Erhard Wunderlich Vlados bester Freund

So kennen ihn seine Fans: Erhard Wunderlich beim kraftvollen Sprungwurf. Gegner im olympischen Turnier von 1984 war hier Dänemark. Foto: dpa

Am Mittwoch wird mit Erhard Wunderlich einer der besten deutschen Handballer auf Augsburgs Westfriedhof zu Grabe getragen. Sein langjähriger Trainer Vlado Stenzel hält dabei die Grabrede.

 

Der größte Erfolg in der 107-jährigen Vereinsgeschichte des TSV Milbertshofen wurde in Augsburg gefeiert. Im Mai 1991 holten die Handballer gegen Bidasoa Irun den Europapokal der Pokalsieger. Warum in Augsburg? „Weil wir die Rudi-Sedlmayr-Halle nie voll bekommen hätten“, erzählt Ex-Nationalspieler Frank Löhr. Der Augsburger war natürlich froh, dass das Finale in seiner Heimatstadt stattfand. Mit Schuld daran war ein anderer Augsburger: Löhrs Ex-Mitspieler, der 1991 den Manager gab: Erhard Wunderlich. Am Mittwoch um halb drei wird Löhr dabei sein, wenn einer der besten deutschen Handballer auf Augsburgs Westfriedhof zu Grabe getragen wird.

Vergangenen Donnerstag starb Wunderlich im Alter von 55 Jahren in einer Kölner Klinik an Hautkrebs. „Total schockiert, komplett überrascht“ war Löhr, „die Handball-Familie ist klein und überschaubar. Da bekommt man so etwas normalerweise mit. Aber ich hatte überhaupt nichts von seiner Krankheit gehört“. Wie Löhr ging es vielen. Bernd Schuster, der Mitte der 80er zeitgleich mit Wunderlich beim FC Barcelona spielte, sagte: „Ich wusste nicht, dass er krank ist. Er war ein feiner Kerl“, so Schuster über seinen Vereinskameraden. Die Kicker des FC Augsburg und von Werder Bremen ehrten Wunderlich am Wochenende mit einer Gedenkminute, ebenso die Handballer der Rhein Neckar Löwen und des TBV Lemgo. Vor der Eugen-Haas-Halle in Gummersbach stellten Fans Kerzen und ein Foto ihres Idols auf.

Auch Vlado Stenzel, der Wunderlich Mitte der 70er in die Nationalmannschaft berufen hatte, wurde vom Tod seines Lieblingsschülers überrascht. Der 78-Jährige hält nun die Grabrede. Der AZ sagte er: „Hab’ ich noch nie gemacht. Das ist eigentlich nicht meine Aufgabe, auf Gräber zu gehen und Reden zu halten. Es wird mir schwer fallen. Aber wenn die Familie mich bittet - warum soll ich da nein sagen? Er war ja einer der besten Freunde meines Lebens.“

Wunderlichs zweite Ehefrau Pia, mit der er im Bergischen Land lebte, hatte Stenzel gebeten, am Grab zu sprechen. Stenzel sagt: „Ich habe sie mal mit dem Sepp kennengelernt. Ich bin ihnen so verbunden und kenne ihn so gut, dass ich gerne ein paar Worte sage.“ Stenzel geht von einer großen Trauergemeinde aus: „Da werden sicher viele Leute kommen. So ein Mensch und Sportler wie Wunderlich wird nicht jeden Tag geboren.“

Auch Löhr, der mit seinem Bruder Jörg damals beim TSV Milbertshofen mit Wunderlich den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hatte, Vizemeister, Pokalsieger und eben Europapokalsieger wurde, findet lobende Worte für seinen ehemaligen Mannschaftskameraden: „Er hat sehr, sehr viel bewegt für den deutschen Handball, hat den Boden geebnet für die Erfolge von Milbertshofen und auch der Nationalmannschaft. Wunderlich war die beherrschende Figur, fand als Co-Kommentator auch mal kritische Worte. Er war immer eine eigenwillige Persönlichkeit, der seine Vorstellungen durchsetzen konnte, blieb aber dennoch Teamspieler.“


ufällig an jenem Tag, als Wunderlich seinen letzten Kampf verlor, war Löhr mit seinem elfjährigen Sohn in der alten Augsburger Sporthalle. „Er wollte mal sehen, wo sein Vater früher Handball gespielt hat.“ Für Löhr wurde es eine Reise in die Vergangenheit: „Ich habe gemerkt, wie gut ich diesen Finalsieg von 1991 noch vor Augen habe.“ Am Mittwochnachmittag werden noch mehr Bilder dazu kommen. Erinnerungen an Sepp Wunderlich.

 

0 Kommentare