OB-Kandidaten

Dieter Reiter und Sabine Nallinger beim virtuellen Autorennen in der Freiheizhalle. Foto: Petra Schramek

Münchner Jugendliche haben Dieter Reiter, Josef Schmid, Sabine Nallinger und Michael Mattar einem „OB-Check“ unterzogen.

 

München - Was ist ein „Selfie“? Und wo geht man nachts um drei hin, wenn einen der Hunger überkommt? Vier OB-Kandidaten haben am Freitagabend bei einer unterhaltsamen Veranstaltung des Kreisjugendrings gezeigt, wie nah sie an der Münchner Jugend dran sind. Oder wie weit weg von ihr.

Bei Quiz-Fragen und an der Spielkonsole konnten sie sich das erobern, was für Politiker eine harte Währung ist: Redezeit für ihr Schluss-Statement.

Die härteste Herausforderung beim OB-Check war vielleicht schon die erste Runde: Dabei sollten sich die OB-Bewerber von SPD, CSU, Grünen und FDP gegenseitig vorstellen und erklären, warum der andere ein guter OB wäre (siehe unten). Die Männer lösten das Ganze recht charmant. Nur Grünen-Frau Sabine Nallinger tat sich anfangs etwas schwer, nette Worte für CSU-Mann Josef Schmid zu finden. Am Schluss einer verschwurbelten Einlassung attestierte sie ihm aber, „ein sehr angenehmer Kollege“ zu sein – trotz seiner Parteizugehörigkeit.

Dann ging’s ans Punkte-Sammeln – für mehr Redezeit. Beim ersten Spiel sollten sich die OB-Bewerber erinnern, welche Hits die Charts anführten, als sie 18. Geburtstag feierten. Je drei Songs gab’s zur Auswahl. Ergebnis: Genosse Dieter Reiter wurde damals, im Mai 1976, mit Abba’s „Fernando“ beschallt. Alle vier tippten richtig. Spick-Alarm!

Ob Seppi Schmid in seiner Jugend zu „Voyage, Voyage“ abtanzte, ist nicht überliefert. Fakt ist: Nur FDP-Mann Michael Mattar identifizierte den Song als Chartstürmer vom September 1987.

Deutlich mehr Peinlichkeits-Potenzial bot das zweite Spiel: Bei dem galt es, Quiz-Fragen zu beantworten – zu Ausdrücken und Gewohnheiten der Jugendlichen. „Ich blamier’ mich total vor meinen Töchtern“, fürchtete Sabine Nallinger, Mutter einer 13- und 16-Jährigen.

Den ersten Lacher erntete Mattar, als er zugab, keine Ahnung zu haben, was ein „Selfie“ ist, gleichzeitig aber feststellte, „dass es kein Selbstbefriediger ist“. So weit, so richtig. Trotzdem null Punkte.

Nallinger und Reiter waren dagegen im Bilde und erklärten: Es handelt sich um ein Foto, das man von sich selbst gemacht hat – meist per Handy.

Dass man beim „Bergwolf“ nachts noch eine Currywurst kriegt, wussten die Kandidaten von Rot, Grün und Gelb – wobei der Laden für Mattar „nicht Werwolf, aber irgendwas mit Wolf“ hieß. Seppi Schmid verwies bei nächtlichen Hungerattacken auf einen „angesagten Kiosk“.

Kein Ruhmesblatt waren die Schätzungen dazu, was Schülerin Hanna für ihre MVV-Monatskarten berappen muss – zweiter bis fünfter Ring plus Innenraum. Die tatsächlichen Kosten: 66,90 Euro. Mattar und Reiter kamen dem noch am nächsten, mit geschätzten 45 Euro. Nallinger schlug 37 Euro vor. Und Schmid zeigte mit seinem 20-Euro-Tipp, dass er keinen blassen Schimmer hat. Hannas trockener Kommentar: „Ihr müsst mehr MVV fahren.“

Gut, dass es für den Job als Politiker völlig unerheblich ist, ob man Fingerfertigkeit an der Spielekonsole mitbringt. Denn wie alle vier beim Videospiel „Mario Kart“ zeigten: Dann müssten sie umschulen.

