Ernährung und Umwelt Nachhaltiges Einkaufen: Die Macht der Verbraucher

Nachhaltigkeit in Handel, Ernährung und Zusammenleben entscheidet über unsere Zukunft. Foto: Fotalia.com © Daniel Ernst ( #64665848)

Was wir essen und trinken, welche Kleidung wir tragen, ob wir unsere Wege zu Fuß oder mit dem Auto zurücklegen – unsere Konsumentscheidungen zeigen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

 

München - Es liegt an der eigenen Entscheidung, in welche Richtung wir unsere Zukunft mitgestalten.

1. Was ist Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit wird von einigen als Lebensphilosophie betrachtet. Doch Nachhaltigkeit ist viel weitreichender. Sie ist die notwendige Grundlage, um auch zukünftig auf die Ressourcen unseres Planeten zugreifen zu können.

a. Der Begriff der Nachhaltigkeit

i. Der Ursprung des Begriffs
Ursprünglich stammt der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft. Geprägt wurde er von Hans-Karl Carlowitz, der im Jahre 1713 in seinem Buch „Silvicultura oeconomica“ schrieb: „Schlage nur so viel Holz, wie der Wald verkraften kann. So viel Holz, wie nachwachsen kann.“ Dieser Satz gilt als einer der ersten überlieferten Prinzipien der Ökonomie.


 Der Begriff der Nachhaltigkeit hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. Foto: Fotalia.com © Gebi (#47446945)

ii. Das Grundprinzip
Dieses Grundprinzip aus der Forstwirtschaft, nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen, als nachwachsen können, wurde als Grundprinzip auf alle anderen Landwirtschaftsbereiche übertragen. Dadurch soll das Gleichgewicht der natürlichen Lebenskreisläufe erhalten bleiben und auch nachfolgende Generationen noch in einer intakten Umwelt aufwachsen und leben können. In der Weiterentwicklung des Begriffs der Nachhaltigkeit, wurde das Drei-Säulen-Modell entwickelt, bei dem zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekt differenziert wird.

b. Das Drei-Säulen-Modell


i. Ökologische Nachhaltigkeit
Die ökologische Nachhaltigkeit betrachtet alle natürlichen und erneuerbaren Ressourcen. Es sollen verantwortungsbewusst nur so viele Ressourcen verwendet werden, wie sie auch wieder nachproduziert werden können. Dadurch sollen die verschiedenen Ökosysteme so lange wie möglich erhalten bleiben. Ziel ist es, den Verbrauch von Ressourcen, die nicht nachwachsen oder nachproduziert werden können, stark einzuschränken.

Auch wenn im Drei-Säulen-Modell die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit gleich gewichtet dargestellt werden, gibt es Kritiker, die bemängeln, dass die ökologische Nachhaltigkeit schwerer zu gewichten sei. Die ökologische Nachhaltigkeit schützt die natürlichen Ökosysteme, die für das Leben und Überleben notwendig und daher Grundvoraussetzung für ökonomische und soziale Stabilität sind. Im Folgenden ist daher bei dem verwendeten Begriff der Nachhaltigkeit überwiegend die ökologische Nachhaltigkeit gemeint.

ii. Ökonomische Nachhaltigkeit
Die ökonomische Nachhaltigkeit betrachtet die wirtschaftlichen Aspekte. Es sollen möglichst dauerhafte Erträge erwirtschaftet werden, indem mit natürlichen Ressourcen sparsam und effizient umgegangen wird. Eine Ökonomie, die auf reine, kurzfristige Ertragssteigerung und Gewinnmaximierung fokussiert ist, ist nicht nachhaltig. Um ökonomische Nachhaltigkeit zu gewährleisten, müssen eine umweltverträglichere Produktion und eine verantwortungsbewusste Unternehmerschaft vorhanden sein.

iii. Soziale Nachhaltigkeit
Die soziale Nachhaltigkeit befasst sich mit der Auswirkung auf das Individuum. Durch soziale Nachhaltigkeit soll es dem Individuum möglich sein, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, um der Armut vorzubeugen. Der Schutz der Gesundheit, durch Zugang zu sauberem Wasser und Nahrungsmitteln, sowie einem gesundheitsfreundlichem Arbeitsumfeld ist zu gewährleisten. Dazu zählen auch der Zugang zu Bildung und die Möglichkeit zur Familienplanung.

