"Engel der Gerechtigkeit" Robert Atzorn: "Es wird total vergessen, dass ich Humor habe"

Der Schauspieler Robert Atzorn hat dem Alkohol abgeschworen. Foto: ZDF/Nicolas Maack

In über 30 Jahren Schauspielerei hat Robert Atzorn schon beinahe jeden Beruf vor der Kamera ausgeübt. Für das ZDF-Herzkino wirft er sich am Sonntag in "Engel der Gerechtigkeit" den weißen Arztkittel über. Mit spot on news hat der 68-Jährige über das deutsche Gesundheitswesen gesprochen und verraten, warum er sich eine Rolle in einer Komödie herbeisehnt.

 

Mainz - Robert Atzorn (68, "Das Kommando") steht schon seit über 30 Jahren vor der Kamera. Für seine Rolle als Frankfurter Polizeipräsident Wolfgang Daschner in "Der Fall Jakob von Metzler" wurde er dieses Jahr mit dem Grimme-Preis sowie dem Bayrischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Im ZDF ist der 68-Jährige am Sonntag um 20.15 Uhr als Arzt in der Herzkino-Reihe "Engel der Gerechtigkeit: Ärztepfusch" zu sehen. Eine weitere Folge gibt es im Dezember.

Mit der Nachrichtenagentur spot on news sprach Robert Atzorn über die Probleme im deutschen Gesundheitswesen und erklärte, warum er gerne mal wieder eine Komödie drehen würde. Außerdem verriet er, was er von all den neuen "Tatort"-Gesichtern hält.

Herr Atzorn, in "Engel der Gerechtigkeit" spielen Sie einen Arzt, der die Gesetze auch mal missachtet, um seinen Patienten zu helfen. Würden Sie so etwas von ihrem Arzt im echten Leben erwarten?

Robert Atzorn: Von einem guten Arzt würde ich zunächst erwarten, dass er versucht, mich wieder gesund zu machen. Der soll nicht gleich Geld im Kopf haben.

Welche Rolle spielt ihrer Meinung nach das Geld bei Ärzten?

Atzorn: Da ich selten zum Arzt gehe, weiß ich das nicht wirklich. Aber ich habe Geschichten gehört, dass einige Ärzte schnell bestimmte Medikamente verschreiben, die bestimmte Nebenwirkungen verursachen, damit der Patient in zwei bis drei Wochen auch bestimmt wiederkommt. Für dieses Vorgehen werden sie dann von der Pharmazie bevorzugt.

Haben Sie nach den Dreharbeiten überhaupt noch Vertrauen in das Gesundheitswesen in Deutschland?

Atzorn: Ich wusste nicht, dass die Lage in Deutschland so extrem ist, dass jährlich zehntausende Patienten an diesem Krankenhauskeim oder durch falsche Diagnosen sterben. Das macht einen schon sehr skeptisch. Ich kann deshalb nur jedem raten, der eine Operation vor sich hat, noch eine zweite oder gar dritte Meinung einzuholen. Denn nicht immer ist ein Eingriff wirklich notwendig. Deshalb finde ich es toll vom ZDF und von Produzent Wolfgang Rademann, dass hier die Ärzte mal nicht nur als die Helden in Weiß dargestellt werden.

Der von Ihnen verkörperte Arzt, Professor Brenner, ist selbst im hohen Alter noch beinahe besessen von seinem Beruf. Gibt es da Parallelen zu Ihnen?

Atzorn: Dr. Brenner muss jeden Tag in die Klinik, da bleibt die Familie schon mal auf der Strecke. Ich widme mich einem Projekt für sechs Wochen und habe dann wieder einige Zeit zu Hause, um die nächste Aufgabe vorzubereiten oder auch mal gar nichts zu tun. Ich kann diese Defizite, die familiär entstehen, immer wieder ausgleichen.

Sie haben nun schon vom Lehrer über den Pfarrer bis hin zum Arzt und Polizisten alle Rollen gespielt. Welche war die schwerste?

Atzorn: Der Pfarrer damals war die schwerste Rolle für mich, weil ich mich zuvor noch nie mit religiösen Themen beschäftigt hatte. Ich bin zwar konfirmiert, aber absolut kein Kirchengänger. Dieses Gedankengut hatte für mich keine Relevanz. Deshalb fiel es mir anfangs schwer, mich in diese Thematik hineinzuversetzen. Aber heute ist das etwas anders: Ich gehe nun sogar einen Yogaweg, der ja auch in irgendeiner Form ein religiöser Weg ist.

Und welche Rolle hat Sie am meisten geprägt?

Atzorn: Da gibt es einige. Angefangen bei "Aus dem Leben der Marionetten" von Ingmar Bergmann. Das war für mich damals wie ein Ritterschlag, dass mich ein solches Regie-Genie in seinem Film besetzt. Ebenso waren für mich meine Rollen in "Mein Mann, der Trinker" sowie letztes Jahr "Der Fall Jakob von Metzler" sehr wichtig. Aber auch "Unser Lehrer Doktor Specht" darf nicht vergessen werden. Die Serie hat mich geprägt und bedeutete auch so etwas wie einen Durchbruch für mich.

Gibt es noch eine Rolle, die Sie so richtig reizen würde?

Atzorn: Die Berufe habe ich schon alle durch. Grundsätzlich würde ich aber gerne mehr Komödie machen. Deshalb bin ich 2011 zu Dieter Hallervorden ans Schlosspark Theater gegangen, um dort die Komödie "Achterbahn" zu spielen. Das war eine total schöne Erfahrung, nach 30 Jahren wieder auf der Bühne zu stehen. Aber ich würde gerne auch wieder einmal einen lustigen Film drehen. Nach einem ernsten Film wie "Engel der Gerechtigkeit" muss ich in Interviews immer über die ernsten Dinge des Lebens reden. Dabei wird total vergessen, dass ich doch auch Humor haben könnte. Das finde ich total schade.

Apropos schade. Wie finden Sie als "Tatort"-Veteran die Entscheidung des "rbb", die Zusammenarbeit mit den Berliner Kommissaren Dominik Raacke und Boris Aljinovic zu beenden?

Atzorn: Ich bedauere das, denn die beiden waren ein tolles Team. Dass Joachim Król und Nina Kunzendorf nicht mehr gemeinsam ermitteln, finde ich auch sehr schade. Dieses Duo war sehr ungewöhnlich. Ich würde es begrüßen, wenn die altgedienten und auch guten Kommissare weitermachen. Dann hat man wenigstens ein paar bekannte Gesichter, die man gerne anschaut.

Aber ihre "Tatort"-Karriere ist definitiv zu Ende.

Atzorn: Der "Tatort" ist abgehakt. Ich spiele nun einmal im Jahr in der Krimireihe "Nord Nord Mord". Da mime ich einen Kommissar in meinem Alter, der seine Arbeit mit ein wenig Distanz sieht. Zudem spielt der Krimi auf Sylt, was mir sehr entgegenkommt, weil ich gerne in Norddeutschland drehe. Somit bin ich sehr zufrieden.

 

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