Am Ende führte nach Punkten Reiter, was ihm vier Minuten Redezeit einbrachte – die er aber gar nicht ausschöpfte. Mattar musste sich als Letzter mit einer Minute begnügen.

Der Abend stand nicht nur im Zeichen von Quiz und Spiel. Die Moderatoren Carmen Wegge (24) und Benedict Lang (18) wollten von den OB-Bewerbern wissen, wie mehr Freiraum für Jugendliche geschaffen werden kann, wann sie zuletzt auf einer Schultoilette waren und wo die Schüler denn hin sollen, wenn Schulgebäude nachmittags zugesperrt werden.

Wer hat die Jugendlichen mit seinen Antworten am meisten überzeugt? Stephanie (20) meint: „Dieter Reiter, die anderen waren teilweise ein bisserl gekünstelt.“ Auch Marlene (15) mochte den SPDler. Nicht viel anfangen konnte sie dagegen mit Mattar: „Er kommt mir vor wie vom älteren Schlag.“ Anzugträger Paul (17) fand Josef Schmid am besten, weil er „ein ziemlich offener Kandidat ist“. Und Franka (17) attestiert Sabine Nallinger, sich als Mutter „ziemlich gut reinversetzen“ zu können.

Hier lesen Sie, was die OB-Kandidaten an ihren Mitbewerbern schätzen - eine Kuschelrunde.

Herr Reiter, warum wäre Michael Mattar ein guter OB?

DIETER REITER: „Er zeichnet sich dadurch aus, dass er kurz und prägnant formulieren kann. Dass man ihn versteht, akzentfrei – nicht mit so bajuwarischem Slang wie ich. Er wäre sicher ein guter OB, weil er Thema Wirtschaft wichtig nimmt.“

Herr Mattar, warum wäre Sabine Nallinger eine gute OB?

MICHAEL MATTAR: „Weil sie eine Frau ist und von daher mal eine Abwechslung in München bringen würde. Sie hat ja Stadtplanung studiert und kennt also auch diese wichtigen Themen, die uns berühren – und ich glaube, das würde uns nach vorne bringen.“

Frau Nallinger, warum wäre Josef Schmid ein guter OB?

SABINE NALLINGER: „Der Seppi Schmid hat ja schon mal einen ganz, ganz schicken Bus, mit dem er durch die Stadt gefahren ist – auf den kann man wirklich richtig neidig werden auf den Bus, weil der ist nicht nur schick, weil er so alt ist, sondern der ist auch noch gasbetrieben – also wirklich ein Vorbildfahrzeug sozusagen. Und dann gibt’s aber auch andere Gründe, warum man auf ihn neidig sein kann. Besonders fällt mir beim Seppi Schmid auf, dass er gerne Tunnel buddelt. Dass er die ganze Stadt unterbuddeln möchte, da ganz große Pläne hat. Nicht nur für U-Bahnen sondern auch die Autos. Irgendwann muss er uns erzählen, wie er das alles finanzieren will – aber so wichtige Themen müssen wir ja heute Abend nicht behandeln. Nein, aber warum sollen wir ihn wählen? Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich bin kein großer Fan der CSU – aber für die CSU ist der Seppi Schmid in der Tat ein sehr angenehmer Kollege.“

Herr Schmid, warum wäre Dieter Reiter ein guter OB?

JOSEF SCHMID: „Dieter Reiter wäre deswegen ein guter OB, weil es sogar mir gelungen ist, gemeinsam mit meiner Frau einen Abend mit ihm an einem Tisch mit seiner Frau zu verbringen – da hat uns nämlich ein ganz gewiefter Veranstalter einfach an einen Tisch gesetzt und wir durften den Abend zusammen sein. Und ich muss sagen: Gerade im Vergleich zum bisherigen OB, wo wir ähnliche Situationen auch hatten, war's mit Dieter Reiter und seiner Frau richtig nett.“

 

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