Das Wirtschaften erfolgt hier ohne eine Ausbeutung des Individuums. Eine menschenwürdige Existenz, Chancengleichheit und die Möglichkeit zur Partizipation in der Gesellschaft und dem Unternehmen sind gegeben.

2. Warum ist nachhaltiges Einkaufen sinnvoll?

Die Ressourcen auf unserem Planeten sind nicht unendlich. Jeder trägt mit seinem Verhalten ein Stück Verantwortung für sich und die Zukunft. Doch wer macht sich Gedanken, welche Folgen unser Konsum für andere, und damit letztendlich auch für uns hat? Gerade im Bereich der Lebensmittel, die für uns existentiell sind, ist der Nachhaltigkeitsgedanke angebracht. Wird dieser Gedanke einfach ausgeblendet, führt das langfristig zu einer ökologischen Katastrophe.


 Nachhaltigkeit bedeutet, dass es auch in Zukunft noch Zugang zu schadstofffreien Nahrungsmitteln geben wird. Foto: Fotalia.com © BillionPhotos.com (#105972043)

a. Folgen des unbedachten Lebensmittelkonsums

i. Leere Meere durch Überfischung
Der größte Teil unseres Planeten wird von Wasser bedeckt. Alle Meere, Flüsse und Seen ergeben zusammen knapp 70% der gesamten Oberfläche. Ein Großteil der Weltbevölkerung ist auf Fisch als Nahrung angewiesen. Umso ernüchternder ist die Tatsache, dass die Meere größtenteils schon überfischt sind. Laut WWF gelten 30 Prozent der genutzten Fischbestände bereits als überfischt. Große Fangflotten fischen die Meere leer und geben den Einheimischen vor Ort, mit ihren kleinen Fischerbooten, kaum eine Chance.

Aber auch unser Appetit auf Fisch hier in Europa sorgt für eine weltweite Überfischung. Da in Europa mittlerweile jeder zweite Fischbestand gefährdet ist, stammt hier ein Drittel des konsumierten Fischs aus nicht-europäischen Fanggebieten. Einige Fischarten wie beispielsweise der Kabeljau oder Blauflossenthunfisch gelten bereits als gefährdet. Vor Kanadas Ostküste wurden die Fischbestände an Kabeljau durch Überfischung bereits endgültig zerstört.


 Weltweit werden jährlich über 100 Millionen Tonnen Fisch aus den Meeren gefangen, davon 3 Millionen aus Ost- und Nordsee.Fotalia.com © Lukas Gojda (#101666615)

ii. Massentierhaltung – welche Probleme sie für Mensch und Umwelt birgt
Für die Massentierhaltung werden große Weideflächen benötigt. Immer mehr tropische Regenwälder werden abgeholzt, um genügend Fläche für Futtermittelanbau zu erhalten. Entstehende Gülle-Abfälle gelangen in Boden und Gewässer. Der Nitratgehalt im Grundwasser steigt an, dabei gilt Nitrat als krebserregend. Zusätzlich werden Böden und Gewässer durch den hohen Stickstoffgehalt überdüngt. Einige Pflanzenarten sterben, da sie den hohen Stickstoffanteil nicht vertragen und manche Gewässer drohen durch die Eutrophierung umzukippen.

Negative Auswirkungen gibt es vor allem dort, wo die Umgebung zu einer erschwerten Massentierhaltung führt. So ist beispielsweise die weltweit größte Kuh-Farm in Saudi-Arabien beheimatet. 50.000 Milchkühe werden in großen Ställen, mitten in der Wüste, gehalten. Um die heißen Temperaturen bei 40 °C zu überleben, werden sie zur Kühlung ständig mit Wasser besprüht. Zusätzlich wird jede Menge Wasser benötigt, um das Futtergras in der Wüste hochziehen zu können. Umgerechnet auf einen Liter produzierte Milch, werden so 3500 Liter Wasser verbraucht. – Und dies in einer Region, die ohnehin schon über wenig Wasser verfügt. Die Brunnen, aus denen Wasser gefördert wird erreichen mittlerweile eine Tiefe von 2000 Metern. Schätzungen gehen davon aus, dass es bei gleichbleibender Verwendung in ca. 20 Jahren keine Wasservorräte mehr in Saudi-Arabien geben wird.


