EM kurios Größte Deutschland-Fahne einkassiert

Die wohl größte Deutschland-Fahne zur EM darf nicht mehr wehen. Berliner Behörden kassierten im Stadtteil Neukölln ein 240 Quadratmeter großes Tuch ein. Die 24x10 Meter große Flagge hatte Kneipenwirt Abdul Güzel zwischen zwei Häusern über der Kienitzer Straße gespannt.

 

BERLIN – Die Nachbarn waren begeistert, die Behörden nicht. „Ich wollte einfach was Verrücktes zur EM machen. Ließ mir die Fahne bei einem Sattler im Kiez anfertigen, kostete 550 Euro“, sagte Güzel der BZ. Mit Freunden befestigte er das 35 kg schwere Stück an Schornsteinen und Balkongeländer in Nähe seiner Biker-Kneipe „Bierbaum 3“ und am Haus gegenüber.

Sogar Touristen kamen extra in den Kiez und zuckten ihre Fotoapparte. Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren weniger erfreut und forderten den Wirt auf, die Fahne abzunehmen. Die Beamten sahen die Sicherheit gefährdet. „Ich habe sie um eine Genehmigung gebeten, aber man sagte mir, dafür gibt es keine Genehmigungen“, sagte der Deutsch-Türke Güzel. Er rollte die Fahne zähneknirschend ein, weil sie sonst die Feuerwehr kostenpflichtig entfernt hätte. Wie das Ordnungsamt mitteilte, habe sich ein besorgter Bürger gemeldet.

Deshalb musste der Vorgang überprüft werden. „Ich bin jetzt einfach sehr traurig“, sagte der Wirt, der in der Türkei geboren wurde und seit 34 Jahren in Berlin lebt. Doch so ganz hat der 46-Jährige seinen Fahnen-Traum noch nicht abgehakt: „Eins ist doch wohl klar. Kommt Deutschland ins Finale, muss mir das Amt erlauben, sie wieder aufzuhängen.“ Etwas liberaler als ihre Kollegen in Neukölln gaben sich Mitarbeiter des Ordnungsamtes von Pankow. Als erste Behörde Berlins schmücken sie während der EM ihre Dienstfahrzeuge mit Deutschland-Fahnen.

„Wir sind bürgernah und stehen mitten im Leben. Deshalb habe ich die Beflaggung erlaubt“, sagte Stadtrat Torsten Kühne dem Berliner Kurier. Im Jahr 2006 zur Heim-WM war so etwas noch undenkbar. Damals hatte Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch Deutschland-Fahnen bei Polizisten untersagt. Angeblich sei ihr Anbringen ein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot.

 

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