Mitarbeiter trauert "Schockstarre" nach Tod von Therme-Erding-Gründer Wund

, aktualisiert am 15.12.2017 - 16:58 Uhr
Josef Wund kam Medienberichten zufolge bei dem Absturz ums Leben. Foto: dpa, imago

Gründer Josef Wund ist unter den drei Opfern des Flugzeugabsturzes in Ravensburg. In der AZ trauert der Geschäftsleiter um den Senior-Chef: "Er war die Seele unseres Unternehmens."

München - Seine Stimme ist brüchig, der Ton nachdenklich. Als könnte er selbst noch nicht fassen, was er gleich sagen muss. Uwe Barth, langjähriger Geschäftsleiter und Prokurist der Therme Erding, muss am Freitag die schlimmste Nachricht in der Geschichte des Unternehmens verkünden: Sein Chef, der Gründer des Bad-Paradieses, ist tot. Josef Wund (79) ist bei einem Flugzeugabsturz in Ravensburg ums Leben gekommen.

"Ja, es stimmt. Wir sind alle zutiefst bestürzt über die sehr traurige Nachricht, dass unser Senior-Chef und Eigentümer bei diesem tragischen Unglück ums Leben gekommen ist", bestätigt Barth der AZ am Freitagvormittag. Bei den Mitarbeitern ist nach dieser Nachricht nichts mehr, wie es war: "Alle sind in einer Art Schockstarre."

Die Cessna 510 startet nach Friedrichshafen – aber kommt nie an

Denn Josef Wund war nicht einfach nur der Gründer der Erdinger Therme, wie Barth der AZ im Gespräch erzählt: "Unser Senior-Chef war die Seele unseres Unternehmens. Er hat die Bäderkultur in Deutschland geprägt und war ein großer Visionär." Mit voller Energie habe er seine ganzen Projekte vorangetrieben. "Er war für uns stets Vorbild und wir werden die Projekte in seinem Sinne weiterführen", verspricht Barth.

Josef Wund war am Donnerstagabend zusammen mit zwei weiteren Männern in einer Cessna 510 am Flugplatz Frankfurt-Egelsbach in Hessen gestartet. Das Trio wollte nach Friedrichshafen fliegen, sie kamen dort aber nie an. Das Kleinflugzeug stürzte gegen 18:15 Uhr im Kreis Ravensburg (Baden-Württemberg) ab. Alle drei Insassen überlebten den Aufprall nicht. Bei den beiden anderen Opfern handelt es sich um den 45-jährigen Piloten aus dem österreichischen Vorarlberg und einen Fluggast (49) aus Wien.

Der Unglücksort ist schwer zugänglich, liegt im Wald. Am Freitag erschweren Schneefälle die Bergung des Cessna-Flugzeugs, das für Geschäftsreisen ausgelegt ist, zusätzlich. Die drei Opfer konnten aber bereits in der Nacht auf Freitag geborgen werden, so die Polizei.

Haben vereiste Tragflächen zum Absturz geführt?

Warum ist das Kleinflugzeug abgestürzt? Möglicherweise war das Winterwetter die Ursache. Das österreichische Luftfahrt-Portal Austrian Aviation Net hatte berichtet, es habe Hinweise auf Eisbildung auf den Tragflächen gegeben. Sicher sei allerdings nicht, ob die Maschine deswegen verunglückte. Die Polizei ermittelt.

Schon mit 27 Jahren gewinnt Wund einen Architektenpreis

Josef Wund hat in Erding Europas größte Thermenwelt geschaffen. Eröffnet wurde sie am 3. Oktober 1999. Die erste Investitionssumme: 25 Millionen Euro. Mittlerweile wurden 220 Millionen Euro investiert. Auch die Zahl der Mitarbeiter ist rasant gewachsen: Anfangs waren es 110 Beschäftigte, jetzt sind es rund 1.000, heißt es auf der Internetseite der Therme. Jährlich zählt die Anlage rund 1,8 Millionen Gäste. Junior-Chef ist Sohn Jörg.

Aber nicht nur Erding gehört zu Wunds Werken, auch die Therme in Bad Wörishofen, das Badeparadies im Schwarzwald, die Badewelt in Sinsheim und in Euskirchen hat sein gleichnamiges Unternehmen mit Sitz in Friedrichshafen geschaffen.

Bereits mit 27 Jahren gewann Wund einen wichtigen Architektenwettbewerb und bekam damals den Großauftrag für den Bau der neuen Messe in Friedrichshafen.

Aber der Bäder-König dachte offenbar noch lange nicht ans Zurücklehnen. Ein Sprecher der hessischen Kommune Bad Vilbel zeigte sich erschüttert über den Unfalltod. Denn Josef Wund habe sich in der vergangenen Zeit häufig in Bad Vilbel aufgehalten, weil sein Unternehmen dort ein großes Freizeitbad bauen wolle. Die Baugenehmigung sei erteilt und das Projekt schon in der finalen Phase. Laut früheren Angaben der Unternehmensgruppe Wund geht es in Bad Vilbel um Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro.

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