 Typischerweise werden in modernen Anlagen Kühe im Melkstand fixiert. Foto: Fotalia.com © countrypixel (#75233421)

Aber auch die Fleischproduktion in der Massentierhaltung birgt Risiken. Bei der Fleischproduktion wird hier auf eine möglichst hohe Produktion in kurzer Zeit gesetzt. Die Tiere werden auf möglichst engem Raum gehalten. Zur Vermeidung von Verletzungen werden Ferkeln Ringelschwänze kupiert und die Zähne gekürzt, Hühnern werden die Schnabelspitzen und Rindern die Hörner entfernt. Durch den Stress, der ständigen Enge, kommt es schnell zu Erkrankungen. Standardmäßig werden große Mengen Antibiotika eingesetzt. Die Entstehung von antibiotikaresistenter Keime durch den hohen Einsatz an Antibiotika, gefährdet letztendlich die Gesundheit von Menschen. Bereits jetzt sterben jährlich 20.000 Menschen in Deutschland an Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen.

iii. Monokulturen – die Zerstörung von Ackerböden
In der industriellen Agrarwirtschaft werden heutzutage große Flächen genutzt, um nur eine Sorte Nutzpflanzen anzubauen. Während früher die angebauten Pflanzen gewechselt wurden, werden jetzt oftmals für mehrere Jahre immer dieselben Pflanzen aufs Feld gebracht. Dies wirkt sich oftmals nachteilig auf die Ackerfläche aus, da ihr immer dieselben Nährstoffe entzogen werden und eine einseitige Nährstoffverarmung auftritt. Um dennoch eine gute Ernte zu erhalten wird der Boden regelmäßig gedüngt, wodurch gleichzeitig wieder ein vermehrter Austrag an Nährstoffen ins Grundwasser gelangt.

Die hohe Pflanzendichte ein und derselben Art begünstigt zudem, dass sich Pflanzenschädlinge besser vermehren und ausbreiten können. Um Ernteausfälle durch Schädlinge zu verhindern, kommt es zu einem vermehrten Benutzen von Fungiziden und Pestiziden. Für ein einfacheres und besseres Ernteergebnis werden außerdem Herbizide versprüht, um das Wachsen von anderen Pflanzen, bzw. Unkräutern zu unterbinden. Diese Stoffe reichern sich in den Pflanzen an und werden mit der Nahrung aufgenommen. Ein Großteil der Stoffe gelangt aber auch hier wieder in die Böden und ins Grundwasser.


 Laut Umweltbundesamt werden alleine in Deutschland jährlich circa 40.000 bis 43.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel auf die Felder aufgebracht. Foto: Fotalia.com © Dusan Kostic (#84324687)

Durch das Fehlen von Hecken und Baumreihen ist in vielen Monokulturen zudem die Gefahr von Bodenerosionen erhöht. Meistens erfolgt diese durch abfließenden Regen oder durch Wind. Dadurch wird der nährstoffreiche Mutterboden abgetragen und die Ackerflächen werden auf Dauer unfruchtbar.

b. Folgen durch Verpackung von Lebensmitteln

i. Wie Weichmacher in unser Essen gelangen
Ein Blick ins Kühlregal der Supermärkte zeigt, wie viele unserer Lebensmittel in Plastik eingeschweißt sind. Der Trend geht dazu über auch Lebensmittel einzuschweißen, die von sich aus eine Schale mitbringen und die dies eigentlich gar nicht benötigen würden, wie beispielsweise bei Schlangengurken oder hartgekochten Eiern. Damit die Plastikfolie weich bleibt sind verschiedene Weichmacher enthalten. Einige davon stehen in Verdacht negative Auswirkung auf die Gesundheit zu haben. Im Schlimmsten Falle können die Weichmacher schon während des Herstellungsprozesses ins Essen gelangen.

ii. Wieviel des Verpackungsmülls landet im Meer?
Ein weiterer Nachteil von den vielen Plastikverpackungen ist die oftmals nicht fachgerechte Entsorgung. Wird der Verpackungsmüll wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt, können aus dem erhaltenen Rohstoff wieder Verpackungen oder andere Produkte hergestellt werden.

