Entführter Hamed Abdel-Samad Diese Hintergründe vermutet der Bruder

Haben radikale Fanatiker oder schlechte Geschäftspartner etwas mit dem Verschwinden zu tun? Die Familie des mit dem Tode bedrohten und entführten Münchner Schriftstellers vermutet das Schlimmste. Der Bruder spricht von einem Geldstreit.

 

KAIRO Der Münchner Autor und Islam-Kritiker Hamed Abdel-Samad, der von radikalen Extremisten mit dem Tod bedroht wurde, bleibt verschwunden. Das Auswärtige Amt steht nach eigenen Angaben in ständigem Kontakt mir den ägyptischen Behörden, lässt aber offen, ob es sich um eine Entführung handelt. Die Familie des 41-jährigen Deutsch-Ägypters befürchtet das Schlimmste.

Sein Bruder Mahmoud war einer der letzten, der in Kairo mit ihm Kontakt hatte. Er hält zwei Szenarien für möglich. Die schlimmste Befürchtung sei, dass Hamed radikalen Islamisten in die Hände gefallen sei, die zu seiner Ermordung aufgerufen hatten. Eine andere Möglichkeit, die der Bruder im ZDF schilderte: Hamed könnte Probleme mit falschen Geschäftspartnern haben, die nun hinter seinem Verschwinden stecken.

Im Interview mit einem ägyptischen Sender habe Mahmoud von einem Streit um eine hohe Geldsumme berichtet, meldet die "SZ". Es geht um fast 250.000 Euro, die sein Bruder verliehen haben soll.

Das Wenige was über das Verschwinden des Schriftstellers bekannt ist, ist ebenfalls von Bruder Mahmoud zu erfahren: Am Sonntag habe Hamed voller Sorge mit seinem Leibwächter telefoniert. Der Grund: Ein schwarzer Wagen hätte ihn vom Hotel aus verfolgt. Dann sei die Leitung abgebrochen. Seitdem gilt Hamed als verschwunden. Die ägyptische Polizei geht von einer Entführung aus.

Abdel-Samad war in Deutschland immer mit Polizeischutz unterwegs. Nach einem Vortrag über „radikalen Faschismus“ in Kairo hatten radikale Prediger ihn als „Abtrünnigen“ beschimpft und zur Ermordung aufgerufen. Trotz dieser Fatwa beschloss Abdel-Samad, sich nicht auf Dauer zu verstecken. Bei einer Lesung in München im Sommer verteidigte er seine Islam-Kritik: „Mein Ziel ist und war niemals, die Religion zu diffamieren, sondern die diktatorischen und faschistischen Elemente, die sich verankert haben in der Religion, zu thematisieren.“

 

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