Entführt von der Terror-Gruppe Boko Haram: Jetzt spricht der befreite Kaufbeurer

Völlig erschöpft, aber erleichtert: Eberhard N. nach seiner Rettung in Yaounde. Foto: dpa

Nach seiner Befreiung schildert der Entwicklungshelfer Eberhard N. sein Martyrium während der Geiselhaft.

 

München - Man sieht Eberhard N. die Strapazen der letzten Monate an: Der Entwicklungshelfer aus dem schwäbischen Kaufbeuren ist ausgemergelt, Haare und Bart sind zerzaust, seine Schritte unsicher. Über ein halbes Jahr war der ehemalige Bundeswehrsoldat in den Händen der nigerianischen Terror-Gruppe Boko Haram.

50 Kilo abgenommen

Am Mittwoch wurde er von einer Spezialeinheit befreit. Bei seiner Ankunft am Flughafen im kamerunischen Yaounde sagte Eberhard N., er habe nicht gewusst, ob er überleben würde. Sein Gefängnis sei komplett dunkel gewesen. Während der Geiselhaft habe er rund 50 Kilo abgenommen. Einem Reporter der Deutschen Welle in Younde schilderte er die Eindrücke seiner Geiselhaft: „Sie wissen nicht, was mit ihnen passiert. Diese Aktion hat mich bis zum Schluss soviel Nerven gekostet, muss ich sagen. Ich hab echt gedacht, bis zum Schluss, die legen mich um. Nicht dass sie mich gefoltert hätten, aber es war schlimm für mich.“

Medizinische Untersuchung notwendig

Eberhard N. wurde nach seiner spektakulären Rettung in der deutschen Botschaft untergebracht. Der deutsche Botschafter in Kamerun, Klaus-Ludwig Keferstein, teilte mit, man müsse den Schwaben noch medizinisch untersuchen, bevor er nach Deutschland zurückgeflogen werden könne. Der Entwicklungshelfer war am 16. Juli 2014 von Bewaffneten auf Motorrädern verschleppt worden. Zunächst hatte sich niemand zu seiner Entführung bekannt.

Mehr als 10.000 Tote

Erst Ende Oktober tauchte ein Video auf, in dem Abubaka Shekau, der Anführer von Boko Haram, damit drohte, man könne Eberhard N. „zerhacken, abschlachten oder erschießen“. Boko Haram lässt sich als „westliche Bildung ist Sünde“ übersetzen. Seit Jahren kämpft die Terrorgruppe für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Bei Anschlägen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen hat Boko Haram seit 2009 mehr als 10.000 Menschen getötet.

 

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