Oft landet ein Großteil der Verpackungen aber nicht in den dafür vorgesehenen Abfallbehälter, sondern in der Natur. Über Bäche und Flüsse und auch Strände gelangt er ins Meer. Nach der Aussage des Verbands Deutscher Sporttaucher gelangen jedes Jahr mehr als 6,4 Millionen Tonnen an Müll in die Meere, davon sind 75 Prozent Plastikmüll. Im Pazifik wird die Menge an Plankton durch den Plastikmüll bereits teilweise um das Sechsfache überstiegen.

3. Worauf ist beim nachhaltigen Einkauf zu achten?

Nachhaltig Einkaufen beinhaltet als ersten Schritt ein Bewusstsein für den eigenen Konsum zu entwickeln. „Weniger wegwerfen - mehr aufbrauchen“ sollte die eigene Leitlinie sein. Zuerst der Blick in den eigenen Kühlschrank, welche Nahrungsmittel noch vorhanden sind und aufgebraucht werden müssen. Als zweiter Schritt gilt, beim Lebensmittelkauf drauf zu achten, welche Produkte Nachhaltigkeit fördern. Welchen Produktionshintergrund haben die Produkte? Wo und unter welchen Bedingungen wurden sie hergestellt? Eine Orientierung dabei, bieten verschiedene Zertifikate.

a. Lebensmittel und Zertifikate

i. Nachhaltiger Fischfang
Auch der Lebensmitteleinzelhandel hat die Zeichen der Zeit erkannt und setzt vermehrt auf Nachhaltigkeit. Anhand von internen und externen Siegeln erkennt der Konsument, welche Produkte unter ökologischen Aspekten hergestellt werden. Für Fisch und Meeresfrüchte gibt es das Zertifikat des Marine Stewardship Councils. Dieses Zertifikat erhalten Fischereien nur dann, wenn sie einen ausreichend großen Fischbestand, minimale Einflüsse auf das Ökosystem und ein wirkungsvolles Fischereimanagement nachweisen können. Es handelt sich hierbei um das weltweit bekannteste Zertifizierungs-und Kennzeichnungsprogramm.

Im Handel ist das MSC-Siegel bereits bei Eigenmarken-Fischprodukte präsent und stellenweise wird schon geplant, den Anteil an Fischprodukten aus nachhaltigem Fang in Zukunft noch weiter auszubauen. Sie gehen sogar so weit und erstellen Orientierungslisten, die auf Referenzbewertungen von
• Greenpeace e.V. (Deutschland)
• Monterey Bay Aquarium mit Seafood Watch (USA)
• Fishsource des Sustainable Fisheries Partnership (Indonesien und USA) und
'• WWF e.V. (Deutschland)
basieren, um Fischarten und Bestände zu ermitteln, die guten Gewissens, als nachhaltiger Wildfisch bezeichnet werden können.

Den Händlern ist bewusst, dass der Raubbau in der Fischerei dringend unterbunden werden muss, um zu gewährleisten, dass auch zukünftig noch Fischprodukte angeboten werden können. Verbraucher sollten sich daher für Produkte aus diesem Bereich entscheiden, um den Trend in mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen.

ii. Mehr Platz für Hühner und Schweine
Nach zertifizierten Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes wurde 2013 das Label „Für mehr Tierschutz“ eingeführt. Mit einem Stern, in der Einstiegsstufe, garantiert es unter anderem es ein höheres Platzangebot für die Tiere, langsam wachsende Zuchtlinien und das Vorhandensein von Beschäftigungsmaterial. Mit zwei Sternen, in der Premiumstufe, garantiert es unter anderem ein doppelt so hohes Platzangebot, wie gesetzlich vorgeschrieben, ebenfalls Beschäftigungsmöglichkeiten und eine Auslauffläche nach Draußen. Zusätzlich ist das Kupieren des Schnabels in beiden Stufen verboten.

Die Vorteile des Siegels sollten bessere Lebensbedingungen für Tiere und ein günstigerer Fleischpreis, im Vergleich zu richtigem Bio-Fleisch, sein. Allerdings konnte sich das Label bisher nur schlecht durchsetzen. Laut diesem Artikel der TAZ nehmen immer weniger Mastbetriebe an dem Label teil. Kritisiert werden der hohe Preis des Fleisches und das Fehlen einer großen Vermarktungskampagne.


 Bei dem Label „Für mehr Tierschutz“ wird aus Kostengründen auf den Einstreu von Heu verzichtet. Dafür gilt hier 45 Prozent mehr Platz, und bei der „Initiative Tierwohl „ 10 Prozent mehr Platz, als gesetzlich vorgeschrieben. Foto: Fotalia.com © ead72 (#101333792)

Eine weitere Initiative für einen stärkeren Tierschutz wurde im Jahr 2015 gestartet. Die „Initiative Tierwohl“, die in erster Linie von teilnehmenden Lebensmitteleinzelhändlern unterstützt wird. Es werden pro verkauftem Kilogramm Fleisch 4 Cent an die Initiative abgegeben und fließen in Betriebe ein, die in ihren Betrieben Maßnahmen zu einer verbesserten Tierhaltung umsetzen. Es handelt sich so um eine indirekte Förderung von Nachhaltigkeit, da nicht unbedingt das verkaufte Fleisch selber aus solch einem Betrieb stammen muss. Auch hier bleibt abzuwarten, ob es sich durchsetzt. Der Andrang von Bauern, die teilnehmen wollen ist hoch. Wer die Initiative unterstützen will, als einen Schritt weg von der bisherigen Massentierhaltung, sollte beim Kauf darauf achten, in welchen Läden die Initiative mitgetragen wird. Wer jedoch gezielt Fleisch haben möchte, das auf hohem Tierschutzniveau hergestellt wurde, muss gezielt zum Biosiegel greifen.

iii. Biosiegel & Co. – Wo ist wieviel Bio drin?
Als verpflichtendes Biosiegel wurde 2010 das EU-Biosiegel eingeführt. Alle in Europa produzierten Bio-Produkte müssen der EU-Öko-Verordnung entsprechen und das grüne Logo mit den Sternchen, die in Blattform angeordnet sind, aufgedruckt haben. Mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe müssen dabei aus ökologischen Anbau stammen und maximal 0,9 Prozent dürfen gentechnisch verändertes Material enthalten. Zusätzlich müssen der Kontrollstellencode und eine allgemeine Herkunftsangabe der Zutaten vorhanden sein.


 Jedes Siegel, das mit „Bio“ oder „Öko“ wirbt, muss mindestens den Kriterien der EU-Öko-Verordnung entsprechen.

Das EU-Biosiegel hat das Ziel den nachhaltigen, ökologischen Landbau zu fördern. Die Fruchtbarkeit des Bodens muss durch mehrjährige Fruchtfolge und durch den Einsatz von Düngemitteln aus biologischer oder ökologischer Produktion erhalten werden. Mineralische Stickstoffdünger sind nicht erlaubt. Zudem soll zur Vermeidung von Schädlingsbefall durch Schutz von Nützlingen, geeignete Arten- und Sortenwahl und Anbauverfahren erfolgen. Wenn Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden sollen, müssen diese extra für die ökologische Produktion zugelassen sein.

Das europäische Biosiegel ersetzt das deutsche Biosiegel, das bereits 2001 ins Leben gerufen wurde. Bei dem sechseckigen, wabenförmigen Logo, handelte es sich um eine freiwillige Kennzeichnung. Es wird auch heute noch häufig neben dem europäischen Siegel verwendet. Die meisten der anderen verwendeten Biosiegel gehen deutlich über die Mindestanforderung der EU-Richtlinie hinaus. Demeter und Bioland gelten als die beiden Siegel mit dem höchsten Standard.

Demeter ist ein internationales Bio-Label, das sich der biodynamischen Wirtschaftsweise verschrieben hat. Hier wird die Erde als lebender Organismus betrachtet und Pflanzen und Tiere möglichst artgerecht versorgt. Hier müssen ebenfalls mindestens 95 Prozent der Zutaten aus ökologischem und mindestens 90 Prozent aus Demeter-Anbau kommen. Als Futtermittel wird zu 100 Prozent Bio-Futter eingesetzt.

Der Fokus von Bioland liegt darauf, den organisch-biologischen Landbau weiter zu fördern. In den vielen Richtlinien finden sich unter anderem das Einsatzverbot von Herbiziden, das artgerechte Halten von Nutztieren und der Verzicht auf anthropogene Nanomaterialien. Neben der ökologischen Nachhaltigkeit wird bei beiden Betrieben auch auf ökonomische und soziale Nachhaltigkeit Wert gelegt.

iv. Faires Handeln – Die Grundvoraussetzung für den nachhaltigen Einkauf
Viele unserer Lebensmittel, wie Bananen, Kaffee- oder Kakaobohnen, lassen sich wegen des Klimas nicht in unseren Breitengeraden anpflanzen und müssen daher aus weit entfernten Ländern, wie zum Beispiel aus Brasilien, Nigeria oder der Elfenbeinküste importiert werden. Allerdings herrschen in den Ländern vor Ort oftmals andere Arbeitsbedingungen. Die Menschen müssen für weniger Lohn länger arbeiten, Umweltstandards und Arbeitsschutzstandards sind kaum bis gar nicht vorhanden.


 Auch wenn es Stimmen gibt die sagen, dass es unter den Fairtrade-Farmen schwarze Schafe gibt, existieren im Gegenzug auch Aussagen Betroffener, die Positives berichten. Fotalia.com © Kadmy (#97156919)

Glücklicherweise haben sich hier Strukturen etabliert, die Wert auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit legen und diese fördern. Es gibt Importfirmen, die ausschließ Waren von Bauern kaufen, die sich zu Genossenschaften zusammengeschlossen haben und sich den Richtlinien für Fairen Handel unterziehen. Dazu gehört ein Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit und eine faire Vergütung, von der die Leute vor Ort Leben können. Eine der bekanntesten Importfirmen ist GEPA, die generell nur Produkte aus fairem Handel vertreibt. Die meisten Produkte aus Fairem Handel werden durch das Fairtrade-Siegel kenntlich gemacht. Auch hier ist durch gezieltes Konsumverhalten eine bewusste Einflussnahme durch den Verbraucher möglich.

b. Die Verpackungen unserer Lebensmittel

i. Das Einschweißen von Lebensmitteln ist oft überflüssig
In vielen Fällen schützt eine Plastikverpackung Lebensmittel vor Verunreinigung, Verhindert ein Austrocknen oder ermöglicht erst den Transport. Doch einige der Lebensmittel bringen von Natur aus eine eigene Hülle mit, die ein zusätzliches Einschweißen überflüssig macht. So kommen frisches Obst und Gemüse sehr gut ohne zusätzliche Verpackung aus. Wer im Sinne der Nachhaltigkeit einkauft, sollte genau prüfen, bei welchen Lebensmitteln eine Plastikverpackung wirklich notwendig ist. Oftmals besteht auch die Möglichkeit an Frischetheken oder an Marktständen eingeschweißte Waren zu vermeiden. In einigen Städten gibt es auch „Unverpackt-Läden“, in denen die Ware in selbst mitgebrachte Gefäße umgefüllt wird.


 Der Klassiker im Ladenregal: Die eingeschweißte Gemüsegurke. Foto: Fotalia.com © tomass2015 (#96342003)

ii. Der zertifizierte Karton – Was steckt dahinter?
Der Gedanke des Forest Stewardship Council (FSC), der mittlerweile als Label die meisten Kartons in den Geschäften ziert, ist es, eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder zu gewährleisten. Verschiedene Zertifizierungsstellen überprüfen die Waldbestände und Forstbetriebe auf die Einhaltung der Kriterien von FSC. Es soll so gerade in den tropischen Regenwäldern eine massenweise Abholzung durch Rodung verhindert werden.

iii. Auf Plastikbeutel verzichten schont die Umwelt
Der weltweit wachsende Müllberg an Plastik hat mittlerweile sogar das EU-Parlament veranlasst, eine Verordnung zu verfassen, die den Verbrauch an Plastiktüten in den nächsten 10 Jahren um mehr als die Hälfte eindämmen soll. Aktuell liegt der Verbrauch an Plastiktüten im Schnitt bei jährlich 200 Stück pro EU-Bürger. Deutschland liegt mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von jährlich 71 Stück im Mittelfeld.

Auf nationaler Ebene wurde dazu eine freiwillige Vereinbarung zwischen Bundesumweltministerium und dem Handelsverband geschlossen, dass die Handelsunternehmen, spätestens ab dem 1. Juli 2016, eine Gebühr für die Plastiktüten verlangen sollen. Sollte die freiwillige Vereinbarung nicht zu genüge umgesetzt werden, ist in 2018 mit einem verpflichtenden Gesetz zu rechnen. Sehr leichte Tragetaschen, wie sie zum Abwiegen von Obst und Gemüse verwendet werden, sollen jedoch ausgenommen sein.

Dass die Verbraucher bereits jetzt vorbildlich agieren, zeigt eine Studie der GVM (Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung). Laut dieser Studie nutzen bereits Dreiviertel aller Deutschen bei ihren Einkäufen eigene Taschen oder wiederverwendete Beutel. Es lohnt sich also auch in Zukunft diesen Trend fortzusetzen und öfter eine eigene Tasche dabei zu haben.

4. Wie stark ist der Verbrauchereinfluss?

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass ein Einfluss des Verbrauchers auf das Angebot in den Geschäften vorhanden ist. So sind aufgrund einer erhöhten Nachfrage an Bio-Produkten in fast allen Läden entsprechende Produkte ins Sortiment aufgenommen worden.

a. Die eigene Motivation ergründen

Vielen fällt es leichter, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen, wenn ihnen bewusst wird, dass sie letztendlich nutzt. Nach Maslows Bedürfnispyramide gibt es verschiedene Motivationsstufen. Je weiter unten in der Pyramide das Bedürfnis angesiedelt ist, desto höher fällt die Motivation aus.

An welcher Stelle das Thema Nachhaltigkeit gesetzt wird ist individuell unterschiedlich. Wird Gesundheit als ein Teil von Sicherheit empfunden, kommt das Thema direkt an zweiter Stelle, da Nachhaltigkeit Voraussetzung für eine intakte Umwelt ist, die wiederum Voraussetzung für gesunde Nahrungsmittel und damit die eigene Gesundheit ist. Jeder kann selbst einen Blick auf die Pyramide werfen und feststellen, aus welcher Motivation heraus er Nachhaltigkeit unterstützen würde und wieviel es ihm Wert ist.

b. Wie groß ist unser Einfluss wirklich?

Je größer die Transparenz über die Herstellungswege und Produktionsweise unserer Lebensmittel, desto gezielter ist eine Einflussnahme durch das eigene Kaufverhalten möglich. Die Transparenz diesbezüglich steigt immer weiter an, was bedeutet, dass der eigene Einfluss größer ist als oftmals vermutet. Je mehr Konsumenten sich beim Einkaufen an Produkten orientieren, die nachhaltig hergestellt wurden, und damit die Nachfrage steigern, desto mehr wird von den Unternehmen und der Industrie in diese Richtung investiert. Gleichzeitig werden die Betriebe gestärkt, die in Nachhaltig investieren und damit auch verantwortungsbewusst und im Sinne unserer Zukunft handeln.

5. Fazit

Ökologische Nachhaltigkeit ist der Grundpfeiler für den Erhalt unserer Ressourcen. Aber nicht nur die Ressourcen selber, sondern auch deren Qualität muss gewährleistet sein. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Lebensmitteln ohne Schadstoffen ist für Mensch und Tier essentiell. Durch eine immer besser werdende Transparenz und gute Informationsmöglichkeiten, kann jeder Verbraucher durch seine Konsumentscheidungen die zukünftige Entwicklung in der Landwirtschaft und der Industrie mitbeeinflussen. Ein entscheidender Punkt ist dabei, dass das Vertrauen in vorhandene Label und Siegel auch weiterhin gestärkt wird. Je stärker die Gewissheit ist, das einem Label vertraut werden kann, desto höher ist die Bereitschaft, durch das eigene Konsumverhalten gezielt Einfluss zu nehmen.

 

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